Eintracht Frankfurt

Fußball Eintracht-Ikone Alex Meier feiert bei seiner emotionalen Rückkehr nach endloser Verletzungspause ein kinoreifes Comeback – doch sein Vertrag läuft aus

Der „Fußball-Gott“ möchte bleiben

Archivartikel

Frankfurt.Alex Meier hob kurz die Hand, zog in den Hamburger Strafraum, pflückte die punktgenaue Flanke von Ersatzkapitän David Abraham mit seinem gefürchteten linken Fuß aus der Luft – dann riss er beide Arme zur Siegerpose in die Höhe und blieb fast regungslos stehen. Für einen kurzen Augenblick wirkte der Mann, dessen Namen sie in Frankfurt um den Zusatz „Fußballgott“ ergänzen, wie das Abbild des Monuments, das sie ihm in der Mainmetropole vielleicht ja noch errichten werden. Dann verschwand er unter seinen Mitspielern.

Wahrscheinlich musste Meier erst selbst realisieren, was er soeben vollbracht hatte. Es war nicht mehr und nicht weniger als das Comeback des Jahres. Vier Minuten und 34 Sekunden nach seiner Einwechslung in der 86. Minute stellte der 35-Jährige den Endstand zum 3:0-Heimsieg der Frankfurter Eintracht gegen den HSV sicher. Ein Tor, das sich auf so vielen Ebenen wie Balsam auf der hessischen Fußballseele anfühlte – und selbst seinem wohl größten internen Kritiker ein Kompliment abverlangte. „Egal, ob er jetzt ein Jahr verletzt war: Alex Meier ist Eintracht Frankfurt. Dass er dann noch das Tor macht, ist umso schöner. Wir freuen uns alle für ihn und mit ihm“, erklärte Niko Kovac, der scheidende Trainer des Pokalfinalisten. Vor Meier hatten Marius Wolf (31.) und Omar Mascarell (77.) getroffen.

Dass Kovac und Meier nicht das beste Verhältnis pflegen, ist ein offenes Geheimnis. Der Eintracht-Kapitän, der nach dem DFB-Pokalfinale im Mai 2017 drei Operationen an der Ferse über sich ergehen lassen musste und zudem an Borreliose erkrankt war, gilt seit Wochen als einsatzbereit. In den Kader schaffte er es trotzdem nicht. Warum, weiß letztlich nur Kovac – Meiers Mitspieler bescheinigten dem früheren HSV-Junior gute Trainingsleistungen. „Seit ich hier bin, hat man mir gesagt: Du wirst sehen, im Strafraum ist Alex Meier brutal. Im Training habe ich das schon gesehen. Aber im Spiel, so locker und sauber, mit der einzigen Chance – das ist unglaublich“, kam Mittelfeldkämpfer Gelson Fernandes nicht aus dem Schwärmen heraus. Für Eintracht-Urgestein und Meier-Kumpel Marco Russ war klar: „Hätte ich in diesem Moment auf der Tribüne gesessen, dann hätte ich mein ganzes Vermögen darauf verwettet, dass Alex noch ein Tor macht. Die ganze Mannschaft hat das im Gefühl gehabt.“

Für das letzte Heimspiel der Saison berief der Kroate den Publikumsliebling trotzdem nur ehrenhalber in den Kader. Meiers Vertrag läuft Ende Juni aus, eine Verlängerung steht noch aus – die Chance, das Comeback als mögliches Abschiedsmatch zu nutzen, wollte Kovac dem dienstältesten Bundesliga-Feldspieler (336 Spiele/119 Tore für Frankfurt seit 2004) nicht nehmen. „Ich habe ihm am Freitag ein Foto von meinem Abschied in Berlin gezeigt. So etwas gönne ich jedem Spieler“, stellte der künftige Bayern-Coach klar.

Ob Meier für das mit Blick auf Europa entscheidende Punktspiel bei Vizemeister Schalke 04 und das Pokalendspiel gegen den FC Bayern eine Option ist, ließ der 46-Jährige offen. Und Eintracht-Sportverstand Fredi Bobic ließ sich bei der Frage nach einem neuen Arbeitspapier für den „Fußballgott“ zu keinem klaren Statement hinreißen: „Das wird bei uns intern besprochen. Wir werden aber schon den Realismus wahren und nicht die Fantasie und irgendwelche Herzgeschichten.“

Kovac zeigt Gefühle

Nach dem viel diskutierten Weggang von Trainer Kovac täten die Eintracht-Verantwortlichen jedoch gut daran, nicht die nächste Identifikationsfigur zu verlieren. Schon beim Verlesen der Aufstellung und beim Warmmachen waren regelrechte Jubelarien im ausverkauften Frankfurter WM-Stadion zu vernehmen gewesen. Hinzu kommt: Der Norddeutsche, der schon vor drei Jahren mit drei Treffern beim 6:2 gegen Köln ein denkwürdiges Comeback nach langer Verletzung erlebte, würde gerne bleiben. „Ich bin schmerzfrei. Natürlich habe ich noch nicht die Kraft für 90 Minuten, aber ich werde nächstes Jahr weiterspielen. Ich hoffe, dass das hier sein wird“, sagte Meier.

Nach seinem letzten Heimspiel als Eintracht-Coach kamen auch bei Niko Kovac Gefühle auf. Mit Frankfurts Präsident Peter Fischer gab es eine lange und tränenreiche Umarmung. „Ich bin Südländer, habe Feuer in den Adern. So etwas kann an keinem spurlos vorbeigehen“, erklärte Kovac, der die Stimmung nach seinem überstürzt vermeldeten Abgang aus Frankfurt vor drei Wochen als nicht so feindlich empfindet: „Ich habe das nicht so wahrgenommen. Die Mehrheit hat das schon verstanden und freut sich für mich.“