Edingen-Neckarhausen

Edingen NABU freut sich über Bewohner an der Trafo-Station / „Findelküken“ aus Mannheim aber zu klein für potenzielle Stiefgeschwister

Dreifacher Falken-Nachwuchs im Mittelgewann

Dreifacher Nachwuchs im Edinger Mittelgewann: Eine Turmfalkenfamilie hat sich in acht Metern Höhe häuslich eingerichtet und freut sich über den reich gedeckten Tisch unweit von Äckern und Streuobstwiesen. Mit ihnen freut sich die NABU-Gruppe Edingen-Neckarhausen, deren Sprecher Stefan Brendel und Thomas Hoffmann den Falkenkasten im vergangenen Frühjahr an der Trafo-Station der Netze BW im Mittelgewann angebracht hatten. Vergangenes Jahr blieb die bezugsfertige Vogel-Immobilie indes noch unbewohnt.

Etwa zwei Wochen alt

„Vor etwa zwei Wochen informierte uns eine Anwohnerin, dass sich dort etwas getan hat“, erzählt Brendel im Gespräch mit dem „MM“. Er selbst konnte daraufhin die drei Küken und ihre Mutter mit dem Fernglas beobachten, sein NABU-Kollege Jürgen Dreher bekam sie mit seiner Kamera vor die Linse.

Dieser Tage hätte die junge Familie beinahe noch weiteren Zuwachs bekommen. Ein in Mannheim von einem Kirchturm gefallenes Turmfalken-Küken suchte eine Pflegemutter. Es ins eigene Nest zurückzusetzen, scheiterte an der Unzugänglichkeit des Turms, erklärt Brendel. Wolfgang Dreyer vom NABU in Mannheim fragte deshalb bei seinen Kollegen in Edingen-Neckarhausen nach Obdach für das Findelkind an. Am Montag wollte man es gemeinsam zu den Falken ins Mittelgewann einsetzen.

Erstmals konnte Brendel dabei die Tiere aus nächster Nähe sehen. Beim Griff von der Leiter in den Kasten bemerkte er allerdings erstaunt: „Die Jungvögel hatten sich in rund einer Woche so weit entwickelt, dass sie viel größer waren als das Mannheimer Küken. Die würden den armen Kerl verhungern lassen.“ Und das wollte natürlich niemand riskieren. Beendet war die Einsetz-Aktion mit dieser Entscheidung indes noch lange nicht.

Junges „auf der Flucht“

Eines der drei Edinger Falken-Kinder fühlte sich von Brendels Besuch wohl zu weiteren Unternehmungen angestachelt und machte flugs die Biege: aus der Hand des NABU-Chefs direkt in die Brennnesseln am unteren Ende der Leiter. Während oben die Falkenmutter über ihre beiden anderen Jungen wachte und die NABU-Männer im kritischen Blick hatte, sammelte Wolfgang Dreyer den „Flüchtling“ aus dem Gestrüpp auf. „Das sollte man nur mit Handschuhen tun“, erzählt Brendel. Sein Mannheimer Kollege weiß dies nun auch: Die Krallen des Jungtiers bohrten sich bei der Aktion schließlich unsanft in seine Finger.

Mehrere Anläufe brauchten die Männer, um den Falken-Nachwuchs – erst in einer Stofftasche, dann schließlich doch mit sicherem Griff (in Handschuhen) – zurück zu seinen Geschwistern zu setzen. „Die Zeit drängte, das Donnergrollen des Gewitters kam immer näher“, berichtet Brendel von dem für ihn ungewohnten Einsatz.

„Für mich war das Neuland“, sagt er – noch immer beeindruckt von dem tierischen Schauspiel, das die besorgte Falkenmutter während der Aktion veranstaltete. „Sie flog immer wieder Scheinangriffe und mir dabei mit einem Riesenrabatz direkt über den Kopf.“

Ende gut, alles gut: Nachdem Brendel den Vogel zurück zu seiner Familie gesetzt hatte, deckte er den Kasten noch ein Weilchen mit seiner Stofftasche zu, bis sich alle Vögel nach der ganzen Aufregung wieder beruhigt hatten. Das Mannheimer Findelkind muss übrigens auch nicht alleine bleiben: Es wird nun in der Auffangstation für Greifvögel in Karlsdorf-Neuthard versorgt, wie der NABU-Vorsitzende weiß.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/edingen

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