Eintracht Frankfurt

Fußball Die vereinseigene Film-Dokumentation „Die Rückkehr des Pokals“ läuft seit Montag im Kino / Emotionale Einblicke in das Innenleben der Eintracht

Legendär – „Bruda, schlag den Ball lang“

Viernheim.Ante Rebic, der seinem „Bruda“ Kevin-Prince Boateng befiehlt, den Ball lang zu schlagen – und nach zehn Minuten zum ersten Mal vollstreckt. Ausgleich Bayern, dann wieder Rebic – 2:1. Die Nachspielzeit: ein Foul von Boateng, doch Referee Felix Zwayer entscheidet auf Ecke – abgewehrt. Und dann kommt der Ball zu Mijat Gacinovic. Der Serbe läuft und läuft auf das leere Tor zu, den eigenen Fans entgegen. Trifft. 3:1, Ekstase auf Hessisch: Eintracht Frankfurt ist DFB-Pokalsieger 2018.

Der Spielverlauf, die Bilder vom Empfang am Römer, die geflügelten Worte von Rebic und Co. – all das hat sich tief eingebrannt im kollektiven Gedächtnis der Eintracht-Fans, das sich bis zum 19. Mai 2018 vor allem über eines definierte: Dem Gefühl, dass es am Ende doch wieder schiefgeht, wenn es um Titel geht. Wie 1992 in Rostock. Wie 2017 im verlorenen Pokalfinale gegen Dortmund. Oder wie am 34. Spieltag der vergangenen Saison, als die Hessen mit einem 0:1 auf Schalke die Europa-League-Quali verspielten. Letzter Ausweg: ein Sieg gegen die übermächtigen Bayern, bei denen Trainer Niko Kovac kurz vorher unterschrieben und damit viele Fans gegen sich gebracht hatte. Dieser drehbuchreife Zeitpunkt ist die Ausgangslage der vereinseigenen Film-Doku „Die Rückkehr des Pokals“, die seit Montag im Kino läuft. Von der Abreise als entschlossener Underdog bis zum Autokorso durch die Innenstadt gewährt der 89-Minüter, auch dank der Stimmen von Protagonisten wie Boateng, Kovac, Rebic und Präsident Peter Fischer, durchaus Einblicke in das Innenleben der Mannschaft.

„Direkte“ Worte nur nacherzählt

Neuen Stoff oder gar ein innovatives Format bringt die Chronologie indes nicht hervor. Selten durchdringen die Aussagen der Hauptdarsteller die Emotionen, die diese Doku ausmachen. Die „direkten“ Worte, die laut Eintracht-Vorstand Axel Hellmann vor dem Endspiel intern gefallen sind, werden nur nacherzählt.

Klar: In Zeiten sozialer Netzwerke ist es schwer, Erzählenswertes bis zur Veröffentlichung einer Extraproduktion geheim zu halten. Unterm Strich hätte man sich jedoch einen etwas anderen Blick auf die Dinge gewünscht. Einen, wie ihn etwa „Charly“ Körbel an den Tag legt. Wie die Eintracht-Legende berichtet, bei der Siegerehrung auf jegliche DFB-Vorgaben gepfiffen zu haben, ist erfrischend ehrlich. Der Fan-Support nach Berlin und zurück ist ebenfalls ein großes Thema – ein Anhänger kommt allerdings nicht zu Wort.

Für Laien, die wissen wollen, warum sich Menschen einem Club wie der Eintracht verschreiben, lohnt sich der Kinobesuch allemal. Für Fans, die alle Fakten und Legenden rund um das Finale kennen, vor allem dann, wenn sie die Erinnerung neu aufleben lassen wollen. Zu sehen ist der Streifen unter anderem im Viernheimer „Kinopolis“ und in Bensheim im „Luxor“. Auf der Großleinwand kommt Gacinovics 70-Meter-Lauf nach wie vor surreal daher. Und die Zoten von Boateng und Danny da Costa sind das Eintrittsgeld sowieso wert.