Edingen-Neckarhausen

Neckarhausen Mit „geistlichem“ Beistand und Heringsessen wird die Fasnachtskampagne beim Karnevalverein Kummetstolle zu Grabe getragen

Männerballett als Schmerztherapie

Von unserem Mitarbeiter

Dietmar Thurecht

„In Karnevalis, in Fastnachtis, cum humoris - von Konfetti bist Du geworden, zu Konfetti sollst Du werden.“ Es war eine tragische Litanei, die Kerwe-Diakon Dennis Ried da anstimmte, bevor er die „Asche“ der Fasnacht in der Eduard-Schläfer-Halle verteilte : „O wei, oh Fastnacht, wie bist Du so schön.“

Immerhin, es gab Hoffnung beim Heringsessen des Karnevalvereins Kummetstolle (KV): „Nach dem Sommerschlaf wird sie wieder erblühen, die Fastnacht!“ Im Moment heiße es zwar, Abschied zu nehmen von der fünften Jahreszeit. Schlimm sei zudem, dass sie ausgerechnet an einem Mittwoch ende. Wie solle man da angemessen trauern oder gar Vorfreude auf die nächste Kampagne generieren? Nun, die Kummetstolle verschoben das Heringsessen, den traditionellen Abschluss der Fastnacht, aufs Wochenende. So blieb den Narren Zeit, den ersten Schmerz zu verarbeiten, ohne am nächsten Tag übermüdet dem Broterwerb nachgehen zu müssen.

Wachstum bei der Fasnacht

Eine vernünftige Schmerztherapie. Zudem machten die Worte der Lesung aus dem altehrwürdigen „Fastnachticum“ den rund 200 Trauernden umgehend wieder Hoffnung. Das Wachstum der Neckarhäuser Fastnacht, der erwiesenermaßen besten am unteren Neckar, sei erfreulich, so der Diakon.

Aber es gelte zu überlegen, ob zu schnelles Wachstum nicht auch Gefahren berge. Doch bisher habe der KV unter dem neuen Präsidenten Marius Ebert tolle Arbeit geleistet, auch dank der Unterstützung unzähliger fleißiger Hände im Hintergrund. „Vergessen wir die Kampagne 18/19 und starten in die Kampagne 19/20“ forderte Ebert, der am Samstag auch noch seinen 33. Geburtstag feierte, die Anwesenden auf, optimistisch in die Zukunft zu schauen und nicht dem Vergangenen nachzuhängen. Auch wenn die letzte Kampagne sehr gut, sehr lustig gewesen sei.

Da flossen bei Prinzessin Ann-Katrin I. aber doch Tränen der Rührung, ließen die Stimmbänder der Hoheit gelegentlich ertrinken.

Die trauernden Fasnachter durften nun beim Heringsessen noch einmal die Höhepunkte der Kampagne erleben: Da gab es den Tanz der Konfetties, den Jüngsten im Verein, den Schautanz der Funkinies, 20 kleiner Pinguine, oder der Funken, die als Schornsteinfeger eine tolle Choreographie hinlegten. Sie ernteten stürmischen Beifall, ebenso wie Tanzmariechen Tamina Maiwald.

Das Publikum vergaß schon einmal die Speisen auf dem Teller, so beeindruckend und begeisternd waren die Tänze. Zwischen den einzelnen Beiträgen wurden immer wieder Tanzrunden eingeläutet. „Jeannette (Friedrich) and the Flitterboys“ spielten sich durch die verschiedensten Musikstile und sorgten für Stimmung. Und viele Gäste nutzten die Gelegenheit, ihre „Trauer“ auf dem Parkett abzuschütteln. Der „Chef vom Protokoll“ (Götz Ding) erinnerte ebenfalls an die vergangenen Monate.

Auch wenn der Elferrat nicht aus Elfen bestehe, so gab es in den Vorstellungen immer wieder Bemerkenswertes. Den zierlichen Gardetänzerinnen stand später geballte Männerpower in Gestalt des Männerballetts gegenüber: 16 bis 33 Jahre jung, erfreuten die Herren der Truppe mit gestählten, durchtrainierten Körpern und brachten die Augen der Damen im Publikum zum Leuchten. Was wiederum deren Männer so gar nicht nachvollziehen konnten. Doch dann wurde es exotisch: Indien, genauer Bollywood, war das Thema beim Schautanz der Garde, die ebenso begeisterte wie die „Tenöre“.

Sie nahmen das ZDF-Sommerprogramm aufs Korn und machten daraus den „verrückten KVK-Fernsehgarten“. Hier wurden in einer bunten Show zahlreiche Stars imitiert. Das Publikum war begeistert, und am Ende hatten viele Narren nur den einen Wunsch: Lass‘ es Herbst werden und die neue Kampagne beginnen!