Edingen-Neckarhausen

Edingen Zum Morgen-Jazz zaubert die Wormser Band „Lightshy“ Urlaubsstimmung

Publikum tanzt vor der Bühne

Archivartikel

Es dauert nicht lange, bis die Füße wippen und die Hüften leicht zu schwingen beginnen. Es ist ein bisschen Urlaub vom Alltag. Und der Messplatz taucht klimatisch wie akustisch in ein mediterranes Flair. Beim Morgen-Jazz des „Mannheimer Morgen“ erklingen diesmal lateinamerikanische Rhythmen und Melodien. Diesmal lotet die kleine Konzertreihe die Grenzbereiche des Jazz aus. Puristen des Genres kommen diesmal vielleicht nicht ganz auf ihre Kosten, dafür liegt eine gute Laune über dem Platz.

Es ist heiß und sonnig auf dem Messplatz. Die Schattenplätze unter den Sonnenschirmen vor der Bühne sind begehrt. Heiße Musik kommt aber auch von der Bühne. Lightshy ist eine Band aus Worms, die sich seit 1992 dem Zauber der lateinamerikanischen Musik verschrieben hat. Begonnen hat damals alles in einer Skatrunde, die sich im Keller traf. „Lichtscheues Gesindel“, flachst Gitarrist und Mitgründer der Formation Ede Janson über die Truppe. Und diese Einordnung prägte auch den Namen. Im Repertoire pflegt die Band all die kubanischen und lateinamerikanischen Songs, die unter anderem das legendäre Musikprojekt „Buena Vista Social Club“ von Ry Cooder Mitte der 90er Jahre so berühmt gemacht hat.

Da gibt es etwa „El Cuarto de Tula“, das Zimmer der Tula, die vergessen hat, die Kerzen zu löschen. Jetzt brennt das Zimmer. Und wenn vom Feuer die Rede ist, dann schwingt in diesen Liedern immer auch das Zweideutige mit. Aber da die Band spanisch singt, bekommt das ohnehin kaum jemand mit. Lightshy spielen aber auch die gängigen Latin-Klassiker, stets in eigenen Arrangements. In „Mas Que Nada“ wirft Dave Sanchez die Worte fast, interpretiert den Song in einer Scat- oder Rap-Version.

Aber auch aktuelle Hits – Latin-Musik ist topaktuell – stehen auf der Songliste, etwa der Superhit „Havana“ von Camila Cabello oder der Sommerhit des vergangenen Jahres „Despacito“ – mit ebenfalls nicht ganz jugendfreiem Text, wie Sängerin Caroline Simpson verrät. Aber Lightshy lotet auch die Latin-Qualitäten von Klassikern der Pop- und Rockgeschichte aus. „Hände hoch, wer das Original zuerst erkennt“, fordert Ede Janson das Publikum auf. Es dauert einige Sekunden, bis die Zuhörer die Gitarrenfigur von „Hotel California“ erkennen, das sich in anderem Rhythmus erst einmal erschließen muss. Das Publikum lauscht der Musik entspannt, wippt mit. Und schon zum dritten Lied, Alvaro Solers „El Mismo Sol“ klatscht es den Rhythmus mit. Es ist durchweg tanzbare Musik, die Lightshy dem Publikum anbietet. Dieses nimmt die Einladung gerne an: Trotz der samstäglichen Mittagshitze tanzen die Menschen am Ende fröhlich vor der Bühne – das hat’s bein Morgen-Jazz noch selten gegeben.