Edingen-Neckarhausen

Edingen Heringsessen der Kälble / Ihre Lieblichkeit Sabrina verabschiedet sich mit feuchten Augen

Letzter Auftritt der Garden

Archivartikel

Die Pestalozzi-Turnhalle in Edingen gleicht an diesem Aschermittwochabend einem Friedhof: Alle Gäste sind schwarz gekleidet, Tränen kullern die Wangen hinunter, und vorne steht ein Sarg mit einem Kreuz darauf. Es ist „so traurig, so traurig“, wimmert der erste Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft der Edinger Kälble, Stefan Specht. Und er ist mit seiner Trauer nicht alleine.

Auch die Prinzessin, Sabrina die zweite vom närrischen Tanz schließt sich der Trauergemeinschaft an. „Ich kann es nicht fassen, jetzt endet schon die fünfte Jahreszeit“, sagt sie. Und tatsächlich, gemeinsam mit zahlreichen Gästen und dem befreundeten Verein der Neckarhäuser Kummetstolle, feiern die Kälble am Aschermittwoch mit dem traditionellen Heringsessen das Ende einer ereignisreichen Kampagne. „Rhabarber, Rhabarber“, heult das Publikum. Neu ist dabei in diesem Jahr, dass es auch Wurstsalat und Quark gibt. „Wir wollten mal was anderes ausprobieren“, begründet Dietmar Clysters, der als Moderator durch den Abend führt. „Aber ein veganes Essen gibt es noch nicht“, scherzt er.

Witze und Späße wie dieser sind es, die Sabrina nach dieser Kampagne besonders vermissen wird. „Es gab immer etwas zu lachen, die Zeit verging einfach wie im Flug“, blickt sie zurück. Für sie wurde ein Traum wahr, als sie zur Prinzessin gekürt wurde. Dass ihr der Verein ans Herz gewachsen ist, kann das ganze Publikum spüren, als ihr bei ihren Abschiedsworten und Danksagungen die Tränen über das Gesicht laufen.

Auch Stefan Specht kann die ein oder andere Träne nicht unterdrücken, als er als Merkwürden eine Trauerrede hält. „Jetzt ist es vorbei mit dem Prinzessinenglanz“, sagt er, und erinnert sich an den erfolgreichen Rathaussturm am 11.11. sowie an einige Patzer, die während der Kampagne passiert sind. So etwa, als der Elferratspräsident Kevin Hockenberger den Namen der Prinzessin vergessen hatte, oder als Specht selbst nicht Karneval, sondern die Kerwe feiern wollte.

An diesem Abend wird also nicht nur getrauert, sondern auch herzlich gelacht. Dafür sorgt unter anderem Irmi Benz von der Feudenheimer Frauenfasnacht mit ihrer Büttenrede „Speed Dating“. Im Grunde genommen kritisiert sie mit viel Humor eine Gesellschaft, die viel zu schnell lebt, und kaum Zeit hat, ihr Dasein zu genießen. „Da kipp’ ich doch lieber am Ende mit der Zigarette in der einen und ’nem Gin Tonic in der anderen Hand vom Hocker“, witzelt sie und erntet für ihre Rede nicht nur eifrig Lacher, sondern auch reichlich Applaus.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge stehen auch die Gardetänzerinnen an diesem Abend ein letztes Mal für diese Kampagne auf der Bühne und präsentieren ihre Tänze, für die sie fast ein ganzes Jahr fleißig geprobt hatten. „Die Garde wird einfach immer besser“, verkündet Clysters stolz. Nicht nur die Dynamik steigere sich von Jahr zu Jahr, auch die Kostüme seien immer aufwendiger und schöner. Bevor sich die nun ehemalige Prinzessin ganz verabschieden muss, tritt sie, wie es langsam schon Tradition ist, in einem spielerischen Wettkampf gegen den Präsidenten an. Auch die Kummetstolle lassen es sich nicht nehmen, ein paar Worte zum Abschied zu sagen, bevor Claus Eisenmann von den Söhnen Mannheims das Mikrophon übernimmt und die zahlreichen Gäste mit seiner Musik unterhält.