Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Bürgermeister Yannig Robin und Guillaume Appriou aus Plouguerneau würdigen 50 Jahre Partnerschaft

Die „alte Dame Europa“: So wichtig wie das Wasser

Archivartikel

Mit einem Gottesdienst in der Kirche St. Andreas und einem Festakt unter freiem Himmel im Schlosshof haben die Gemeinden Edingen-Neckarhausen und Plouguerneau gestern den 50. Geburtstag ihrer Partnerschaft gefeiert. Die Ode an die Freude, vom evangelischen Posaunenchor gespielt und vom Partnerschaftschor gesungen, war dabei der vorläufige Höhepunkt des Sonntags.

Dass es die Musik war, die einst die Partnerschaft zwischen beiden Kommunen entstehen ließ, rief die Vorsitzende der IGP Interessengemeinschaft Partnerschaft, Barbara Rumer, in ihrer Ansprache in Erinnerung. Denn der Männerchor des MGV Neckarhausen habe gemeinsam mit dem Chorale Kanvroiz Dom Mikael den Grundstein für die Verschwisterung gelegt. „Unsere Partnerschaft ist nicht 50 Jahre alt – sie ist seit 50 Jahren jung“, stellte Rumer fest.

Bürgermeister Simon Michler erinnerte an die Zeit, als die Partnerschaft entstand. Deutschland war noch geteilt, Neckarhausen und Edingen waren jeweils eigene Gemeinden. „Es war die Zeit des Höhepunktes im Kalten Krieg zwischen Ost und West“, sagte Michler. Man zahlte mit Franc und D-Mark, der Euro war noch in weiter Ferne. Zugleich fand er mahnende Worte: „Gerade in der derzeitigen Situation innerhalb der Europäischen Union mit der Flüchtlingsproblematik und Sicherung der Außengrenzen ist es besonders wichtig, dass der Grundgedanke der europäischen Einheit und Zusammenarbeit immer wieder mit neuem Leben erfüllt wird.“

In seiner bemerkenswerten Ansprache fand Plouguerneaus Bürgermeister Yannig Robin nachdenkliche und fast schon philosophische Worte. „Statt große Reden zu halten, sollten wir vielleicht lieber leise den Geräuschen lauschen, die uns umgeben“, sagte er: „Da ist diese Musik, die immer lauter wird. Diese Musik, die uns dazu verleitet, allem und allen zu misstrauen und vor allen Dingen jenen, die nicht aussehen wie wir.“ Zum Schluss bat er an Stelle von Beifall „um Zustimmung und Unterstützung unserer alten Dame Europa“ und fügte hinzu: „Ich bitte Sie demütig, dieses Europa der Bindungen und Begegnungen lautstark zu feiern. Denn das ist, was wir hören, erkennen und weitergeben müssen.“

„Meer und Neckar vereinen“

Guillaume Appriou, Präsident des Comité de Jumelage, blickte auf 50 Jahre zurück, „in denen unsere Partnerschaft dazu beigetragen hat, die europäische Union zu schmieden“: Diese europäische Union werde heute bedroht, „aber gerade in diesen Zeiten brauchen wir sie ebenso sehr wie Wasser zum Leben“. Wie Europa sei Wasser eine Quelle des Reichtums, „die jedoch intelligent verwaltet werden muss“. Wasser bringe Leben, könne aber auch zerstören. Und es erinnere die Menschen daran, dass man es nicht bändigen kann. Fast poetisch schlug er die Brücke zu beiden Gemeinden: „Das Meerwasser in Plouguerneau und das Flusswasser des Neckars in Edingen-Neckarhausen wiegen uns beide in ihren Fluten.“

Info: Fotostrecke: morgenweb.de/neckarhausen