Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen RP-Vertreter erläutert Pläne für Arbeiten am Krottenneckar

Naturschutz mit dem Bagger soll dem kleinen Bitterling helfen

Das Land will bis spätestens Anfang 2020 den Krottenneckar in Edingen großzügig von Schlamm befreien und damit den Lebensraum des Bitterlings erhalten. Das hat Jost Armbruster gestern bei einem Ortstermin mit Vertretern der Gemeinde, des Naturschutzbundes (NABU) und der Angler erläutert. Armbruster ist beim Naturschutzreferat des Regierungspräsidiums Karlsruhe als Gebietsreferent zuständig für den Rhein-Neckar-Kreis und die Städte Heidelberg und Mannheim.

Naturschutz mit dem Bagger? – Das ist nicht außergewöhnlich. 2006 hat das Land schon einmal mit schwerem Gerät in das Seitengewässer eingegriffen und Zugänge vom Neckar geschaffen. Damals war das Ziel, das Wasser aus dem Fluss durch das kleine Naturschutzgebiet zu leiten und so freizuhalten. Doch so richtig geklappt hat das nicht. „Der Neckar ist hier ein Stillgewässer, hat viel zu wenig Strömung“, erklärt Jost Armbruster Dort, wo früher Wasser stand, befindet sich jetzt an vielen Stellen Schlamm. Besagter Bitterling mag es zwar seicht. „Aber ein bisschen Wasser braucht er schon“, verdeutlicht Armbruster das Problem. Der kleine, unscheinbare Fisch legt seine Eier durch eine Röhre in der Flussmuschel ab. Er ist in seinem Bestand stark gefährdet.

Landesprogramm hilft

Hilfe naht jetzt in Form eines Landesprogramms zur Förderung der biologischen Vielfalt, wie Armbruster berichtet. 1,5 Millionen Euro zusätzlich fließen so in den Regierungsbezirk. Rund 50 000 Euro wird es vermutlich kosten, um rund 3000 Kubikmeter Schlamm aus dem Seitenarm zu holen und zu entsorgen. „So teure Maßnahmen macht man, wenn man ausnahmsweise Geld hat“, begründet der Gebietsreferent aus dem RP, warum er gerade jetzt das Projekt in Angriff nehmen will.

Dass das Seitengewässer wichtig für die Natur ist, weiß auch Hans-Jürgen Weißling. Der Vorsitzende des örtlichen Anglervereins hat 2004 selbst eine große Befischung vorgenommen und insgesamt 22 Arten gezählt. Neben dem ökologisch wertvollen Bitterling war auch der Blaubandbärtling dabei, der ursprünglich aus dem Amazonas stammt.

Was Weißling bedauert: „Heute kommt man gar nicht mehr richtig ran ans Wasser.“ Denn direkt am Ufer hat er den Kindern gerne gezeigt, was im Wasser so alles lebt. Doch das Ufer steht in diesem Bereich unter Schutz, wie der RP-Beauftragte betont. Gleichwohl sieht auch er die Notwendigkeit von Zugängen zum Neckar. „Die Leute wollen an den Fluss“, erklärt er, ergänzt aber sofort: „Die Tiere müssen vor Störungen geschützt werden.“

Brombeeren in Auenwald

Die häufig kritisierten Brombeeren sind laut Armbruster Teil einer Stufe bei der Entwicklung zum Auenwald. Einzelne Erlen dafür sind schon vor Jahren gepflanzt worden, und irgendwann verdrängen die Bäume dann die Brombeeren. „Doch da muss man in Dekaden denken“, dämpft er Hoffnungen auf einen schnellen Erfolg. Die Angler würden gerne auch selbst Hand anlegen, beispielsweise die Kopfweiden zurückschneiden. „Früher sind daraus Körbe geflochten worden“, erinnert sich Weißling. „Auch heute noch lassen sich viele schöne Dinge daraus machen“, bestätigt Armbruster. Gemeinderat Thomas Hoffmann, der die Begehung initiiert hatte, will ebenfalls gerne aktiv werden, zusammen mit dem Naturschutzbund. „Da gibt es viel zu tun“, stellt ihm der RP-Vertreter in Aussicht.

Info: Weitere Fotos unter www.morgenweb.de/edingen

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