Eintracht Frankfurt

Fußball Nach der 0:1-Niederlage in der Europa League bei Racing Straßburg greift Eintracht-Trainer Hütter seinen Star Ante Rebic an

Aura der Lustlosigkeit

Archivartikel

Strassburg.Es brodelte in Adi Hütter. So aufgewühlt hatte man den Frankfurter Trainer selbst nach der 1:6-Blamage bei Bayer Leverkusen in der vergangenen Bundesliga-Saison nicht erlebt. Auch 45 Minuten nach dem Abpfiff präsentierte sich der sonst umgängliche Österreicher auf der Pressekonferenz nach der 0:1 (0:1)-Niederlage im Play-off-Hinspiel der Europa League bei Racing Straßburg noch übellaunig. Hütter schoss Worte wie Giftpfeile ab. Der Adressat: Angreifer Ante Rebic.

„Es geht um die Europa League und er spielt bei Eintracht Frankfurt. Da möchte ich einfach sehen, dass man sich zerreißt. Wenn er hier bleiben möchte, dann will ich, dass er das auch dementsprechend zeigt. Wenn nicht, müssen wir eine Lösung finden“, schimpfte der 49-Jährige. Rebic war in der schwachen ersten Hälfte der Hessen besonders durch fehlende Körpersprache, zu wenig Bewegung und eine Aura der Lustlosigkeit aufgefallen.

Es war ein unerklärlicher Auftritt des kroatischen Vizeweltmeisters – wie schon in der ersten Runde des DFB-Pokals beim SV Waldhof (5:3), als Rebic mit drei Toren in der Schlussphase aber noch zum Matchwinner wurde. Diese Möglichkeit verwehrte ihm Hütter diesmal – er wechselte den 25-Jährigen in der Pause aus. „Er hat angezeigt, dass er etwas hat. Ich hätte ihn aber sowieso erlöst“, grantelte der Eintracht-Coach: „Für diese Leistung habe ich kein Verständnis.“

Am Sonntag nach Leipzig

Nach dem missratenen Abend im atmosphärisch stimmungsvollen Stade de Meinau droht eine Eskalation der Causa Rebic, dem in den vergangenen Wochen Wechselambitionen nachgesagt wurden. Atlético Madrid wurde als potenzieller Interessent genannt, später die beiden Mailänder Clubs Inter und AC. Die seltsam matte Vorstellung des Kroaten in Straßburg könnte in diese Personalie kurz vor Schließung des Transferfensters neue Bewegung bringen. „Natürlich werden wir uns mit ihm zusammensetzen und Klartext sprechen“, kündigte Hütter noch am Abend in Straßburg an. Das passierte sofort am Freitag – über den Inhalt des Gesprächs schwieg sich der Trainer aber aus: „Wichtig war nur, dass wir gesprochen haben.“

Aus sportlicher Sicht kann die Eintracht den am Donnerstagabend als einzige Spitze aufgebotenen Rebic eigentlich nicht abgeben. Der angekündigte Transfer des niederländischen Torjägers Bas Dost zieht sich aufgrund von Streitigkeiten seines Beraters mit dem abgebenden Club Sporting Lissabon in die Länge, den beiden anderen Angreifern Goncalo Paciencia und Dejan Joveljic traut Hütter momentan offenbar nicht zu, die Lücke zu füllen, die Luka Jovic (Real Madrid) und Sebastien Haller (West Ham United) hinterlassen haben.

Was bleibt, ist die Hoffnung, das 0:1 gegen die sicher nicht unverwundbaren Franzosen im Rückspiel am Donnerstag im eigenen Stadion noch drehen zu können. „Wir haben in der vergangenen Saison bewiesen, dass wir mit Hinspielniederlagen umgehen können und uns das auch liegt“, meinte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann in Straßburg. Aber seit Straßburg sind die Zweifel gewachsen, ob die Frankfurter in der aktuellen personellen Zusammensetzung auf internationaler Bühne überhaupt konkurrenzfähig sind.

Die nächste Aufgabe in der Liga hebt auch nicht gerade die Stimmung. Am Sonntag steht die Reise zu Champions-League-Teilnehmer RB Leipzig an; es gibt Aufgaben, die angenehmer sind. „Es kommt eine schöne Lawine auf uns zu. Wir müssen Mittel finden, diese Offensivpower in den Griff zu bekommen. Leipzig ist der Favorit“, sagte Hütter am Freitag nach der Rückkehr in Frankfurt. Da hatte der Österreicher schon sein Lächeln wiedergefunden.

Gute Nachrichten gab es kurz vor dem Wochenende im „Fall Hinteregger“, den die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) zu den Akten legte. Der Frankfurter Verteidiger habe im Spiel gegen Hoffenheim nicht gegen die Anti-Doping-Bestimmungen verstoßen, teilte die NADA mit. Nach Angaben der Eintracht hatte Hinteregger wegen eines Wadenkrampfs kein verbotenes Schmerzmittel, sondern ein Kohlenhydrat-Gel eingenommen.

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