Eishockey

Eishockey Ganz Finnland liegt der zuvor gescholtenen Nationalmannschaft nach dem überraschenden WM-Titel zu Füßen

Der Coup der Namenlosen

Archivartikel

Bratislava.Kaum ein Finne glaubte vor gut zwei Wochen an sie, Trainer Jukka Jalonen wurde gar offen angefeindet. Am Montag kehrte die „schlechteste finnische Eishockey-Nationalmannschaft überhaupt“ als Weltmeister und Jalonen als Nationalheld in die Heimat zurück. Zum zweiten Mal nach 2011 führte der 56-Jährige die Leijonat als Trainer zum WM-Titel – diesmal jedoch mit einem Team der Namenlosen. „Ich bin einfach nur stolz auf meine Spieler“, sagte Jalonen nach dem Coup am Sonntagabend gegen Kanada (3:1) in Bratislava.

Dort hatte er schon vor acht Jahren gegen Schweden mit NHL-Größen wie Mikko Koivu triumphiert. Diesmal aber war alles anders. „In Finnland haben sie schon geschrieben, das sei das schlechteste Team, das jemals bei einer WM gespielt hat. Wir haben uns gesagt: Denen zeigen wir es“, sagte Toni Rajala vom EHC Biel voller Genugtuung.

Die ersten Absagen der aktuell größten NHL-Stars des Landes gab es schon im Januar. Am Ende bekam Jalonen gerade einmal zwei Spieler aus der besten Liga der Welt zusammen: die Stürmer Henri Jokiharju von den Chicago Blackhawks und Juho Lammikko (Florida Panthers). Als Jalonen dazu keinen Spieler vom Meister Hämeenlinnan Pallokerho für die WM berief, wurde er trotz des Titels 2011 für verrückt erklärt.

Jalonen – wie Deutschlands finnischer Bundestrainer Toni Söderholm ein Verfechter des Kollektiv- und Team-Gedankens – nominierte lieber 18 WM-Debütanten. „Die größte finnische Eishockey-Sensation aller Zeiten ist eine Tatsache: Finnlands unterschätzte Mannschaft mit 18 Debütanten ist Weltmeister!“, schrieb die Zeitung „Hufvudstadsbladet“ am Montag. Eishockey-Superstar Teemu Selänne, der selbst nie Weltmeister wurde, schrieb: „Ich bin so stolz auf diese Jungs. Unser Land wird das noch lange, lange feiern.“

Zu unterschiedlichen WM-Momenten glänzten ganz unterschiedliche Spieler. Der erst 18 Jahre alte Kaapo Kakko war mit sechs Toren aus den ersten vier Spielen der WM-Shooting-Star. Danach traf der Teenager nicht mehr. Dafür überzeugte in den entscheidenden Partien Goalie Kevin Lankinen (24) aus der NHL-Organisation der Chicago Blackhawks, der beim Farmteam Rockford in der zweitklassigen AHL spielt. Wirklich voran ging Kapitän Marko Anttila, der mit dem WM-Pokal im Arm Sonntagnacht in seinen 34. Geburtstag hinein feierte.

Der Kapitän geht voran

Seine vier Tore schoss er alle in den K.o.-Spielen: im Viertelfinale gegen Schweden (5:4 nach Verlängerung), das Siegtor im Halbfinale und doppelt im Finale. „Er ist jetzt ein Nationalheld. Ein unglaublicher Kapitän“, lobte Verteidiger Petteri Lindbohm aus Lausanne.

Auch wenn die genannten Spieler herausragten, mit Ausnahme vom Top-Talent Kakko waren sie zuvor auch in der Heimat kaum bekannt. „Wir hatten vielleicht nicht die besten Einzelspieler, aber wir waren das beste Team. Nur das gewinnt auch Meisterschaften“, meinte Lindbohm. Finnland verlor bei der WM nur ein Spiel nach regulärer Spielzeit: 2:4 gegen Deutschland.

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