Eintracht Frankfurt

Fußball Eintracht Frankfurt erkämpft sich im Halbfinal-Hinspiel der Europa League ein 1:1-Unentschieden gegen den FC Chelsea

Mit einer Hypothek nach London

Archivartikel

Frankfurt.Erst kurz vor Anpfiff ins Stadion zu kommen, verbietet sich bei den Europapokal-Festabenden der Frankfurter Eintracht in der Arena im Stadtwald. Die stimmungsgewaltigen Fans der Hessen veranstalten mit ihren großartigen Choreographien in dieser Saison regelmäßig echte Gänsehaut-Spektakel – das war natürlich auch vor dem Halbfinal-Hinspiel der Europa League gestern Abend gegen das Millionen-Ensemble des Chelsea FC nicht anders. Die Atmosphäre konnte man nur mit einem Wort beschreiben: bombastisch.

Am Ende fuhren die Anhänger des Bundesliga-Vierten allerdings mit eher gemischten Gefühlen nach Hause. Durch das 1:1 (1:1)-Unentschieden reisen die Hessen trotz eines weiteren leidenschaftlichen Auftritts mit einer ordentlichen Hypothek zum Rückspiel am kommenden Donnerstag an der Stamford Bridge in London. Die Frankfurter Führung durch Luka Jovic (23.) glich Pedro (45.) für Chelsea aus.

„Wir leben einen Traum. Und wir wollen daraus nicht aufwachen. Unser Ziel ist Baku“, schrieb Eintracht-Vorstandschef Fredi Bobic im Stadionheft mit Blick auf das Endspiel am 29. Mai in der aserbaidschanischen Hauptstadt. Die Eintracht legte von Beginn an eine Leidenschaft und Aggressivität an den Tag, als würde sie mit dem Selbstbewusstsein ihres bisherigen Triumphzugs durch Europa tatsächlich an die Sensation gegen den Champions-League-Sieger von 2012 glauben. Der prominent besetzte Abramowitsch-Club konnte sich zwar den Luxus erlauben, Stars vom Kaliber Eden Hazard oder Gonzalo Higuain zunächst auf die Bank zu setzen, ließ sich nach guter Anfangsphase aber von der Wucht der Hessen beeindrucken. David Abraham zielte nach einem abgefälschten Kostic-Freistoß zwar noch drüber (21.), aber zwei Minuten später leitete der Serbe mit einer überragenden Flanke das 1:0 ein: Luka Jovic ließ David Luiz stehen und köpfte aus 13 Metern zur Frankfurter Führung ein.

Gegen Ende der ersten Halbzeit bekamen die Londoner aber immer mehr Oberwasser. Der Ausgleich kündigte sich an, und fiel aus Eintracht-Sicht unglücklich kurz vor der Pause. Emerson bediente Pedro – und der schon zuvor auffällige spanische Nationalstürmer traf aus 12 Metern mit seiner ganzen individuellen Klasse ins rechte Eck (45.).

Das schmerzhafte Auswärtstor entfaltete nach dem Seitenwechsel volle Wirkung bei der Elf von Adi Hütter. Chelsea drückte und kam zu großen Chancen, die notwendige Entlastung funktionierte kaum noch bei den Frankfurtern. Ruben Loftus-Cheek nach Pedro-Zuspiel (54.) und Luiz mit einem Freistoß an die Latte (60.) hatten das 1:2 auf dem Fuß.

Die Eintracht ließ sich notgedrungen auf eine Abwehrschlacht ein, die auf Dauer eigentlich nicht gut gehen konnte. Und Coach Hütter konnte aufgrund des Fehlens von Ante Rebic (Gelbsperre) und Sebastien Haller (Bauchmuskelverletzung) nicht so mit qualitativ hochkarätigen frischen Kräften reagieren, wie es notwendig gewesen wäre. Der französische Weltmeister N’Golo Kante vergab folgerichtig die nächste Chelsea-Möglichkeit (74.), Trapp reagierte stark nach einem Luiz-Kopfball (77.).

Doch in der Schlussphase bekamen die Frankfurter plötzlich ihre zweite Luft. Erst wäre beinahe dem eingewechselten Goncalo Paciencia der glückliche Siegtreffer gelungen, als der Portugiese eine scharfe Hereingabe von da Costa knapp verpasste (81.). Dann köpfte Abraham freistehend übers Tor (85.).

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