Eintracht Frankfurt

Fußball Neben der dritten Liga-Niederlage in Folge machen den Frankfurtern auch Pyro-Chaoten zu schaffen / Zweiter Sieg für Mainz unter Beierlorzer

Die zwei Gesichter der Eintracht

Mainz.Am Dienstagmorgen meldete sich Sebastian Rode über Facebook zu Wort. Der Bensheimer, der Eintracht Frankfurt beim 1:2 im Rhein-Main-Duell bei Mainz 05 als Ersatzkapitän aufs Feld führte, hatte etwas klarzustellen. „Ein ‚Verpiss dich‘ von ein oder zwei Leuten auf einem Fußballplatz nehme ich nicht als Beleidigung von einer ganzen Fangruppe wahr“, reagierte der 29-Jährige auf diverse skandalträchtige Schlagzeilen: „Ich glaube, es tut allen gut, hier mal den Ball flach zu halten.“

In der Livesequenz des Montagabendspiels auf DAZN hatte Rode etwas ratloser gewirkt. Da war laut zu vernehmen, wie Frankfurts Mittelfeldmann Linienrichter Guido Kleve im Kabinengang schulterzuckend mitteilte: „Die haben sogar zu mir gesagt: Verpiss dich!“ Kurz vorher war Rode mit Flügelflitzer Filip Kostic vor den Gästeblock getreten, um auf die Unbelehrbaren – die den Anpfiff der Partie mit dem Abbrennen und Werfen pyrotechnischer Gegenstände auf den Rasen um zehn Minuten verzögert hatten – einzureden.

Es mag Rode ehren, dass er das Fehlverhalten einiger weniger Chaoten („Diese Fans haben dem Verein einen Bärendienst erwiesen“) nicht auf das Fan-Kollektiv übertragen sehen will. Zumal er den Grund nicht nachvollziehen konnte: „Die Montagsspiele wurden doch schon abgeschafft.“

Enttäuschung bei Hellmann

Ganz so entspannt wird der DFB, gegen den sich die Pyro-Aktionen offenkundig richteten, die Vorkommnisse nicht einstufen. Der Eintracht, deren Anhänger erst vor wenigen Tagen beim Europa-League-Match bei Arsenal London einem UEFA-Ausschluss kreativ und friedlich getrotzt hatten, droht eine empfindliche Strafe. Wohl auch deshalb hatte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann keine Toleranz übrig. „Was wir vor dem Anpfiff gesehen haben, war keine klare Meinungsbildung – das war einfach nur destruktiv. Das schadet Eintracht Frankfurt sehr, das ist für uns ein Rückschritt“, hat Hellmann eine „kleine Gruppe“, die es „momentan darauf anlegt, etwas mehr zu provozieren“, im Visier: „Wenn früher Flummis geflogen sind, konnte man mit einem Augenzwinkern sagen: Die Botschaft ist angekommen. Hier gibt es aber keine Botschaft. Das besorgt mich sehr und es besorgt auch andere innerhalb der eigenen Fanszene.“ Der Mainzer Anhang hatte mit mehreren Bannern („Samstags halb vier – Fußball. Bratwurst. Bier“) gegen die Montagsspiele protestiert, die zur Saison 2021/22 abgeschafft werden.

Apropos Spiel: Auch auf dem Rasen zeigt die Eintracht zurzeit zwei Gesichter. Vier Tage nach dem 2:1-Coup bei Arsenal bezog die Elf von Adi Hütter ihre dritte Liga-Niederlage in Folge. Der Anschluss zur oberen Tabellenhälfte wurde verpasst, 17 Punkte nach 13 Spieltagen reichen nur für Platz zehn und tristes Mittelmaß. Der direkte Vergleich mit den schwach gestarteten Mainzern, die nach dem zweiten Sieg im zweiten Match unter Trainer Achim Beierlorzer nur zwei Zähler hinter der Eintracht auf Platz zwölf liegen, sollte dem Europapokal-Teilnehmer mehr zu denken geben.

Selbst geschwächt

Zumal sich die Hessen in Mainz – ähnlich wie beim 0:1 in Freiburg vor drei Wochen – mit einem Platzverweis kurz vor der Pause selbst entscheidend schwächten. Nach dem vierten Saisontreffer von Innenverteidiger Martin Hinteregger zum 1:0 (33.) fing sich die Eintracht nach einer eigenen Ecke einen Konter. Mittelfeldkämpfer Dominik Kohr lief dem enteilten Levin Öztunali in die Beine und sah Rot (44./Notbremse).

Nach dem Seitenwechsel präsentierten sich die 05er in Überzahl zunächst drückend überlegen – und belohnten sich. Karim Onisiwo verlängerte einen Distanzschuss von Jeremiah St. Juste zum 1:1-Ausgleich ins Tor (50.), der eingewechselte Ex-Hoffenheimer Adam Szalai stellte auf 2:1 (69.). Eine Frankfurter Schlussoffensive blieb ohne Erfolg.

Damit blieb es auch im zwölften Anlauf dabei: Die Eintracht kann in Mainz nicht gewinnen. „Schwer zu sagen, warum das so ist. Jetzt gilt es, am Freitag gegen die Hertha ein deutlich besseres Spiel zu machen“, blickte Rode nach vorne.

Nach der Partie der 05er in Augsburg am kommenden Samstag könnte Beierlorzer derweil schon mehr Punkte als Mainzer Coach beisammen als nach elf Spielen mit dem 1. FC Köln (sechs). Dort war er Anfang November entlassen worden. „So ist Fußball“, gab sich der Nachfolger von Sandro Schwarz bescheiden: „Manche Dinge kann man nicht erklären. Die drei Punkte sind Gold wert für uns.“

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