Eintracht Frankfurt

Fußball Nach problemlosem 4:2-Erfolg gegen Köln ist Eintracht Frankfurt endgültig zu einem heißen Europapokal-Anwärter geworden

Richtig viel Potenzial nach oben

Frankfurt.Als Niko Kovac eine Stunde nach Abpfiff in kleiner Runde den Journalisten Rede und Antwort stand, wo der Höhenflug von Eintracht Frankfurt in dieser Saison denn noch enden könnte, brachte ein Popstar den Trainer kurz aus der Fassung. Rapperin Sabrina Setlur, die als Fan den problemlosen 4:2-Sieg gegen den 1. FC Köln beobachtet hatte, warf dem Kroaten in den Katakomben der Arena ein Kusshändchen zu, worauf Kovac kurz stockte: „Jetzt habe ich den Faden verloren.“

Das war seinen Profis auf dem Rasen zuvor nur selten passiert. Im Gegensatz zur Vorsaison, als die Eintracht nach einer starken Hinrunde bis in den Abstiegskampf durchgereicht wurde, haben sich die Hessen spätestens mit dem Erfolg gegen den Tabellenletzten oben festgebissen. Oben, das heißt im Feld der Vereine, die am Ende der Saison die Champions- und Europa-League-Plätze unter sich ausmachen werden. „„Wir sind vorne dabei im Sammelsurium der Top-Mannschaften“, stellte Eintracht-Vorstand Fredi Bobic fest. Und der Erfolgstrainer? Natürlich erinnerte Kovac pflichtschuldig an die 0:3-Schlappe vor Wochenfrist in Augsburg und dass in seiner Mannschaft jeder in jedem Spiel an seine Grenzen gehen müsse, um Erfolg zu haben, das Kollektiv wichtiger sei als der Einzelne. Er sagte aber auch: „Die Mannschaft hat richtig viel Potenzial, sie hat Potenzial nach oben. Das Team hat viel Qualität, und nicht nur die erste Elf. ”

Die neue Breite im Kader zeigte sich gegen im ersten Abschnitt harmlose und nach der Pause zeitweise konfuse Kölner, die nach dem 1:1 durch Simon Terodde (57., Foulelfmeter) binnen acht Minuten drei Frankfurter Tore von Marco Russ (59.), Simon Falette (65.) und dem überragenden Marius Wolf (67.) schluckten. „Da haben wir uns in einen Rausch gespielt“, urteilte Bobic. Ante Rebic (15.) hatte die Eintracht in Führung gebracht, Terodde gelang nach einem Hradecky-Fehler noch das 4:2 (74.).

Russ’ Glücksmoment

Kovac hatte mit Marco Fabian, Carlos Salcedo (beide Mexiko), Mijat Gacinovic (Serbien), Gelson Fernandes (Schweiz), Jetro Willems (Niederlande) fünf Nationalspieler auf der Bank gelassen, die dort gemeinsam mit dem besten Frankfurter Torschützen Sebastien Haller (acht Treffer) vor sich hinfroren. Qualitätsverlust? Bei null. Der frühere Zweitliga-Reservist Wolf, der unter Kovac zu einem richtig guten Bundesliga-Spieler geworden ist, war an allen vier Eintracht-Toren beteiligt. Und Fanliebling Russ stand nicht nur hinten seinen Mann und gewann über 80 Prozent seiner Zweikämpfe, sondern erzielte auch noch seinen ersten Pflichtspiel-Treffer nach seiner Krebserkrankung. „Ich habe im April 2016 das letzte Mal getroffen, das war vor meiner Krankheit. Es ist schön“, sagte der glückliche 32-Jährige.

Zur Belohnung für die starke Leistung gab der Trainer seinen Schützlingen bis Mittwoch frei – erst am kommenden Montag steht gegen RB Leipzig die nächste Bundesliga-Partie auf dem Plan. Es ist ein echtes Spitzenspiel, Vierter gegen Zweiter – damit hätten vor Saisonstart selbst die größten Optimisten in der Bankenmetropole nicht gerechnet. Manager Bruno Hübner zeigte sich davon überzeugt, dass auch gegen den sächsischen Champions-League-Teilnehmer etwas drin ist: „So wie die Mannschaft momentan auftritt, lässt sie sich die Chance nicht nehmen, aus einer guten eine sehr gute Saison zu machen.“