Eishockey

Eishockey Mit dem deutschen NHL-Star will die deutsche Nationalmannschaft bei der WM die Olympia-Sensation bestätigen

Auf Draisaitl ruhen alle Hoffnungen

Archivartikel

Herning.Diesmal ist alles leichter für Leon Draisaitl. Schon seit gut zwei Wochen bereitet sich der 22 Jahre alte NHL-Star in Europa auf die Weltmeisterschaft in Dänemark vor, bei der er am Freitag (20.15 Uhr/Sport1) gegen den WM-Gastgeber erstmals im Blickpunkt steht. Genügend Zeit, seinen Jetlag zu überwinden. Beste Voraussetzung, um in Topform anzutreten.

Bundestrainer Marco Sturm benötigt in Herning einen Draisaitl in bestmöglicher Verfassung, damit die Eishockey-Euphorie gut zwei Monate nach der Olympia-Sensation von Pyeongchang bestätigt werden kann. Der Angreifer der Edmonton Oilers ist momentan klar bester deutscher Eishockey-Spieler. Auf ihm ruhen die Hoffnungen für die nächsten positiven Schlagzeilen. „Er ist unser absoluter Führungsspieler. Er hebt die Qualität ungemein und zieht die Mitspieler noch einmal gewaltig mit“, sagt Sturm.

Herausragend in der Vorbereitung

Vor einem Jahr bei der WM in seiner Heimatstadt Köln hatte Draisaitl dennoch Probleme. Nach dem Playoff-Aus in der NHL hatte er sich in den Flieger gesetzt und stieß mitten in der WM dazu, als Deutschland um das Viertelfinale kämpfte. Nach 103 Spielen war er erschöpft. „Es ist schon etwas einfacher als beim letzten Mal“, sagt Draisaitl nun.

Nationalverteidiger Moritz Müller lacht, als er nach den Vorteilen der frühen Anwesenheit seines berühmten Mitspielers gefragt wird. Das sei gut für Draisaitl, so habe er Zeit, sich an „das Niveau, an das Tempo der anderen Jungs“ zu gewöhnen, sagt Müller. Er meint: das niedrigere Niveau, das langsamere Tempo. Denn Draisaitl ist eigentlich zu gut für das Team des Deutschen Eishockey-Bundes.

Selbst Sturm gibt öffentlich zu, dass nicht jeder im Team mit ihm mithalten kann. So wird sich der 39-Jährige gerade in seiner neu zusammengestellten und unerfahrenen WM-Mannschaft gut überlegen müssen, mit wem er seinen Top-Star zusammenspielen lässt.

In den drei Vorbereitungspartien, die er absolvierte, ragte Draisaitl heraus. Gekonnt setzte er seine Mitspieler in Szene, traf zweimal selbst und bereitete vier weitere Treffer vor. Sturm nennt ihn einen „Chef auf dem Eis“ und erklärt: „Das ist sein Spiel. Er will alles auf sich ziehen. Das macht er mit seiner Klasse sehr, sehr gut.“ Es sei unglaublich, wie weit sich Draisaitl in seinem jungen Alter spielerisch entwickelt habe.

7,3 Millionen Euro pro Saison

In Edmonton spielt Draisaitl an der Seite des kanadischen WM-Kapitäns Connor McDavid. Beide Stars laufen von Beginn an in Dänemark auf, weil die Saison mit den Oilers enttäuschend verlief. „Auch wenn die Oilers nicht die Top-Saison hatten, aber McDavid und Draisaitl haben es wieder geschafft, letztendlich genau das abzurufen, was man von ihnen erwartet“, sagt Sturm. Die herausragenden Auftritte des Deutschen in der NHL machten sich im vergangenen Sommer auch finanziell bezahlt. Draisaitl unterschrieb einen Achtjahresvertrag und verdient nun bis 2025 rund 7,3 Millionen Euro pro Saison. Der deutsche Verband musste deswegen für seine WM-Teilnahme eine hohe Versicherungssumme aufbringen.

Der Jungstar ist das Geld wert. Gerade nach den Rücktritten von Christian Ehrhoff und Marcel Goc ist Draisaitl wichtiger denn je, ebenso wie die beiden anderen NHL-Spieler im aktuellen Kader, Dennis Seidenberg und Korbinian Holzer.