Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Neubau in der Fichtenstraße in Neckarhausen stößt auf Kritik

Wohnhaus für elf Familien: Landwirt fürchtet um Existenz

Landwirt Jörg Hauck ist fassungslos. Direkt neben seinem Betrieb in der Fichtenstraße in Neckarhausen soll ein dreigeschossiges Mehrfamilienhaus entstehen. „Das wird ein richtig wuchtiger Klotz“, schimpft er und verweist auf die Dimensionen: 30 Meter lang, zwölfeinhalb Meter hoch und mit Wohnungen für elf Familien. „Die Höhe ist unglaublich“, sagt Hauck. Die umliegenden Häuser seien allesamt mindestens ein Drittel niedriger.

Für den Obstbaubetrieb ist das Ganze viel mehr als ein ästhetisches Problem. „Wir sind in unserer Existenz bedroht“, formuliert Hauck drastisch. Die Bedrohung geht dabei nicht allein von dem geplanten Neubau aus. Durch die gerade erst in der Nachbarschaft in der Straße Am Anker gebauten neuen Häuser seien die Straßen häufig auf beiden Seiten zugeparkt. Deshalb könne er schon heute mit seinem Traktor und ausladenden Geräten wie Mulcher kaum seine landwirtschaftlichen Flächen erreichen, klagt er. Der Frost habe ihm im vergangenen Jahr 90 Prozent der Ernte zerstört. Um vor solchen Einflüssen unabhängiger zu sein, investierte Hauck nach eigenen Angaben in jüngster Vergangenheit in eine Solaranlage zur Stromproduktion auf dem Dach seines Hauses in der Fichtenstraße. Doch just diese Fläche, so befürchtet er, würde durch den Neubau in der Nachbarschaft verschattet: „Dann haben wir 60 000 Euro in den Sand gesetzt.“

Nachbarn mobilisiert

Auch deshalb setzt Hauck alle Hebel in Bewegung, um das Vorhaben zu verhindern, zumindest in dieser Dimension. „Gegen einen Neubau habe ich nichts“, beteuert er. Doch gegen den „Klotz“ macht er mobil. Kurz, nachdem er von der Gemeinde als Angrenzer über das Vorhaben informiert worden war, setzte er ein Schreiben an die Nachbarschaft auf und bat um Unterstützung. Etliche Unterschriften hat er seitdem schon gesammelt. „Die Leute laufen mir die Bude ein“, berichtet Hauck.

Was das Parken angeht, hat die Gemeinde bereits etwas getan. Während die Landesbauordnung lediglich einen Kfz-Stellplatz pro Wohnung vorschreibt, verlangt die Kommune im Bebauungsplan für den Bereich Am Anker zwei. Auch in dem jetzt geplanten Neubau soll eine Tiefgarage entstehen, die für jede der Wohnungen jeweils zwei Autoabstellplätze bietet.

„Der Parkdruck wird immer größer“, weiß Dominik Eberle vom Bauamt der Gemeinde. Wenn Straßen regelmäßig zugeparkt würden, sei das auch ein Thema für die nächste Verkehrstagefahrt. Dabei treffen sich die Vertreter von Polizei und zuständigen Behörden, um solche Probleme zu lösen und Abhilfe zu schaffen.

Aber wie stehen die Chancen, das ganze Bauvorhaben zu verhindern? „Es gibt einen qualifizierten Bebauungsplan aus dem Jahre 1969“, klärt Eberle auf. Dieser erlaube den Neubau in dieser Größenordnung, eine Zustimmung der Gemeinde sei nur für Abweichungen erforderlich, und diese seien geringfügig. Würde der Bauherr sein Vorhaben ohne diese Ausnahmen einreichen, würde es sogar ausreichen, das Landratsamt im Kenntnisgabeverfahren über das Projekt zu informieren. Dann könnte er innerhalb von einem Monat mit dem Bau beginnen.

Im Rathaus sieht man also keine großen Möglichkeiten, Einfluss auf die Planung zu nehmen. Gleichwohl soll sich der Technische Ausschuss am 1. März bei einer Ortsbegehung mit dem Thema befassen. „Ich bin hin- und hergerissen“, sagt Bürgermeister Simon Michler. Einerseits hat er Verständnis für die Anwohner, andererseits habe aber auch der Käufer des Grundstücks das Recht, dieses nach den Vorgaben des gültigen Bebauungsplans zu nutzen.

„Mit Maß und Ziel“

Das Ganze müsse „mit Maß und Ziel“ erfolgen, fordert er. Das vorerst letzte Wort liegt beim Gemeinderat, der am 14. März über den Vorschlag des Ausschusses abstimmen soll. Die Entscheidung über das Bauvorhaben liegt allerdings bei der Genehmigungsbehörde, und das ist das Landratsamt.