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Eishockey Der 38-jährige Stanley-Cup-Gewinner hört auf / Verteidiger könnte sich Abschiedsspiel in Mannheim vorstellen / Positives Echo bei Daniel Hopp

Dennis Seidenberg – leises Ende eines Stars

Archivartikel

New York.Große Emotionen sind nicht das Ding von Dennis Seidenberg. Möglicherweise liegt es daran, dass einer der besten und erfolgreichsten deutschen Eishockey-Profis in der Heimat außerhalb seiner Sportart kaum bekannt geworden ist. Bruder Yannic schrieb als Olympia-Silbermedaillengewinner von Pyeongchang 2018 Geschichte. Sein Bild als jubelnder Derwisch nach dem „Jahrhundertspiel“ im Halbfinale gegen Kanada (4:3) ist eines der bekanntesten Sportfotos der letzten Jahre. Dennis Seidenberg hingegen feierte seine Erfolge stiller.

„Wer mich kennt, weiß, dass ich nie zu viel Emotionen zeige“, sagte der 38 Jahre alte Schwarzwälder im Interview der „Süddeutschen Zeitung“. Darin verkündete Seidenberg offiziell das Ende seiner Karriere, das seit zwei Wochen im Raum gestanden hatte. „Körperlich geht es nicht mehr. Meine Schulter und meine Handgelenke sind nach 15 Jahren in der NHL ziemlich fertig. Es ist die Zeit gekommen, ans nächste Kapitel zu denken und einfach das Leben zu genießen.“

Keine großen Gedanken hat sich der gebürtige Villinger über ein Abschiedsspiel gemacht: „Wenn es in Deutschland wäre, würde ich sagen: Mannheim. Da dort meine Karriere so richtig angefangen hat und ich dort am meisten unterstützt wurde.“

Daniel Hopp, Gesellschafter der Adler Mannheim und Geschäftsführer der SAP Arena, zeigte sich erfreut über diese Aussage. Es sei schön, „dass Dennis seine Zeit in Mannheim so positiv betrachtet. Bei der Frage eines Abschiedsspiel stellen sich natürlich viele Fragen, die nicht so leicht aus dem Stehgreif zu beantworten sind.“ Hopp verwies auf logistische Herausforderungen, „da Dennis viele Jahre in Nordamerika gespielt hat und sich auch sein Lebensmittelpunkt dort befindet. Wenn die Zeit kommt und wir mit Dennis mal wieder in persönlichem Kontakt stehen, kann man sich natürlich auch über die Frage eines solchen Spiels unterhalten. Unser Nordamerika-Scout Todd Hlushko spricht sehr regelmäßig mit Dennis, daher besteht sicherlich die Möglichkeit eines persönlichen Austausches“, stehen die Adler einer solchen Partie grundsätzlich positiv gegenüber.

Bei den Adlern startete Seidenberg 1999 seine Profikarriere, 2002 wechselte er nach Philadelphia. Noch heute erinnert sich der Vollblutprofi daran, wie er erfuhr, dass der Club ihn ausgewählt hat: „Ich lag mit Yannic und ein, zwei anderen Mannheimer Spielern in Heddesheim an einem See. Wir haben das Wetter genossen, als mein Telefon klingelte. Es war der Nordamerika-Agent meines Spielerberaters, und der sagte mir, dass ich von den Flyers gedraftet wurde.“

Mit Seidenberg geht einer der besten Verteidiger, die Deutschland je hatte. 2011 war er nach Uwe Krupp der zweite deutsche Profi, der den Stanley Cup gewann. Im entscheidenden Finale mit Boston gegen Ehrhoffs Vancouver Canucks gab Seidenberg zwei Torvorlagen. „Es hat mir bei allen Clubs Spaß gemacht“, sagte er nun rückblickend. Dabei musste sich Seidenberg, der 2001 mit 20 nach der deutschen Meisterschaft mit Mannheim nach Nordamerika ging, dort durchbeißen. „Ich bin ein unheimlich harter Arbeiter, ein Psycho in dieser Hinsicht, ich gebe nie auf“, sagte Seidenberg über sich und erklärt damit zudem, warum er es und nicht sein drei Jahre jüngerer Bruder Yannic in die NHL schaffte. „Yannic war von uns beiden immer der bessere Eishockeyspieler, technisch begabter, er hat ein unglaubliches Händchen“, sagte Dennis über Yannic, der aber eben auch elf Zentimeter kleiner ist. Gemeinsam standen sie während der NHL-Spieler-Aussperrung 2012 in Mannheim und dann wieder 2017 bei der Heim-WM auf dem Eis, als Dennis Seidenberg zum besten Verteidiger des Turniers gewählt wurde. Es war der letzte Höhepunkt seiner Karriere. dpa/jako

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