Edingen-Neckarhausen

Neckarhausen Diakon Georg Henn wird am Sonntag in Freiburg zum Priester geweiht / Heimatprimiz an Pfingsten

„Mit dem Glauben lebt es sich besser“

„Etwas nervös bin ich schon. Die Tage vor der Weihe verbringe ich mit Exerzitien, die lassen mich zur Ruhe kommen und helfen mir dabei, mich vorzubereiten“, gesteht Georg Henn. Am Sonntag, 13. Mai, will er sich im Freiburger Münster verpflichten lassen, auf Lebenszeit. Er wird Priester und ist damit neben Johannes Treffert der zweite katholische Pfarrer, der innerhalb weniger Jahre aus Neckarhausen kommt.

„Gestern habe ich hier noch die Tochter meiner Cousine getauft“, erzählt der Priesteramtskandidat bei seiner kurzen Stippvisite in seinem Heimatort Neckarhausen. Als Diakon hatte er ein Jahr lang in Karlsruhe gearbeitet. Viel gebracht habe ihm auch der Monat in der Klinik-Seelsorge im Heidelberger Krankenhaus St. Josef. Oftmals hätten sich bei seinen Zimmerbesuchen längere Gespräche ergeben, gerade auch in schwierigen Situationen.

Einstiges Berufsziel: Lehrer

„Wer aus tiefstem Herzen zu Gott betet, der erhält auch die Zeichen, die man braucht, um an ihn glauben zu können. Gott bleibt jenseits aller Verfügbarkeit und Machbarkeit ein ansprechbares Du“, ist Henn überzeugt und fügte an: „Man kann natürlich niemanden zum Glauben zwingen, aber mit ihm lebt es sich besser.“ Dennoch würden die praktizierenden Katholiken immer weniger und die Kirchen leerer, bedauert der 30-Jährige. Das ist seiner Auffassung nach auch der Hauptgrund für den Priestermangel.

Henn selbst war während seiner Schulzeit Ministrant und stammt aus einem christlich geprägten Elternhaus. Priester zu werden, das stand für ihn zunächst aber gar nicht zur Debatte: „Ich habe mir damals eher vorstellen können, gymnasialer Religionslehrer zu werden. Deshalb begann ich mit einem Lehramtsstudium in Spanisch und Theologie.“

In Rumänien neu überlegt

Erst ein Freiwilliges Soziales Jahr in Rumänien brachte die Wende. Er sei dort mit sehr gläubigen Menschen in Kontakt gekommen und habe dadurch auch seinen eigenen Glauben vertieft und begonnen, regelmäßiger zu beten. „Als eine Ordensschwester dann noch sagte: ,Du wärst ein guter Priester’, beschäftigte mich das schon ein bissel“, räumte der Neckarhäuser ein. „Werde ich jetzt Lehrer oder Pfarrer?“, habe er sich immer wieder gefragt.

Verschiedene Impulse und Erlebnisse hätten ihn dann aber letztlich in seinem Beschluss bestärkt, Priester zu werden. Darunter auch die Bibelstelle: „Die Ernte ist groß, aber es gibt zu wenige Arbeiter.“ Die Eltern – Georg Henns Mutter ist zwischenzeitlich verstorben – verhielten sich zunächst „neutral bis zurückhaltend“, als die Entscheidung ihres Sohnes feststand. Nach zwei Jahren Theologie-Studium sei er dann ins Priesterseminar eingetreten. Die strengen Zugangsbedingungen, auch vor dem Hintergrund des Zölibats, tragen Henn zufolge dazu bei, dass die Anzahl der Priesteramtsanwärter überschaubar bleibe. „Mit acht Kandidaten, die am Sonntag aus der Erzdiözese Freiburg geweiht werden, sind wir ein zahlenmäßig guter Jahrgang“, betonte Henn.

Für ihn selbst sei der „Zug zwar abgefahren“, was eine Partnerschaft anbelangt, aber grundsätzlich wäre es eine Überlegung wert, ob man nicht auch Verheiratete zulassen könne. Er selbst sei bereit, auf Partnerschaft zu verzichten, um sich ganz einbringen zu können. Während Georg Henn am Sonntag die Priesterweihe in Freiburg empfangen wird, folgt eine Woche später, an Pfingsten, die Heimatprimiz in Neckarhausen. „Ich freue mich darauf, meinen großen Tag mit Verwandten, Freunden und Bekannten feiern zu dürfen“, bekennt Georg Henn.