Edingen-Neckarhausen

Neckar-Bergstraße Das „MM“-Osterei reist durch die Region / Heute: Die Fischkinderstube zwischen Edingen und Neckarhausen

Diese Kinderstube kennen viele

Archivartikel

Da ist aber am Gründonnerstag jemand sehr früh aufgestanden, um unser „Rätsel-Ei“ zu entdecken: Yvonne Luft aus Ladenburg schickte ihre Lösung um 2.31 Uhr per E-Mail, und sie lag goldrichtig, so wie viele andere „MM“-Leser auch: Das Ei war diesmal an der Fischkinderstube in Edingen-Neckarhausen abgelegt. Melanie Schille aus Neckarhausen war mit ihrer Antwort noch präziser und nannte explizit das „Freiluftklassenzimmer“. Denn genau dort befinden sich die Stufen aus Sandstein, die wissbegierigen Schülern künftig als Sitzgelegenheit für praxisnahen Naturkundeunterricht dienen soll.

Noch liegt das Projekt in den letzten Zügen, doch bis Ende Mai soll alles fertig sein. Inzwischen steht auch der Termin für die Einweihung fest. Am 8. Juni wird unter anderem Landrat Stefan Dallinger erwartet. Umweltminister Franz Untersteller, der sich für die Fischkinderstube stark gemacht hat, kann nicht dabeisein, wie Bürgermeister Simon Michler bedauert. Doch spätestens im Rahmen seiner Sommertour will auch Untersteller nach Edingen-Neckarhausen kommen, um sich das künstliche Seitengewässer des Neckars anzuschauen.

„Der Neckar wurde über die letzten 100 Jahre hinweg in sein Bett gezwängt, so wie wir es heute kennen. Er wurde sozusagen der Industriegesellschaft angepasst“, formulierte Untersteller im September 2015 in einem Interview mit dem „MM“. Jetzt gehe es darum, dies in den kommenden Jahren an manchen Stellen wieder rückgängig zu machen. Ziel sei es, „den Neckar wieder ökologischer zu gestalten und die Artenvielfalt zu verbessern“. Das ganze Projekt kostet über 3,4 Millionen Euro. „Das ist viel Geld“, gesteht der Minister: „Aber ich glaube, es ist gut angelegt.“

Das Land wird knapp 2,7 Millionen dazugeben. Die Gemeinde hat das Grundstück beigesteuert, Fischerei (300 000 Euro) und Sponsoren (450 000 Euro) übernehmen den Rest. Vor allem der frühere Bürgermeister Roland Marsch hat sich intensiv dafür eingesetzt, Spenden für das Vorhaben zu gewinnen: Karl-Horst Brune, seit 1959 Bürger der Gemeinde, trägt den Löwenanteil. „Er freut sich schon auf den Termin“, berichtet Marschs Nachfolger Michler. An seine großzügige Unterstützung sollen Steine und eine Tafel mit Inschrift erinnern.

Klassenzimmer im Grünen

Steine sind auch wesentlicher Bestandteil des grünen Klassenzimmers, in dem unser „Rätsel-Ei“ schon einmal Platz genommen hat. Der rote Buntsandstein ist typisch für die Region, wie Diplom-Ingenieur Achim Bohrmann vom Heidelberger Büro IUS erläutert. Die rund 50 Zentimeter langen, breiten und tiefen Quader wurden in der Pfalz auf Maß gebrochen und gesägt. Auf den steinernen Stufen werden vor allem Kinder und Jugendliche Platz nehmen, um Naturkundeunterricht hautnah zu erleben. Als krönender Abschluss des Ganzen wird bis Ende April ein riesiges Sonnensegel in Ockerfarben über den Bereich gespannt. „Dadurch erwarten wir einen tollen räumlichen Effekt“, erklärt Bohrmann.

Eigentlicher Adressat des kleinen Sees sind die Fische. In dem Seitenarm des Flusses sollen heimische Fische laichen und sich vermehren können, um ihren Bestand dauerhaft zu sichern. Das Gewässer ist rund 320 Meter lang, bis zu 55 Meter breit und 1,3 Hektar groß. Die Tiefe liegt zwischen 2,50 und 3,50 Metern. Noch schließt ein Bauzaun das Gelände ab, aber bei einem Osterspaziergang entlang der Kreisstraße kann man ungestört einen Blick auf die Baustelle werfen.

Info: Mehr zur Fischkinderstube: www.morgenweb.de/edingen