Edingen-Neckarhausen

Edingen Die „Bürger in Aktion“ öffnen zum dritten Mal ihre Straußwirtschaft im Schlössel

Ehrenamtliche Kochkunst in historischen Mauern

Archivartikel

Auf der „Bel Etage“ des ehemaligen Adelssitzes hat sich einiges getan. Die historische Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert erstrahlt in neuem Glanz. Die mühevollen Arbeiten an dem aufwendigen Deckenschmuck sind beendet und der Förderverein ist damit bei der Rekonstruktion des großen Saals im Edinger Schlössel ein großes Stück vorangekommen.

„Wir haben uns über die Zusage gefreut, den großen Saal für unsere Straußwirtschaft mitbenutzen zu dürfen“, erklärte Hermann Rommel von den „Bürgern in Aktion“. Er ist der organisatorische Team-Chef der kochfreudigen Truppe, die rein ehrenamtlich am Herd steht.

Wer bei der Kerwe das Kulinarische mit dem Kulturellen verbinden möchte, für den bietet sich ein Besuch im Schlössel an. „Laut Diplom-Restauratorin Silke Böttcher verfügt die Stuckdecke aus dem 18. Jahrhundert über eine hohe künstlerische Qualität“, erklärte der Vorsitzende des Fördervereins, Hans Stahl.

Aus der Zeit von Carl Theodor

In der reichen Ornamentik seien schadhafte und fehlende Teilstücke ersetzt worden. Mittlerweile präsentiert sich das Decken-Ensemble mit seinen Zweigen, Blüten und Blättern wieder als Einheit. „Eleganz und Ausgewogenheit der Komposition sowie Feinheit und Schwung der Ausführung stellen eine kostbare Hinterlassenschaft aus der Zeit des Kurfürsten Carl Theodor dar“, heißt es dazu in dem von Ralf Fetzer herausgegebenen Buch zum Edinger Schlösschen.

Nach seiner Restaurierung hebt sich der weiße Stuck hervorragend von der bläulichen Decken-Grundierung ab. „Das sieht wirklich toll aus“, stellte Bürgermeister Simon Michler kürzlich bei einer Visite im gemeindeeigenen Barockbau fest.

Nachdem Fußboden und Decke fertiggestellt sind, sollen jetzt die Wände vergipst werden, die später noch einen Anstrich erhalten. Unter den alten Tapeten waren Wandmalereien zum Vorschein gekommen – einen Ausschnitt davon wolle man auf Kosten des Fördervereins sichtbar machen und bewahren, kündigte der Schlössel-Chef an. Was dann noch fehle, seien die historischen anmutenden Türen.

Immerhin steht eine kleine eingerichtete Küche zur Verfügung, die die Bürger in Aktion nutzen können. Bei der koch- und essfreudigen Truppe handelt es sich um mehrere Ehepaare, die im Jahr des großen Doppeljubiläums der Gemeinde 2015 erstmals zum Kochlöffel gegriffen hatte. Seither ist man nicht aus der Übung gekommen, im Gegenteil: Die Speisekarte für die Schloss-Straußwirtschaft kann sich sehen lassen. Zu finden sind dort Fisch in Kräuterkruste, dreierlei Knödel-Variationen oder Wildschweinfrikadellen mit hausgemachtem Kartoffelsalat. Sonntags wird es zudem Wildschweinragout mit selbst geschabten Spätzle geben. „Das Wildschwein aus dem heimischen Forst wurde schon zerlegt und vorbereitet. Aber nicht nur das Schwein, auch alles andere kommt frisch auf den Tisch“, versichert Rommel.

Im Eingangsbereich des Schlosses soll eine Vinothek mit ausgesuchten Weinen von Winzern aus der Region Hingucker und Gaumenkitzel zugleich sein. Wenn es das Wetter zulässt, soll es auch eine Außenbewirtschaftung geben. Der Reinerlös der Bewirtung kommt dem Förderverein zugute.

Öffnungszeiten: Samstag, 5. Oktober, ab 16 Uhr und Sonntag, 6. Oktober, ab 11 Uhr.

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