Edingen-Neckarhausen

Edingen Karl und Ursula Schwab haben keinen Nachfolger gefunden

Die letzte Metzgerei im Ort schließt für immer ihre Türen

Der kurze Weg zum Metzger wird nun länger, die Edinger Geschäftswelt um einen Traditionsbetrieb ärmer. Nach 38 Jahren schließt die Metzgerei Schwab für immer ihre Pforten. An diesem Samstag ist der letzte Verkaufstag. Was bis dahin nur dem Fleisch gestattet war, können dann auch Karl und Ursula Schwab für sich in Anspruch nehmen: „In Ruhe selbst einmal abhängen.“

Das Geschäft als solches besteht schon etwas länger und wurde von den Schwabs zunächst als Filialbetrieb beliefert. Das Ehepaar führte damals noch eine Gaststätte mit Metzgerei in Tairnbach im Kraichgau. Kennengelernt hatten sich die beiden im Eppinger Gasthaus von Ursula Schwabs Schwester, dem ebenfalls eine Metzgerei angegliedert war. Die gelernte Einzelhandelskauffrau arbeitete dort in der Küche, ihr späterer Mann war als Metzgergeselle im Betrieb beschäftigt. Beide waren 19 Jahre alt, als sie heirateten und den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit anstrebten.

Nach der Übernahme der Metzgerei in Edingen wurde der Laden komplett umgebaut und den Bedürfnissen der Zeit angepasst. Letzteres galt auch für das umfangreiche Angebot an Fleisch- und Wurstwaren. „Frische aus erster Hand“, lautete der Spruch auf den Verkaufstüten, und das war keine leere Floskel. „Unsere Schlachttiere stammten aus der Region, wurden artgerecht gehalten und nicht über hunderte von Kilometern bis zum Schlachthof gekarrt“, betont Karl Schwab. Nach der Schlachtung kamen die Tiere als Frischfleisch zurück. In der eigenen Wurstküche wurden rund 30 Wurstsorten hergestellt, während die besten Stücke in die Fleischtheke wanderten.

Wenn es um die Wurst ging, dann zählten Lyoner, Fleischkäse, Nürnberger Bratwurst, Wiener und die Leberwurst zu den Rennern. „Wir verkauften aufgrund unserer Vielfalt mehr Wurst als Fleisch“, bilanziert die Chefin. Sie bedient zusammen mit zwei Verkäuferinnen die Kunden, ihr Gatte „wurstelt“ mit zwei Gesellen in der Wurstküche.

Ob sich Discounter und Supermärkte im Kaufverhalten der Kunden bemerkbar machten? – „Etwas zu spüren war das schon, aber mit Discounterpreisen in Form von Billigfleisch wollten und konnten wir nicht mithalten, Qualität hat nun mal ihren Preis“, ist Karl Schwab überzeugt. Nachdem reihum immer mehr Metzgereien schlossen, kamen auch aus anderen Gemeinden Kunden in den Laden. Immer mehr nachgefragt wurde Schwabs Partyservice. „Samstags hatten wir diesbezüglich immer zu tun, oftmals belieferten wir aber auch sonntags Familienfeiern und Vereinsfeste“, schildern die beiden ihr doch eher „unfreies“ Wochenende.

Von früh bis spät auf Achse

Unter der Woche waren sie vom frühen Morgen bis in die Abendstunden hinein im Einsatz. „Wir sind jetzt beide im Rentenalter, und ein bissel merkt man die Jahre dann doch“, gesteht Ursula Schwab. Die Powerfrau hat neben der Arbeit im Geschäft noch vier Kinder großgezogen. Zwar erlernten zwei der drei Mädchen den Beruf der Metzgerei-Fachverkäuferin, orientierten sich dann aber später beruflich um.

Der Sohn ergriff zwar ebenso wie der Vater den Beruf des Metzgers, machte aber anderswo als Fleischerei-Techniker weiter. „Es fehlt einfach an geeigneten Nachfolgern, die ein solches Geschäft übernehmen wollen“, bedauert Karl Schwab. Deshalb wird nach dem Samstag der Betrieb für immer geschlossen, und damit ist auch der klassische Metzgerladen in Edingen leider Geschichte – es gibt keinen mehr.

„Die Jahre waren zwar sehr arbeitsreich haben uns aber menschlich viel gebracht. Wir kamen als Fremde, inzwischen sind wir richtige Edinger“, berichten die Schwabs schmunzelnd von ihrer gelungenen Integration, verbunden mit einem Dank an ihre treue Kundschaft. Am Samstag wird dann sicher auch so manches Abschiedstränchen fließen. Nicht nur die Kunden, auch Verkäuferin Petra Böhm wird der Metzgerei nachweinen. „Ich habe hier immer gerne gearbeitet. Schade, dass jetzt Schluss ist.“