Eintracht Frankfurt

Fußball Eintracht Frankfurt kann nach dem furiosen Auswärtscoup beim FC Arsenal auf weitere internationale Festtage hoffen

Rückkehr der Europa-Experten

London.Kurz vor Schluss fielen alle selbst auferlegten Hemmungen. Es waren nur noch wenige Minuten zu spielen, Eintracht Frankfurt verteidigte leidenschaftlich den 2:1-Vorsprung beim FC Arsenal, da machten sich rund 500 Fans der Hessen im Unterrang lautstark bemerkbar. Eigentlich hätte der Fußball-Bundesligist aufgrund eines Uefa-Urteils in London auf die Unterstützung der eigenen Anhänger verzichten müssen, aber Etliche hatten es doch inkognito ins Emirates Stadium geschafft. Als ihr Team in einer fulminanten zweiten Halbzeit den Boden für den nächsten denkwürdigen Frankfurter Europa-League-Abend bereitet hatte, legten die „Schläfer“ ihre Zurückhaltung ab. „Dass am Ende die Fans, die eigentlich gar nicht da sein durften, lauter waren als die Heim-Fans, hat es wohl auch noch nie gegeben“, wunderte sich Eintracht-Vorstand Axel Hellmann, der sich ob der nicht vorhandenen Atmosphäre in der mit vielleicht 20 000 Zuschauern nur spärlich gefüllten riesigen Arena „im Senckenberg-Museum“ gewähnt hatte.

Am Ende stand ein nicht für möglich gehaltener 2:1-Auswärtssieg beim Londoner Star-Ensemble auf der Anzeigetafel. Es war die furiose Rückkehr der Frankfurter Europa-Experten aus der vergangenen Saison. „Das hat uns niemand zugetraut“, sagte Trainer Adi Hütter. Die individuelle Besetzung, die mauen Leistungen der vergangenen Wochen, der Spielverlauf – zur Pause sprach so gut wie nichts mehr für die Eintracht. Pierre-Emerick Aubameyang hatte Arsenal in der Nachspielzeit der ersten Halbzeit in Führung gebracht, die Frankfurter liefen völlig neben der Spur in dieser wichtigen Partie, die im Lager der Hessen als vorentscheidend im Kampf um den Einzug in die K.o.-Phase gewertet worden war. „Es war verwunderlich, dass wir überhaupt noch im Spiel waren. Aber Arsenal hat den Sack nicht zugemacht und uns am Leben gelassen. Das war ihr Fehler“, sagte Martin Hinteregger.

Denn Hütters Änderungen in der Pause fruchteten. Die zur zweiten Halbzeit eingewechselten Dominik Kohr und Mijat Gacinovic brachten die zuvor vermisste Galligkeit ins Spiel – und dann kam Daichi Kamada. Mit zwei Toren (55., 64.) drehte der Japaner die Begegnung, den Rest erledigte die Eintracht mit Überzeugung und Herzblut. „Daichi hat sich ein Extralob verdient“, meinte Hütter und Vorstandschef Fredi Bobic ergänzte: „Das ist vielleicht ein kleiner Löser. Der Junge hat so viel Qualität – das ist Wahnsinn!“ Einen Spaß auf Twitter machte Kollege Goncalo Paciencia: „Was ist besser aus Japan als Sushi? Daichi Kamadaaaa!!!“

Während sein Landsmann in die Dopingkontrolle musste und sich nicht zu seinem großen Abend auf internationaler Bühne erklären konnte, sprach Makoto Hasebe über den Matchwinner, der in der vergangenen Saison an den belgischen Erstligisten VV St. Truiden verliehen war. „Er hat zu mir gesagt, wenn er endlich mal ein Tor schießen würde, kommen auch zwei, drei hinterher“, sagte der 33-Jährige. Die nächste Möglichkeit dazu bietet sich dem Japaner am Montag, wenn die Frankfurter im Rhein-Main-Duell beim FSV Mainz 05 antreten. Der Trainer hofft darauf, dass die Sensation im Emirates auch Schwung für den Alltag gibt. „Wir wollen jetzt auch in der Bundesliga in die Erfolgsspur zurück“, forderte Hütter.

In der Europa League hat sich die Ausgangslage vor dem letzten Spieltag in Gruppe F grundlegend zugunsten der Eintracht verändert. Ein Sieg im Heimspiel am 12. Dezember gegen Vitória Guimarães (2 Punkte), und die Hessen (9) sind auf jeden Fall im Sechzehntelfinale dabei. Das Ergebnis des Parallelduells zwischen Lüttich (7) und Arsenal (10) besitzt dann keine Relevanz mehr. „Wir haben es jetzt wieder in der eigenen Hand“, sagte Hütter. „Aber wir haben gegen Guimarães noch einen Schritt zu gehen.“

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