Edingen-Neckarhausen

Neckarhausen Großes Interesse an UBL-Veranstaltung zur Zukunft der Markthaus-Filiale in der Hauptstraße / REWE-Gutachten nennt Ursachen für Insolvenz

„Profitabel nur mit größerer Fläche“

Archivartikel

„Die Schließung wäre eine Katastrophe“, so fasste die in Edingen-Neckarhausen für Wirtschaftsförderung zuständige Thea-Patricia Arras am Ende des Tages die Ereignisse zusammen. Sie war in Vertretung von Bürgermeister Simon Michler zum Markthaus gekommen. Auch fast 60 interessierte Bürger folgten der Einladung der Unabhängigen Bürgerliste (UBL/FDP-FWV). Letztere erschien in Fraktionsstärke und suchte Antworten und Lösungen zum Markthaus: Durch die Insolvenz der gemeinnützigen Markthaus GmbH ist auch das einzige Kaufhaus in Neckarhausen von der Schließung betroffen.

UBL Fraktionsvorsitzender Klaus Merkle nahm zu Begin den Anwesenden ein wenig die Ängste, denn ein „Insolvenzverfahren ist nicht das Ende“. Marktleiter Roger Zimmermann bedankte sich für zehn Jahre Treue: „Fast auf den Tag genau vor zehn Jahren haben wir hier in Neckarhausen begonnen.“ Er dankte auch für die Anteilnahme und erinnerte an die Nachhaltigkeit und den Inklusionsgedanken, die beide Teil des Marktkonzeptes sind. „Die Gemeinde soll festhalten am Einzelhandel“, so die Aufforderung Zimmermanns in Richtung der Bürger, Politiker und auch der Verwaltung: „Es gibt viele Ansätze.“

Einer davon sei eine stärkere Kontrolle der Kurzparkzone: „Die Parkplätze vor dem Haus sind belegt, aber ich sehe keine Kundschaft im Laden. Und ohne Parkplätze fahren die Leute weiter.“ Zimmermann braucht nicht mehr Fläche, „ich brauche mehr Kunden.“ Tatsächlich waren während der Veranstaltung alle Parkplätze von Dauerparkern belegt, die keine Parkscheibe im Auto hatten und auch nicht im Markthaus einkaufen waren.

Der bestellte Insolvenzverwalter Thomas Oberle sprach erst mal davon, dass es ja nicht so schlecht aussieht. Der schlimmste Fall, die Insolvenz mangels Masse, sei ja nicht eingetreten: „Das Ziel ist es, einen neuen Investor zu finden“, sagte Oberle: „Aber das ist schwierig, denn in einer gemeinnützige Organisation kann ein Investor keinen Gewinn rausholen.“

„Gläubiger sind gefragt“

Er sprach davon, einen Insolvenzplan hinzubekommen, um aus der Insolvenz heraus zu kommen: „Das geht nur mit Veränderungen“, erklärte Oberle, denn dafür müssen erst einmal die Ursachen für die Insolvenz gefunden werden. Laut einem REWE-Gutachten (REWE beliefert den Markt) muss mindestens die doppelte Verkaufsfläche her, um den Markt profitabel zu führen. Zum weiteren Procedere sagte er, zunächst werde eine Lösung „für das Gesamtgefüge“ gesucht: „Danach müssen erst noch die Gläubiger zustimmen.“

„Mir war am Anfang gar nicht klar, was hier alles dahinter steht“, sagte Oberle im Bezug auf die Nachhaltigkeit, Inklusion, sozialer Treffpunkt und die Aufgabe des Marktes als Nahversorger: „Das Ding ist so toll, da werde ich mich über meine Aufgabe als Insolvenzverwalter hinaus sehr dafür engagieren.“ Dennoch kann auch Oberle im Zweifelsfall nichts tun: „Wenn die Schließung kommt, dann Ende Januar 2020“, so sein Ausblick. Er gab aber auch einen positiven Ausblick und sagte, dass der ebenfalls von der Schließung bedrohte Markt in Lindenfels wahrscheinlich als eigenständiger Markt erhalten bleiben kann.

Dass die Neckarhausener ihr Markthaus behalten möchten, zeigten die vielen Fragen und Wortmeldungen. UBL-Gemeinderat Dietrich Herold kam mit der Idee, den Markt als Dorfladengenossenschaft mit ehrenamtlichem Engagement weiterzuführen: „Die Dorfgemeinschaft hält zusammen, die Gemeinde wird dahinter stehen.“ Das sahen in dem Augenblick viele der Bürger und auch andere Fraktionsmitglieder so. Der Vorschlag stieß auf breite Zustimmung, etwa bei UBL-Gemeinderätin Heike Dehoust, die salbst Inhaberin eines Floristikgeschäftes in der Hauptstraße ist und ganz begeistert von einer „echten Chance“ sprach.

Wirtschaftsförderin Arras sicherte zu, dass auch die Verwaltung ein hohes Interesse an dem Erhalt des Marktes habe und alle zu Verfügung stehende Möglichkeiten prüfen werde. Neben all den Zahlen und Fakten erinnerte Marktleiter Zimmermann am Ende der Diskussion aber auch wieder an die menschliche Seite: „Wir müssen den Markt als Nahversorger und sozialer Lebensmittelpunkt für die Bürger erhalten, und als Inklusionsbetrieb.“

Zum Thema