Eintracht Frankfurt

Fußball Vor dem wichtigen Europa-League-Duell beim FC Arsenal präsentiert sich Eintracht Frankfurt gegen Wolfsburg in einer maladen Verfassung

Ausgelaugt in die erste echte Krise

Frankfurt.Es ist menschlich. Wenn Fußball-Profis über Gebühr strapaziert werden, leidet fast zwangsläufig irgendwann auch einmal die Leistung darunter. Seit Juli ist Eintracht Frankfurt quasi im Dauereinsatz, Europa League, DFB-Pokal, Fußball-Bundesliga. Es geht Schlag auf Schlag. 31 Pflichtspiele bis Weihnachten hat Trainer Adi Hütter gezählt. Der miserable Auftritt bei der 0:2 (0:1)-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg am Samstagnachmittag demonstrierte, dass das strapaziöse Programm in dieser Saison Spuren hinterlassen hat. Die Eintracht gönnt sich kurz vor der Adventszeit die erste echte Krise der Saison. Keine guten Aussichten für das wichtige Europa-League-Gruppenspiel beim FC Arsenal am Donnerstag, in dem die Hessen im Fernduell mit Standard Lüttich um den Einzug in die K.o.-Phase dringend etwas Zählbares benötigen.

„Uns hat heute vielleicht das letzte Feuer gefehlt“, gestand der schwache Djibril Sow nach 90 ernüchternden Minuten gegen den VW-Club, in denen die Eintracht trotz langer Überzahl nach der Gelb-Roten Karten für Marcel Tisserand (45.+1) kaum etwas Vernünftiges auf den Rasen brachte. Die hochgewachsene Wolfsburger Innenverteidigung köpfte einen Großteil der 29 meist aus dem Halbfeld geschlagenen Flanken locker weg, mehr fiel den Frankfurtern in der Offensive auch nicht ein. Tore von Wout Weghorst (19.) und Joao Victor (65.) nach einem schweren Schnitzer des für den erkrankten Frederik Rönnow eingesprungenen Torhüters Felix Wiedwald reichten dem VfL zu drei ohne großen Aufwand eingespielten Punkten.

Hütters Mängelliste fiel dementsprechend lang aus: zu behäbig, ohne Aggressivität in den Zweikämpfen und im Gegenpressing, hölzern in den Angriffsbemühungen. „Die Leistung hat mir nicht gepasst“, tadelte der Eintracht-Coach. „Zuhause war es auf alle Fälle die schwächste Saisonleistung.“

Prinzip Hoffnung in London

Statt sich wie erhofft im vorderen Tabellendrittel festzusetzen, müssen sich die in der Liga viel zu wechselhaft auftretenden Hessen nach der ersten Heimniederlage der Saison erst einmal hinten anstellen. „Wenn wir das Spiel gewonnen hätten, dann wären wir enger oben dran gewesen“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic am Samstagabend im ZDF-Sportstudio. „Jetzt ist es so, dass wir etwas im Mittelfeld verharren. Es war ein gebrauchter Tag.“

In dieser maladen Verfassung dürfte die Dienstreise in die Weltstadt London, bei der die Eintracht-Fans aufgrund eines Uefa-Urteils erneut zuhause bleiben müssen, ebenfalls kein die Stimmung aufhellendes Erlebnis werden. Das ahnt auch Trainer Hütter. „Wenn wir bei Arsenal wie gegen Wolfsburg spielen, wird es schwer. Wir haben ein Spiel gezeigt, das nicht Frankfurt-like war“, kritisierte der Österreicher, der aber auch auf den Kräfteverschleiß verwies. „Wenn man 31 Spiele in einer Halbsaison hat, ist es nicht immer einfach, das Feuer zu entfachen und Powerfußball zu spielen. Ich habe gesehen, dass die Mannschaft wollte, aber nicht die Mittel hatte.“

Wenn die Eintracht jedoch in Europa überwintern will, sollten die Frankfurter mit einem anständigen Resultat aus dem Emirates Stadium zurückkehren – nach dem letzten Spiel gegen Vitória Guimarães könnte sogar das Torverhältnis im Vergleich zu Lüttich über Platz zwei in der Gruppe hinter dem FC Arsenal entscheiden. Torhüter Rönnow dürfte nach seinem Infekt zurückkehren, ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Mittelfeld-Renner Sebastian Rode, der gegen Wolfsburg einen Schlag aufs Knie abbekam. „Wir haben nur noch zwei Spiele. Wir fahren dahin, um etwas mitzunehmen“, bekundete Hütter. Es klang ein bisschen nach dem Prinzip Hoffnung.

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