Edingen-Neckarhausen

Neckarhausen Bürgermeister-Vize Dietrich Herold übergibt Kummetstolle den Schlüssel / Jahresorden thematisiert fehlendes Zuhause

Narren erobern das Schloss

Mit seinem traditionellen Sturm auf das Schloss in Neckarhausen hat der Karnevalverein Kummetstolle (KVK) die Macht übernommen – zumindest für die nächsten Wochen bis Aschermittwoch.

Unvorbereitet zogen die Narren natürlich nicht in die „Schlacht“ um den Schlüssel zum Teilsitz der Verwaltung. So sammelte sich zunächst ein großes Gefolge im Elternhaus von KVK-Prinzessin Imke I. „vom tanzenden Narrengestein“, alias Imke Stein, wo alle von Präsident Marius Ebert mit den besten Wünschen für das neue Jahrzehnt begrüßt wurden. Bei einem kleinen Imbiss stärkten sich Funken, Garde, Funkinies, Elferrat, Freunde und Nachbarn für den Abmarsch zum Schloss.

Mit lauter Musik und einer strahlenden Prinzessin im offenen Cabrio traf das Narrenheer Punkt 14.11 Uhr auf dem zu erobernden Territorium ein. Dort wurden die zu allem entschlossenen Karnevalisten von Bürgermeister-Stellvertreter Dietrich Herold und einigen Gemeinderäten bereits erwartet. Auch diese hatten sich gegen den heranziehenden Sturm gewappnet, wollten sie die Macht im Schloss schließlich nicht kampflos abgeben.

Schwierige Regierungsaufgaben

In Vertretung des urlaubsbedingt abwesenden Bürgermeisters Simon Michler hatte Herold die rhetorische Klinge meisterlich gewetzt und warnte die Eindringlinge in seiner Rede nachdrücklich vor den schwierigen Regierungsaufgaben: „Renovieren und Sanieren / Auch in Neues investieren / Lauten heute die Devisen / Führen aber in die Miesen / Wenn alles kommt zur gleichen Zeit / Und nirgendwo steht Geld bereit.“

Die Wochen bis Aschermittwoch gelte es entsprechend gut zu nutzen, mahnte der Bürgermeister-Stellvertreter die machthungrigen Narren: „Vieles könnt Ihr nun gestalten / Die Gemeinde gut verwalten / Markthaus, Fähre, BÄKO-Wiese / Hilfezentrum, Wohnbau-Krise / Neckarhausen-Nord / Vereinsumsiedlung und so fort / Kindergärten, Schulsanierung / Straßen- , Klima-Optimierung / Nahverkehr und auch das Parken / Aufgabenmangel ist nicht zu beklagen.“ Doch alle Abschreckungsdiplomatie war vergebens – Prinzessin Imke und ihre Untertanen waren schließlich in der Überzahl und mit Kanonenschlag und weiblichem Charme nicht zu stoppen – der Schlüssel wechselte schlussendlich den Besitzer.

„Kein Dach üwwer’m Kopf“

Nach der Machtübernahme blickte die KVK-Prinzessin mit Lob und Kritik auf das „Gute und Schlechte, das Getane und Gelassene“ der Doppelgemeinde im vergangenen Jahr. Was den Kummetstolle in eigener Sache auf den Nägeln brennt, hat Franz Schläfer mit der Gestaltung des Jahresordens auf den Punkt gebracht: „Kummetstolle – armer Tropf, immer noch kein Dach üwwer‘m Kopf“, lautet der Spruch in Anspielung auf das schon so lange brennende Thema des fehlenden Vereinsheimes der Karnevalisten. Den Jahresorden durften beim Empfang nicht nur die anwesenden Gemeinderäte und der Elferrat von Imke entgegennehmen, auch die Abordnungen der Kälble aus Edingen und der Zabbe aus Seckenheim wurden von der KVK-Hoheit „ordentlich“ behängt.

Nach einer kurzen Pause mit Glühwein, Sekt und Kuchen präsentierten die Kleinsten des KV Kummetstolle, die „Konfettis“, ihren neuen Tanz. In ihren süßen Kostümen und zu flotter Musik wärmten sie die Herzen des durchgefrorenen Publikums, als kleine Clowns trotzten sie der Kälte wie Profis. Die Zuschauer belohnten sie mit viel Applaus, und nach einer kurzen Vorstellung durften sie auch wieder zurück in das warme Schloss. Dort wartete schon der selbst gebackenen Kuchen der Vereinsfrauen.

Nach diesem gelungenen Neujahrsempfang freuen sich die Kummetstolle schon auf ihren nächsten närrischen Termin, den „Ball der Prinzessin“ am 18. Januar, ab 19.11 Uhr, in der Eduard-Schläfer-Halle in Neckarhausen. red/agö

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