Edingen-Neckarhausen

Brauchtum Umsiedlung der Reptilien vor den Bauarbeiten auf dem Gelände des FC Viktoria nötig / Vereinsvorsitzender nimmt Kerwefigur in die Pflicht

Schlumbel muss Eidechsen retten

Archivartikel

Zwar ist die Kirchweih in Neckarhausen kein Großereignis, aber sie stellt einen beliebten Treffpunkt für Alt und Jung, Einheimische und Zugereiste dar. Dass die Kerwe als fester Bestandteil des Dorflebens erhalten blieb, ist vor allem den Brauchtumspflegern des FC Viktoria zu verdanken. Ihr Kerwe-Bembel auf dem Schloss-Vorplatz bildet den Mittelpunkt des Kerwegeschehens. Nach dem verhaltenden Kerweauftakt ging hier am Samstagabend die Post ab. Die siebenköpfige Band „Grey, Black & Blond“ rockte, was das Zeug hielt, und die zahlreichen Besucher machten begeistert mit. Da steppte der Bär – und nicht nur der.

Akustisch ist der Kerwe-Auftakt in Neckarhausen auf jeden Fall ein echter Knaller. Die Kanoniere der Schützengesellschaft Neckarhausen hatten ihr Geschütz auf dem kleinen „Feldherrn-Hügel“ neben dem Freizeitbad in Stellung gebracht. Die Herren ließen es drei Mal gewaltig krachen, damit war die Kerwe „angeschossen“. Kaum waren die Schützen abgezogen, ging es beim Fassbier-Anstich gleich „hammerhart“ weiter. Bevor Bürgermeister Simon Michler jedoch ans Werk gehen konnte, begrüßte Viktoria-Vorsitzender Tobias Hertel die Besucher.

Kurze Zeit armlos

Der Kerweschlumbel haben die Viktorianer dieses Mal eine besondere Aufgabe zugedacht. „Auf dem Sportgelände des FC Viktoria leben Eidechsen. Bevor hier die Bauarbeiten für „Neckarhausen Nord“ beginnen können, müssen die Tiere gerettet und umgesiedelt werden, unsere Schlumbel hilft dabei“, kündigte Hertel schon einmal an. Die stark verjüngte Kerwe-Regentin kam in Jeans zwar ziemlich flott daher, stand aber wenig später einseitig armlos dar. Der Vorsitzende des Kultur- und Heimatbundes, Wolfgang Ding, hatte ihr bei einem versehentlichen Anrempler den Arm ausgekugelt. „Erst muss die Schlumbel repariert werden, dann geht es weiter“, betonte Hertel. Nach hektischen Erste-Hilfe-Maßnahmen auf der Kerwe-Bühne war die Verstümmelte alsbald wieder beidarmig, worauf Bürgermeister Michler den Fassbier-Anstich in die Hand nahm. Nach zwei meisterlichen Schlägen saß der Hahn im Fass und o’zapft war. Zuvor würdigte das Ortsoberhaupt das Engagement der beteiligten Vereine und ihrer ehrenamtlichen Helfer. Michler und Wolfgang Ding verließen die Kerwebühne nicht ohne die obligatorischen Kerwegaben „Weck, Worscht und Woi.“

Der Ring Fleischwurst und der große Salzweck fanden rasch Abnehmer und kamen gleich unters Messer. Die Liebe zur Kerwe geht in Neckarhausen vor allem durch den Magen. Während die Viktoria neben klassischen Kerwe-Schmankerln auch Schnitzel und Pommes servierte, setzte man im Kerwezelt des Gesangvereins Neckarhausen ausschließlich auf Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. „Wir sind mit rund 40 Kuchen und Torten bestens bestückt, da ist für jeden Geschmack etwas dabei“, bemerkte Heike Seitz.

Gegrilltes und Gebrautes

Gegrilltes und selbst Gebrautes wurden derweil in Neckarhausens kleinster Straußwirtschaft, in der Hofeinfahrt von SPD-Gemeinderat Michael Bangert, angeboten. Bangerts Ehefrau und Hobby-Braumeisterin Claudia Konrad hatte in der Flasche gereiftes Roggenbier gebraut. „Roggenbier ist ein Erntebier, das passt in die Jahreszeit“, stellte sie fest. „Es schmeckt würzig und richtig gut, lobte Gast Dieter Hannak das „kühle Blonde“ aus dem 60-Liter-Sudtopf. Den Sonntagnachmittag über versüßte der ASB-Frauenchor den Aufenthalt in der Hofeinfahrt mit einem tollen Kuchenbüffet. Das war allererste Sahne. Der CDU-Gemeindeverband bat zu Sekt, Saft und Selters an seinen Stand vorm Schloss und der BdS ließ das Glücksrad kreisen und brachte zahlreiche Preise unter die Leute.

Ebenfalls ihre Kreise zogen die Kleinen auf dem Karussell, wo sie im Flieger locker abheben konnten. Musikalisch in Fahrt kam am Sonntagvormittag auch die Musikvereinigung Neckarhausen. Sie unterhielt die Besucher mit einem Platzkonzert von marschmäßig bis modern.

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