Eintracht Frankfurt

Fußball Bei der Rückkehr von Nationaltorhüter Kevin Trapp ärgert sich Eintracht Frankfurt über eine unglückliche 1:2-Niederlage gegen Bremen

Blitz-Comeback unter keinem guten Stern

Archivartikel

Frankfurt.Der Mann, dessen überraschende Rückkehr eine Signalwirkung für diese so holprig begonnene Saison haben soll, war reichlich frustriert. „Ich habe mich riesig gefreut, dass ich heute wieder für die Eintracht auflaufen durfte. Es war ein super Gefühl“, berichtete Kevin Trapp nach seinem ersten Spiel im Frankfurter Tor nach 1197 Tagen: „Doch die Enttäuschung überwiegt jetzt, denn wir hätten einen Punkt verdient gehabt. So kurz vor Schluss zu verlieren, ist immer bitter.“

In der sechsten Minute der Nachspielzeit hatte der Bremer Milot Rashica einen Freistoß aus 22 Metern technisch hochwertig ins Tor gezirkelt, Trapp erreichte den Ball knapp nicht mehr. „Wenn der Ball so über die Mauer geht, ist es schwer. Ich muss das Torwarteck zumachen und darf nicht spekulieren“, erklärte sich Trapp später.

Keine Perspektive in Paris

Kurz danach war Schluss, die Eintracht verlor nach großem Kampf unglücklich 1:2 (0:1). „Schade für ihn, dass er den letzten Ball nicht halten konnte. Sonst hat er ein gutes Spiel gemacht“, sagte Frankfurts Trainer Adi Hütter über Nationalkeeper Trapp, der nach der Verpflichtung der Torwart-Legende Gianluigi Buffon beim französischen Spitzenclub Paris St. Germain keine sportliche Perspektive mehr sah und sich deshalb an seinen alten Verein ausleihen ließ, für den er bereits von 2012 bis 2015 zwischen den Pfosten stand. „Auch Bundestrainer Joachim Löw hat mich zu diesem Schritt ermutigt“, berichtete der 28-Jährige.

Sein Blitz-Comeback stand für die Eintracht aber unter keinem guten Stern. Erst wurde die zunächst als Abseits gewertete Bremer Führung durch Yuya Osako (23.) nachträglich anerkannt, dann leistete sich Jetro Willems eine Eselei, als er Theodor Gebre Selassie ins Gesicht griff und dafür wegen Tätlichkeit vom Platz flog (32.). „So ein erfahrener Spieler darf sich so etwas nicht erlauben. Wir werden da sicher intern drüber reden“, kündigte Hütter eine Aussprache inklusive möglicher Konsequenzen an. In der zweiten Halbzeit kämpfte sich die Eintracht leidenschaftlich zurück in die Partie, kam durch einen von Mijat Gacinovic herausgeholten und Sebastien Haller verwandelten Foulelfmeter zum Ausgleich (54.) – und stand am Ende doch mit leeren Händen da.

Sportdirektor Hübner bedient

„Das ist eine total ärgerliche Niederlage“, resümierte Sportdirektor Bruno Hübner: „Im zweiten Durchgang habe ich gar nicht gemerkt, dass wir ein Mann weniger auf dem Platz waren. Wir haben tapfer nach vorne gespielt - mit viel Herz und viel Leidenschaft. Schade, dass wir uns heute dafür nicht belohnt haben.“ Dass zudem Carlos Salcedo (Sprunggelenk) und später Gacinovic (Fußprellung) mit Verletzungen ausgewechselt werden mussten, hob die Laune im Eintracht-Lager auch nicht gerade.

Vor dem schweren Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund am 14. September stehen die Hessen somit bei akzeptablen drei Punkten aus zwei Partien. Die Frage, warum Sportvorstand Fredi Bobic neben Trapp nicht auch noch eine bitter benötigte Verstärkung für das zentrale Mittelfeld an Land zog, stellt sich dennoch. Auch gegen Bremen zeigte sich bei aller lobenswerten Leidenschaft, dass es im Spiel der Eintracht weiterhin an Kreativität und einer zündenden Spielidee mangelt. Der Aderlass durch die Verluste von Kevin-Prince Boateng oder Marius Wolf konnte nicht kompensiert werden. Gacinovic zeigt gute Ansätze, ist aber mit der Rolle des Anführers überfordert. Neuzugang Lucas Torro kämpft noch mit Anpassungsproblemen, ansonsten ist da viel Durchschnitt im Frankfurter Kader. Aber wenigstens hat die Eintracht ihre Problemzone im eigenen Tor mit Trapps Verpflichtung clever gelöst. „Wir müssen uns jetzt sammeln, denn auf uns warten nach der Länderspielpause mit Dortmund und Leipzig zwei richtige Brocken“, sagte Hütter. Und zwischendrin geht es in der Europa League noch zu Olympique Marseille – auf die Eintracht kommt ein spannender Herbst zu.