Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Revierleiter Peter Oechsler präsentiert Kriminalstatistik 2017 / Polizei setzt auf Prävention durch mehr Präsenz in den Straßen

Fast ein Drittel mehr Straftaten

Archivartikel

Die Zahl der Straftaten in Edingen-Neckarhausen ist im vergangenen Jahr um fast ein Drittel gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Das geht aus der Kriminalstatistik hervor, die Peter Oechsler, Leiter des Polizeireviers Ladenburg, in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats vorstellte. „Bei vergleichsweise kleinen Fallzahlen wirken sich Änderungen prozentual allerdings besonders drastisch aus“, relativierte er. Eine Steigerung von absolut fast 150 Fällen – von 486 im Jahr 2016 auf zuletzt 633 – sei freilich „eine Hausnummer“, räumte er ein. Zum Vergleich: In Heddesheim stieg die Zahl der Straftaten um knapp 12 Prozent, in Ladenburg sank sie um 11 und in Ilvesheim um 9 Prozent.

Dass man trotz allem auch in Edingen-Neckarhausen noch immer „gut und sicher“ lebt, macht Oechsler vor allem an der Häufigkeitsziffer fest. Diese Kenngröße rechnet die Zahl der Straftaten auf 100 000 Einwohner hoch, und dabei landet die Doppelgemeinde mit 4544 weiterhin klar unter dem Landesdurchschnitt von 5295.

Einbrüche machen Sorge

Oechslers „Sorgenkind“ sind die Wohnungseinbrüche, bei denen Diebe im vergangenen Jahr in 34 Fällen Beute machten (Vorjahr: 24). Der Trend im gesamten Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Mannheim weise hingegen nach unten (minus 30 Prozent). Auch mit der Aufklärungsquote kann der Revierleiter in diesem Deliktfeld nicht zufrieden sein: Kein einziger Täter in Edingen-Neckarhausen konnte demnach gefasst werden. Immerhin jeder Vierte war es im gesamten Einzugsgebiet des Polizeireviers Ladenburg, zu dem außerdem noch Ilvesheim, Heddesheim, Ladenburg, Seckenheim, Friedrichsfeld und Hochstätt gehören. „Wenn wir einen Einbrecher haben, können wir ihm meist gleich mehrere Taten nachweisen. In Edingen-Neckarhausen hatten wir dummerweise niemanden“, erklärt Oechsler, warum es hier große Schwankungen gibt.

Eingebrochen werde fast immer tagsüber, wenn die Bewohner nicht zu Hause seien, sagte er weiter. Die Tatsache, dass der Polizeiposten nachts nicht besetzt ist, spiele in diesem Fall also eher keine Rolle, entgegnete er auf eine entsprechende Vermutung von Gemeinderat Michael Bangert (SPD).

Ebenfalls für die Zunahme der Straftaten im Ort mitverantwortlich sind die Diebstahlsdelikte insgesamt, die von 263 auf 356 Fälle gestiegen sind (Oechsler: „Im Schnitt jeden Tag einer“). Allein 51 Mal griffen Langfinger in Geschäften zu (2016: 30). Betroffen davon waren maßgeblich die größeren Märkte, vor allem in Neu-Edingen.

Während die Polizei bei der Gewaltkriminalität insgesamt einen „erfreulichen Rückgang“ um ein Drittel verzeichnete, gab es einen Zuwachs bei den leichten Körperverletzungen (plus 22 Fälle bzw. 130 Prozent) und bei den Rauschgiftdelikten. Letztere sind sogar um fast 300 Prozent gestiegen, nämlich von neun auf 35 Fälle. Allerdings zeigen sich hier auch die Tücken der Statistik. Wie Oechsler erläuterte, steigt die Fallzahl in diesem Bereich mit den Kontrollen – ansonsten blieben die Taten meist unbemerkt. „Wir waren präsenter und haben dadurch auch mehr festgestellt“, erklärte er.

Generell sei noch mehr Präsenz das Ziel der Polizei, das derzeit bereits umgesetzt werde. „Je mehr wir wahrgenommen werden, umso unattraktiver wird eine Gemeinde für potenzielle Täter“, betonte Oechsler. Neben Fahrzeugstreifen seien verstärkt auch Fußstreifen unterwegs. So wollen die Beamten „ansprechbar sein und auch angesprochen werden“. Um zu erfahren, „was die Bürger drückt“, setze man zudem auf den engen Austausch mit den Rathäusern. Ein besonderes Augenmerk möchte der Revierleiter auch auf die Schulwegüberwachung sowie die Bring- und Abholzeiten an den Kindergärten legen. Hier gehe es zum Beispiel darum, die Anschnallpflicht zu überprüfen oder auch die Verkehrssicherheit von Fahrrädern.

Dialog mit Flüchtlingshilfe

Die Einladung von Dietrich Herold (UBL – FWV/FDP), mit dem örtlichen Bündnis für Flüchtlingshilfe ins Gespräch zu kommen, nahm der Revierleiter gerne an. Herolds Ziel: „Wir wollen wissen, wie wir präventiv in der Wohnanlage am Nussbaum für Sicherheit sorgen und auch den Nachbarn Sicherheit geben können.“