Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Gemeinsames Chorkonzert krönt Kulturprogramm der Partnerschaftswoche

„Freude, schöner Götterfunken“ – ein einzigartiges Erlebnis

Archivartikel

Ein rauschendes Fest ging angemessen glanzvoll zu Ende. Fast eine Woche lang feierte die Doppelgemeinde Edingen-Neckarhausen die 50-jährige Partnerschaft mit Plouguerneau in der Bretagne. Unterm Dach der Interessengemeinschaft Partnerschaft (IGP) trafen sich 250 angereiste Bretonen mit den hiesigen Freunden bei offiziellen und privaten, sportlichen und vor allem kulturellen Veranstaltungen. Eine der letzten, bevor die Delegation am Donnerstag die Heimreise antritt, war das große „Europäische Chorkonzert“ in der hoffnungslos überfüllten St. Andreas-Kirche Neckarhausen.

Ehrensache, dass nun ein überreiches musikalisches Angebot in einem Konzert untergebracht werden musste. Nach der Begrüßung durch den IGP-Ehrenvorsitzenden Erwin Hund (und deren Übersetzung ins Französische) eröffnete der Evangelische Posaunenchor Edingen unter Albrecht Mendes das Musikprogramm, intonations- und stilsicher, mit einer „Dorischen Fanfare“ und zwei Sätzen aus einer Sonate von Antonio Vivaldi.

Der Frauenchor der Sängereinheit Edingen steuerte den alten Schlager „Butterfly“ bei (der wohl weltweit noch nie in einem Konzert gemeinsam mit Bach und Mozart erklungen ist) und danach einen aparten südafrikanischen Song, dessen Solopart die Dirigentin Peny Bauer mit rabenschwarzer Soulstimme sang.

Im Halbdunkel versteckt

Warum nur hat der Männergesangverein Neckarhausen, der doch 1977 die Initialzündung für die Partnerschaft war, das hoch aufgebaute Chorpodium verschmäht und sich im Rembrandt’schen Halbdunkel des Altarraums versteckt? Dafür gönnten sie sich aber alle Zeit der Welt, indem sie die drei Chorwerke vor der Aufführung sehr ausführlich (und natürlich zweisprachig!) erklärten. Kultiviert und stimmschön erklang zuerst die schottische Volksweise „Loch Lomon“ mit dem geradezu heldentenoralen Vorsänger Winfried Speicher, dann der schräge „Reh-im-Park-Blues“ (nach dem bekannten Ringelnatz-Gedicht) und schließlich das lebensfrohe „Vive l’amour“. Danach bewies Chordirigent Walter Muth, dass er auch andere Musikrichtungen meisterlich beherrscht, indem er an der großen Mönch-Orgel die Fuge g-Moll BWV von J.S. Bach spielte.

Jetzt endlich formierte sich der riesige Deutsch-Französische Partnerschaftschor auf dem Podium, der getrennt das anspruchsvolle Konzert einstudiert hatte – es gab nur eine Generalprobe in Neckarhausen. Instrumentalbegleiter war das bestens disponierte Heidelberger Kantatenorchester. Am Dirigentenpult wechselten sich Anabelle Hund und Thilo Ratai ab.

Nach dem bretonischen Traditional „Tridal ara va halon“ erklang, in Französisch, das Vaterunser von Maurice Duruflé, dann der Choral „Verleih uns Frieden gnädiglich“ von Felix Mendelssohn Bartholdy und schließlich Mozarts „Laudate dominum“ mit der Solistin Anabelle Hund.

Zu einem wahren Prüfstein für den eigens für das Jubiläum rekrutierten Chor wurde dann das „Gloria in D“ von Antonio Vivaldi. Es sei nicht verschwiegen, dass hier noch ein, zwei gemeinsame Proben vonnöten gewesen wären. Gut, dass der souveräne Dirigent Thilo Ratai den schon nach dem ersten Satz des zwölfsätzigen Werks aufrauschenden Beifall im Keim erstickte und bat, sich bis zum Schlussapplaus zu zügeln. Perfekt gerieten die Solopassagen mit Anabelle Hunds klarem, instrumental geführten Sopran und Angela Löschs schön timbrierter Altstimme.

Anhaltender Jubel

Dagegen war die schwierige Chromatik einerseits und die ungewohnten Synkopen andererseits schuld daran, dass die eine oder andere Chorpassage ein wenig aus dem Ruder lief. Hingegen wurde die finale Fuge „cum sancto spirito“ glorreich bewältigt und das anspruchsvolle Unterfangen zu Recht anhaltend bejubelt.

In die abschließende Europahymne „Freude, schöner Götterfunken“ mit allen Mitwirkenden durften sogar die Zuhörer einstimmen – ein singuläres Erlebnis!