Edingen-Neckarhausen

„Gold der Inka“ wächst auch auf Kurpfälzer Boden

Archivartikel

Hans-Jürgen Emmerich

Als Metzgermeister liebt er Fleisch und Wurst. Aber als Landwirt baut Holger Koch in Edingen an, was seine Kunden wollen. Oder wovon seine Frau Sabine Engel ihn überzeugt. „Er probiert alles, was ich ihm koche“, verrät sie. Auch die Süßkartoffeln, die der Familienbetrieb im vergangenen Jahr zum ersten Mal anbaute. In Kürze erntete Koch wieder etwas Neues. Quinoa – das „Gold der Inka“.

Auf einem Feld nahe der Autobahn steht Holger Koch mit seinem kleinen Sohn Henrik inmitten der fast mannshohen Pflanzen. Streng genommen handelt es sich dabei gar nicht um Getreide. Botanisch gesehen ist es ein Gänsefußgewächs, wie der Landwirt erläutert. Es gehört zur selben Gattung wie Mangold, Rote Bete oder Spinat. Und es ist verwandt mit der Melde, einem Riesenunkraut, das Gärtner und Bauern ungern auf ihrem Land sehen. Die kultivierte Form allerdings schon. Was in Südamerika bereits vor 5000 Jahren angebaut wurde, fasst hierzulande ganz langsam Fuß. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen.

Tiefe Wurzeln

Die großen Pflanzen wurzeln tief, holen sich dabei auch Wasser aus den tieferen Schichten. Gespenstisch sehen die Risse auf dem Ackerboden aus, die die Trockenheit hinterlassen hat. „Wenn ich da einen Meterstab hineinstecke, komme ich mindestens 40 Zentimeter tief“, erklärt Koch. Doch auch ohne die Trockenheit käme die Sonderkultur nicht ohne Bewässerung aus.

Der Landwirt nimmt einen der Kolben an der Spitze in die Hand, zerdrückt ihn, pustet hinein und trennt so die Spreu – nicht vom Weizen, sondern eben von den kleinen Quinoa-Körnern. Was der Bauer mit der Hand macht, um die Frucht seiner Arbeit zu zeigen, erledigt auf dem großen Acker ein Lohnunternehmer mit dem Mähdrescher.

Ein erster Anlauf in der vergangenen Woche musste indes zurückgestellt werden. „Die Pflanzen sind noch zu grün“, erklärt Koch. Auch für seinen Dienstleister ist diese Ernte Neuland. Seine moderne Landmaschine hat zwar viele Voreinstellungen für Getreidearten wie Weizen, Roggen, Hafer und Gerste, doch Quinoa ist nicht dabei. „Deshalb wird die Einstellung für Senf empfohlen“, weiß Koch.

Beim Blick über das Feld leuchten die Pflanzen in einem leichten Gelb. Doch das ist nicht der Grund, warum Quinoa auch das „Gold der Inka“ genannt wird. Vielmehr geht es um die Inhalte. Die Körner sind reich an Mineralien, Calcium, Eisen und Vitamin E. „Vegetarier nehmen es gerne anstelle von Fleisch“, weiß Mutter Marianne Koch, die auch für den hofeigenen Party-Service kocht. Die Nachfrage nach vegetarischen Produkten wachse stetig, ergänzt die Landfrau.

Und wofür verwendet man das „Superfood“? Die Bandbreite ist groß. Manche geben die Körner ins Müsli, gerne auch gepufft wie Popcorn. Sie machen sich gut in Mixgetränken (Smoothies) oder als Brei (Porridge) gekocht. Sabine Engel nimmt sie gerne für Salat, in verschiedenen Geschmacksrichtungen. Gurken, Tomaten und Frühlingszwiebeln, angemacht mit Essig, Öl, Salz und Pfeffer oder auch mediterran mit Fetakäse: Der Phantasie sind beim Kochen fast keine Grenzen gesetzt. Auch zu Bratlingen lassen sich die Quinoakörner verarbeiten, etwa kombiniert mit Zucchini. Auch warm als Gemüse zubereitet, bietet Marianne Koch das Inka-Gold an.

„Die Verbraucher sehen gerne, wo das wächst, was sie essen“, wissen Holger Koch und seine Frau Sabine. Ihre Kunden werden immer jünger, legen Wert auf gesunde Ernährung. Damit sie wissen, was sie Leckeres aus den Koch’schen Produkten zaubern können, hilft die Familie gerne mit Rezepten aus.

Erst trocknen, dann verkaufen

Doch bis die ersten Quinoa-Körner in der Müslischale, in der Salatschüssel oder in der Bratpfanne landen, dauert es noch ein wenig. Nach der Ernte müssen die Kügelchen getrocknet, gereinigt und verpackt werden. Diese Aufgabe übernimmt eine Mühle. Auf den Markt kommt das Produkt dann abgepackt zu je 350 Gramm, die Packung für unter fünf Euro. Mehr, so schätzt der Landwirt, würden die Kunden für den Kurpfalz-Quinoa nicht zahlen.

Während sich die Besucher des Hofladens noch ein wenig gedulden müssen, bis die Körner dort im Regal stehen, nimmt der fast dreijährige Henrik seiner kleinen Schwester Larissa schon mal eine Pflanze mit nach Hause. Im kommenden Jahr, wenn sie laufen kann, wird auch die jüngste Tochter mit aufs Feld kommen, glaubt Koch: „Ich bin gespannt, was dann für Superfood angesagt ist und hier wächst.“