Eintracht Frankfurt

Fußball Eintracht Frankfurt beweist beim 2:2 gegen Dortmund große Moral / Torwart Trapp untermauert hohe Ambitionen

„Sind nicht mehr irgendwer“

Archivartikel

Frankfurt.Der frühere Dortmunder Erik Durm machte sich nach dem 2:2 seines neuen Arbeitgebers Eintracht Frankfurt gegen den BVB gar nicht erst die Mühe, seine Erschöpfung zu verbergen. Vor dem Gespräch mit den Journalisten nahm der Weltmeister von 2014 ein paar kräftige Schlucke aus der Wasserpulle. Ähnlich entschlossen resümierte der 27-Jährige anschließend seinen erst zweiten Liga-Einsatz: „Ich glaube, es wäre schlecht, wenn man nach so einem Spiel nicht kaputt wäre. Wir haben alles reingehauen, jeder ist ans Limit gegangen – bei beiden Mannschaften.“

Ob wirklich beide Teams im Sonntagabendspiel an ihre Grenzen gegangen sind, wagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc stark zu bezweifeln. „Nach dem 0:1 war die Eintracht sichtlich am Boden. Da haben wir rumgedaddelt und waren nicht mehr konkret. So spielt keine Spitzenmannschaft“, machte Zorc die seltsam passive Spielweise des selbst ernannten Titelanwärters nach dem Führungstor durch Axel Witsel (11.) als Hauptgrund für den Punktverlust aus.

Dünnhäutiger Reus

Für die Eintracht, die drei Tage vorher ein 0:3 zum Auftakt in der Gruppenphase der Europa League gegen Arsenal London bezogen hatte, wurde Dortmund so gewissermaßen zum moralischen Aufbaugegner. Noch vor der Pause durfte Sturm-Neuzugang André Silva seinen ersten Pflichtspieltreffer im Frankfurter Trikot zum 1:1-Ausgleich bejubeln (43.). In der zweiten Halbzeit wiederholte sich das Szenario: Dortmund zog das Tempo an, ging durch Jadon Sancho mit 2:1 in Führung (66.). Die Schlussphase überließen die Westfalen jedoch der Eintracht, die das Eigentor von Thomas Delaney zum 2:2 (88.) mit viel Leidenschaft erzwang. „Wir sind enttäuscht“, meinte BVB-Trainer Lucien Favre. Zuvor hatte Dortmunds Superstar Marco Reus bei „Sky“ äußerst dünnhäutig auf eine Frage nach fehlender Mentalität reagiert: „Das geht mir so auf die Eier mit euch, mit eurer Mentalitätsscheiße. Ist das Ihr Ernst jetzt?“

Im Eintracht-Lager gingen die Einordnungen des Punktgewinns und vor allem der eigenen Qualitäten zum Teil weit auseinander. „Wir sind mehr als zufrieden mit dem Punkt. Dass Dortmund in so einem Spiel auch mal eine gute Phase hat, muss man akzeptieren“, konstatierte Durm. Der vom AC Mailand ausgeliehene Silva erklärte: „Wir starten immer in ein Spiel, um es zu gewinnen. Es ist nicht das bestmögliche Ergebnis, aber trotzdem ein gutes Ergebnis.“ Und Torhüter Kevin Trapp hielt fest: „Natürlich hat Dortmund ganz andere Ambitionen als wir. Aber wir sind auch nicht mehr irgendjemand.“

Wie stark der Europapokal-Halbfinalist der Vorsaison in dieser Spielzeit tatsächlich ist, vermag auch Eintracht-Trainer Adi Hütter noch nicht zu sagen. „Wir haben zuletzt zweimal verloren. In Augsburg haben wir die erste Halbzeit fürchterlich gespielt, die zweite dagegen sehr gut“, analysierte der Österreicher: „Das Problem ist, dass wir immer in Rückstand geraten. Das nagt natürlich auch am Selbstvertrauen, aber wir haben heute Mentalität gezeigt und den Kampf angenommen. Ich bleibe dabei: Ich unterscheide immer zwischen Ergebnis und Leistung.“

Mentalität und Kampf, aber auch Geduld, Vertrauen und nicht zuletzt die Unterstützung auf den Rängen sind Schlagworte, die in den Gesprächen mit den Eintracht-Akteuren immer wieder fallen. „Ich spüre das Vertrauen von Mannschaft und Trainer“, hält der 23-jährige Silva fest. Der portugiesische Nationalspieler hatte zum zweiten Mal innerhalb von 72 Stunden die Wucht des Frankfurter Stadions zu spüren bekommen. „Das ist ein tolles Gefühl. Dass es überhaupt zu diesem Punktgewinn gekommen ist, haben wir unseren Fans zu verdanken.“

Auch Durm verriet: „Es ist einfach geil, in diesem Stadion zu spielen. Natürlich braucht es ein bisschen Zeit, um die neuen Spieler zu integrieren, aber wir zeigen in jedem Spiel eine Steigerung und haben die Geduld.“ Mittelfeldrackerer Gelson Fernandes blickte derweil schon auf Freitag voraus. Bei Aufsteiger Union Berlin schlüpft die Eintracht von der Außenseiter- in die Favoritenrolle: „Wir nehmen diesen Punkt mit und wollen auch etwas in Berlin holen.“

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