Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Landwirte unterhalten zehn Hektar blühende Wiesen / Bürger können sich beteiligen

Eine bunte „Hasen-Apotheke“

Archivartikel

Fenchel, Dill, Ringelblume und Spitzwegerich: Was auf dem rund 3000 Quadratmeter großen Feld nahe der Grenzhöfer Straße am Ortsrand von Edingen blüht, leuchtet nicht nur in bunten Farben und duftet schön, es hilft auch, gesund zu werden. „Das ist eine Hasenapotheke“, freut sich Heinrich Jung, Landwirt und Jäger. Die Medizin gibt es nicht auf Rezept, sondern sie ist frei erhältlich, „wenn der Feldhase mal Bauchweh hat“. Auch Passanten dürfen sich hier einen Zweig pflücken, wenn sie sich auskennen.

Das Feld ist Teil einer Offensive der örtlichen Landwirte, mit der sie sich für die Umwelt engagieren und gegen häufig zu hörende Kritik an ihrem Berufsstand zur Wehr setzen. „Manche Kollegen machen das schon seit Jahren“, betont Georg Koch, der Sprecher der Bauern in der Gemeinde. „Ein beglückender Anblick, wenn die Kornblumen wieder blühen“, ergänzt Jung und zeigt auf das bunte Feld. „Wir haben unsere Betriebe von unseren Vorfahren geerbt und wollen sie an die nächste Generation weitergeben“, macht Bauernsprecher Georg Koch deutlich, dass es im eigenen Interesse der Landwirte liegt, Natur und Umwelt zu schützen: „Wenn die Natur in Schieflage gerät, spüren wir das als Erste.“ Auf der Blühwiese nebenan holen sich unterdessen die Bienen den Nektar aus den Blüten. Eine wahre Bienenweide.

Ab 2020 Patenschaften

Die Aktion „Rettet die Bienen“ richtet sich nach Ansicht von Koch zu Unrecht gegen ihn und seine Berufskollegen. Genau hier setzt die Aktion der örtlichen Bauern an. „Wir machen blühende Streifen“, steht auf den Plakaten, die an den Rändern dieser Felder platziert werden. Damit wollen die Initiatoren den Bürgern die Möglichkeit bieten, sich selbst zu engagieren, indem sie für 2020 Blühpatenschaften übernehmen. Für einen bestimmten Betrag können sie dann die Samenmischung und die Pflege einer zum Beispiel 100 Quadratmeter großen Fläche finanzieren. Insgesamt gibt es schon heute rund zehn Hektar dieser blühenden Teppiche.

Die Aktion lehnt sich an eine ähnliche des Bauernverbandes mit dem Titel „BW blüht auf“ an. An der Online-Plattform will man sich allerdings nicht beteiligen. Stattdessen können sich Interessenten direkt per E-Mail an die örtlichen Landwirte wenden. Wie genau es dann weitergeht, das wollen die Landwirte mit denjenigen klären, die sich melden.

In erster Linie geht es den Bauern darum, Lebensräume für Insekten zu schaffen. Fünf Prozent ihrer Fläche dürfen sie wegen Vorgaben der EU nicht bewirtschaften, sondern müssen sie brachliegen lassen. Ausgestalten können sie das selbst. Die Blühstreifen sind die insektenfreundliche Variante. Und die soll jetzt mit Unterstützung der Bürger weiter forciert werden.

„Ganz ohne Gift geht nicht“

Immer wieder geraten die Landwirte wegen des Pflanzenschutzes in die Kritik. Dabei gehen sie mit der chemischen Keule nach eigenen Angaben mehr als vorsichtig um. „Jede Überfahrt mit der Spritze kostet Zeit und Geld“, betont Sprecher Georg Koch. Manchmal geht es aber nicht ohne, wie Helmut Koch ergänzt. Werde beispielsweise der Raps vom Rapslandkäfer befallen, dann müsse gespritzt werden: „Sonst blüht er erst gar nicht.“ Auch das umstrittene Glyphosat kommt in der Gemeinde zuweilen auf die Felder, und zwar nach der Ernte, wenn es darum geht, Unkräuter zu vernichten und die Erde für die nachfolgende Einsaat vorzubereiten.

Info: Kontakt: bauern-edingen- neckarhausen@gmx.de

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