Eintracht Frankfurt

Fußball Im Viertelfinale der Europa League freut sich Eintracht Frankfurt auf Portugals Rekordmeister Benfica Lissabon

Lust auf den großen Coup

Mailand.Die internationalen Party-Wochen des deutschen Europa-Alleinunterhalters Eintracht Frankfurt sollen auch gegen Mitfavorit Benfica Lissabon weitergehen. Nach der beeindruckend souverän bestandenen Reifeprüfung im San Siro hat der Pokalsieger Lust auf weitere besondere Nächte – und den ganz großen Europa-League-Coup in Baku am 29. Mai. „Der Traum lebt“, sagte ein euphorisierter Sebastian Rode nach dem 1:0-Sieg bei Inter Mailand. Gegen Portugals Rekordmeister Benfica wartet am 11. und 18. April der nächste große Test, doch den stets mutig auftretenden Hessen ist als letztem deutschen Europacup-Vertreter in dieser Spielzeit inzwischen alles zuzutrauen.

Im Frankfurter Charterflug zurück von Mailand brandeten Jubel und laute Schreie auf, als das Viertelfinal-Los über die Handys flimmerte. Trainer Adi Hütter nahm die nächste hochattraktive Reise mit einem kurzen Nicken zur Kenntnis, später sagte er: „Es ist ein tolles Los, ein großer Name im europäischen Fußball. Die Reise geht weiter.“

„Eine tolle Sache“

Vorstandsmitglied Axel Hellmann schwärmte: „Lissabon ist ein starkes Team, ein großer Club und eine tolle Stadt. Wir freuen uns über dieses grandiose Los. In vielerlei Hinsicht eine tolle Sache!“ Falls der Weg in der Runde der letzten Acht noch nicht beendet sein sollte, könnte im Halbfinale das nächste Traumlos warten: Der FC Chelsea um Nationalspieler Antonio Rüdiger muss sich zuvor aber gegen Außenseiter Slavia Prag durchsetzen.

Das Europa-Jahr der Eintracht gleicht einem Fußball-Märchen. Vor drei Jahren wäre der Traditionsclub beinahe in die 2. Bundesliga abgestiegen, vor dieser Spielzeit wurde er nach den Abgängen von vier wichtigen Stammspielern wieder in der unteren Tabellenhälfte gehandelt. „Das heute ist emotional etwas ganz Besonderes. Wir sind sehr schwer in die Saison gestartet und haben den Schalter dann umgelegt. Seitdem haben wir ziemlich viel Selbstvertrauen“, sagte Torhüter Kevin Trapp.

Die spontane Stadionfeier mit der Rekordkulisse von 15 000 Auswärtsfans zeigte den Stellenwert des Wettbewerbs für den Verein. „Es fühlt sich an wie Champions League. Es ist nach dem Pokalsieg wieder ein Highlight. Es macht einfach Spaß“, sagte Sportdirektor Bruno Hübner. Auch Hütters Sperre fiel nicht ins Gewicht. Co-Trainer Christian Peintinger scherzte danach auf die Frage, ob er gerne wieder an der Linie stehen wolle: „Nein, ich höre am Höhepunkt auf.“ Hütter berichtete davon, als Zuschauer auf der Tribüne „Riesenspaß“ gehabt zu haben. „Ich hatte ein ruhiges Gefühl“, erzählte er.

Während andere Vereine über die lästige Doppelbelastung klagten, nahm die Eintracht das Europa-Abenteuer mit Freude und viel Motivation an – und darf die Rückkehr nach Europa nach Siegen über Olympique Marseille, Lazio Rom, Schachtjor Donezk und Traditionsclub Inter schon jetzt als Erfolg werten. „Wir sind so souverän ins Viertelfinale eingezogen bei diesen Gegnern, das hat einen hohen Stellenwert“, sagte Trapp.

Die Anhänger müssen allerdings um die Reise nach Portugal bangen: Nach dem neuerlichen Abbrennen von Pyrotechnik in Mailand droht der Eintracht in Lissabon ein Fan-Ausschluss. Die Kontroll- und Disziplinarkommission der Europäischen Fußball-Union (UEFA) wird am 28. März über eine mögliche Strafe für die Hessen entscheiden.

Eine kleine Gruppe von Frankfurter Anhängern hatte am Donnerstagabend im San-Siro-Stadion Pyrotechnik gezündet. Dabei wurde eine Leuchtrakete in den Inter-Fanblock geschossen, eine weitere landete nach dem Spiel auf dem Rasen.