Eintracht Frankfurt

Fußball Nach dem Hinspiel gegen Inter Mailand rätselt Eintracht Frankfurt über den Wert des torlosen Unentschiedens

Die Perspektiven stimmen

Archivartikel

Frankfurt.Vielleicht hilft eine Auskunft von Jürgen Klopp, um die gespaltene Frankfurter Gefühlswelt auf einen rationaleren Nenner zu heben. „Das ist das beste Unentschieden, das wir bekommen konnten“, resümierte der Trainer des FC Liverpool nach dem 0:0 im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales gegen den FC Bayern.

Bei der Eintracht war das Rätselraten groß nach dem torlosen Remis im ersten Kräftemessen mit Inter Mailand im Achtelfinale der Europa League. Welche Perspektiven bringt das grundsätzlich ehrbare 0:0 für das Rückspiel am nächsten Donnerstag im San Siro? Nimmt man die Daten zur Hand, sind die Chancen der Hessen aufs Weiterkommen nicht überragend, aber intakt. Nach einem 0:0 im Hinspiel schaffen im Europapokal rund 35 Prozent der Heimteams den Einzug in die nächste Runde. Diese ordentliche Quote hängt vor allem mit der mittlerweile kontrovers diskutierten Auswärtstorregel zusammen. „Bei einem Unentschieden mit Toren sind wir auf jeden Fall weiter“, stellte auch Frankfurts Trainer Adi Hütter nach dem couragierten Auftritt seines Teams gegen den italienischen Weltclub fest. Auch wenn Inter nun „leicht favorisiert“ sei, fährt der Österreicher mit realistischem Optimismus nach Mailand: „Die Ausgangsposition, kein Gegentor zu kassieren, haben wir erreicht. Das Rückspiel wird interessant.“

Mut machen kann den Hessen vor allem die zweite Halbzeit, in der Inter kaum noch ein Bein auf den Boden bekam. „Frankfurt war nach der Pause sehr druckvoll, das muss man klar sagen. Sie waren sehr gefährlich“, gestand auch Gästetrainer Luciano Spalletti, der trotz des vom starken Frankfurter Torwart Kevin Trapp parierten Foulelfmeters (Marcelo Brozovic/22.) mit dem Unentschieden letztlich gut leben konnte.

Das prickelnde Ambiente in der Arena am Stadtwald, in der die Eintracht-Fans mit einer grandiosen Choreographie zum 120. Vereinsgeburtstags schon wieder für staunende Gesichter in Fußball-Europa sorgten, dürften auch die Italiener genossen haben. Zwar agierten die in diesem Jahr weiter ungeschlagenen Hessen im ersten Abschnitt noch zu „mutlos“ (Hütter), diesen Eindruck eliminierten sie aber mit einer fulminanten Energieleistung nach dem Seitenwechsel.

Hütter gesperrt

„In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, dass wir eine gute Mannschaft haben“, meinte Ersatzkapitän Gelson Fernandes. „Nach der Pause war das schon eher unser Fußball. Darauf müssen wir in Mailand aufbauen.“ Zumal die Frankfurter in der 70. Minute dem 1:0 sehr nahe waren, als nach einer Flanke von Filip Kostic sein Rechtsverteidiger Sebastian Hinteregger unbedrängt seinen Kopfball am Ball vorbei bugsierte.

Doch der Blick geht nach vorn – auch wenn Coach Hütter nach seinem Verweis auf die Tribüne von der Uefa für das Rückspiel gesperrt wurde: Nach dem Auswärtsspiel am Montagabend bei Aufsteiger Düsseldorf geht es für den Eintracht-Tross in die norditalienische Metropole. Ob sich Ante Rebic bis dahin von seinem verdrehten Knie wieder erholt hat, wusste Coach Hütter noch nicht abzuschätzen. Abwehrchef Makoto Hasebe laboriert außerdem an einem Nasenbeinbruch.

Aber der Auftritt der Eintracht im Hinspiel hat bei Inter Eindruck hinterlassen. „Es wird im Rückspiel wichtig sein, gut zu verteidigen und kein Tor zu kassieren. Die Partie hat gezeigt, dass die Chancen aufs Weiterkommen bei 50:50 liegen“, zeigte sich Trainer Spalletti, der bei der Pressekonferenz den Dolmetscher mit seinen minutenlangen Antworten an die Belastungsgrenze brachte, verbal zurückhaltend.

Erst in der nächsten Woche wird sich zeigen, was das 0:0 wirklich wert ist: Am Mittwoch für Klopp und Liverpool, am Donnerstag für die Eintracht.

Info: Video unter morgenweb.de/fussball

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