Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Fachmann beschneidet geschädigte Bäume / Kosten für die Pflege steigen deutlich an

Platanen geht’s an die Krone

Archivartikel

Piotr Brejnak liegt auf einer Bank im Kotheschen Park und entspannt. Kurze Pause unter Bäumen. Wenig später wird er wieder in den Kronen zweier Platanen schweben und schwitzen. Denn der 26-Jährige ist „European Tree Worker“. So nennt sich die Ausbildung, die der Forsttechniker zusätzlich absolviert hat. Sie befähigt ihn zu Pflegeschnitten in luftiger Höhe, sei es von einer Hebebühne aus oder kletternd.

Hier in Edingen reicht ihm die große Hebebühne, um die Krone der beschädigten Platanen zu kürzen. Ein Drittel muss weg, erläutert der Fachmann und bestätigt damit, was der Sachverständige Ulrich Walter im Auftrag der Gemeinde bereits festgestellt hat. Pilzbefall und Faulstellen sieht Piotr Brejnak beim Blick ins Geäst immer wieder. „Und sehr viele Spechtlöcher“, ergänzt er.

Gefahr durch Schillerporling

Besonders gefährlich für den Baum ist der Schillerporling, ein Pilz, der das Holz nachhaltig zerstören kann. „Dort oben ist er gewachsen“, sagt Bauhofleiter Herbert Stein und deutet auf die Gabelung des Stammes. Da, wo die Rinde schwarz gefärbt ist, wucherten bis vor kurzem noch die Fruchtkörper, inzwischen sind sie entfernt. „Ich mag Bäume“, erklärt Piotr Brejnak, warum er sich für diesen Beruf entschieden hat: „Ich will ihnen gut tun.“ Wenn sie gut geschnitten sind, dann ist er stolz auf seine Leistung. Wenn nicht, dann geht er auch ein zweites und drittes Mal dran.

Noch ein kräftiger Schluck aus der Wasserflasche, und dann geht es wieder mit der Hebebühne in die Luft. Dort oben, in 30 Metern Höhe, brennt die Sonne erbarmungslos auf den Forstwirt und seinen Kollegen. Unter dem obligatorischen Schutzhelm wird es heiß, doch der Baumchirurg bewahrt kühlen Kopf. Gezielt setzt er immer wieder seine Sägen an. Mal die kleine für die dünnen Äste, mal die verlängerte für weit entfernte Schnitte, dann wieder die Motorsäge für dicke Äste. Auf dem Boden zurück, wirft er einen prüfenden Blick auf die gestutzte Krone. Wenn er noch nicht zufrieden ist, steigt er erneut in die Höhe und korrigiert.

Wie man sich da oben fühlt? „Ich find’s schön“, gesteht Piotr. Herbert Stein kann ihm nachfühlen: „Von da oben hat man eine ganz andere Perspektive.“ Was jedoch auch von unten unschwer zu erkennen ist, das sind die kahlen Äste an der Krone der Platanen. Ein bisschen wie Glatze sieht das aus. „Die Krone beginnt zu verkahlen“, schreibt der Gutachter dazu in seiner Expertise. Weil es zunächst sehr feucht war und jetzt heiß und trocken ist, werfen die Platanen ihre Rinde stärker ab, weiß Herbert Stein.

Apropos Trockenheit: Die Mannschaft seines Bauhofs ist in diesen Tagen rundum damit beschäftigt, die Jungbäume zu wässern, damit sie überleben. Mindestens einmal pro Woche rückt der Trupp mit zwei Tankwagen und Schläuchen an, an sonnigen Standorten sogar zwei bis dreimal. „Bäume und Sträucher sind wertvoller als Pflanzkübel und Wildkräuter“, macht Stein die Prioritäten deutlich.

„Folgen des Klimawandels“

Heiße Sommer und Sturmschäden wie jene vom Mai sind für den Chef des Bauhofs Folgen des Klimawandels. Gerade erst hat der Gemeinderat deshalb einen Nachschlag von 75 000 Euro für Baumpflegearbeiten bewilligt. „Das werden wir in Zukunft öfter haben“, fürchtet Stein: „Darauf müssen wir uns einstellen.“

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/edingen

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