Edingen-Neckarhausen

Neckarhausen Neuer Gesangverein pflegt alte Tradition des Laienspiels

Schauspieler begeistern „mit Besen, Herz und Schnauze“

Archivartikel

Der Gesangverein Neckarhausen ist neu, entstanden durch die Verschmelzung von Germania und MGV 1859. Alt ist dagegen die Tradition des Laienschauspiels. Auf den Brettern, die die Welt bedeuten, war diesmal Jugend Trumpf.

Die spielfreudige Truppe unter der Regie von Bernhard Schläfer war mit Begeisterung bei der Sache. Auf dem Spielplan stand das Stück „Mit Besen, Herz und Schnauze.“ Mit dem Schwank in drei Akten von Christa Bitzer lief das Ensemble zur Hochform auf. Die Jugendlichen hatten es verstanden, in das amüsante Stück buchstäblich „hineinzuwachsen“.

Die etwas Älteren unter den Besuchern in der ausverkauften Eduard Schläfer-Halle werden sich sicher noch an die britische Krimi-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ und ihrer spitzfindige Protagonistin Emma Peel erinnern. Aber auch die Emma Piehl (Lea Stelter), die als Putzfrau auf der kleinen Polizeistation schrubberte, fühlt sich dem Namen verpflichtet und versetzt Neckarhausens Damen um die 50 in Angst und Schrecken. Einem entflohenen Ganoven soll diese Altersklasse angeblich ins Beuteschema passen. Kein Wunder, dass sich Polizeihauptmeister Harry Hinz (Florian Lammert) ebenso wie sein Nachfolger Knut Kunz (Bastian König) von der überaktiven Putzfrau genervt fühlen.

Französin sorgt für Unruhe

Für Unruhe ganz anderer Art sorgt die attraktive Französin Brigitte Pernot (Luisa Seeger). Sie ist in die Pension Rosa eingezogen und verdreht der Herrenwelt gleich reihenweise den Kopf. Nicht nur der Polizeihauptmeister, der sie am Ende auch bekommt, hat ein Auge auf Mademoiselle geworfen. Auch Emma Piehls gestresster Ehemann (Luca Hurst) und der ledige Bauer Günter Gülle (Noah Keller) können den Blick kaum von ihr wenden, besonders dann, wenn die Französin ihre knappen Dessous auf die Wäscheleine hängt.

In ihrer Betrachtung nachhaltig gestört werden die beiden Männer, als die aufgrund ihres Alters leicht bedepperte pensionierte Lehrerin Walburga Wirsch (Lea Lamade) auftaucht. Die dörfliche Idylle bekommt einen Knacks, als zuerst die roten Dessous der Französin und dann auch noch die Unterwäsche der Pensionswirtin (Miriam Dreher) von der Leine gestohlen werden. Da passt es doch gut, dass Polizeidirektor Dieter Derrik (Moritz Lammert) sich ebenfalls in der Pension einquartiert. Später nutzt er allerdings die ihm unwissentlich zugesteckte Wäsche von Brigitte Pernot als „Schweißtuch“.

Immer mittendrin Emma Piehl, die recherchiert und notiert was das Zeug hält. Filmregisseur Rainer Wedel (Matteo Hurst), der über Neckarhausen als Ort mit der geringsten Kriminalität einen Film für die Abendschau drehen will, wird zunächst für den nichtvorhandenen Ganoven gehalten. Er bekommt kräftig was auf den Deckel. Am Ende klärt sich alles auf, der Film vom „lebens- und liebeswerten Neckarhausen“ kommt doch noch ins Fernsehen – und Emma Piehl muss sich wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen: dem Putzen. Tosender Beifall belohnte die Aktiven auf und die Helfer hinter der Bühne.

Wechsel bei der Regie

Eine Tradition wird nun aber doch gebrochen: Nach 50 Jahren – zuerst als Schauspieler und später dann als Regisseur – tritt Bernhard Schläfer nun ab. Seine Nachfolgerin wird Anja Speicher.