Eishockey

Eishockey Der 23-jährige Top-Stürmer der Edmonton Oilers ist Rekordhaltern auf den Fersen

Draisaitl jagt nach Anerkennung

Edmonton.Die Lockerheit, die Fröhlichkeit, der Charme von Basketball-Super-Star Dirk Nowitzki gehen Leon Draisaitl noch ab. Sportlich hat der 23 Jahre alte Eishockey-Nationalstürmer in der nordamerikanischen Profiliga NHL jedoch längst Kult-Status erreicht. Neben seinen Rekordjagden in der besten Liga der Welt wirkt der Sohn des früheren Nationalstürmers Peter Draisaitl aber immer noch vor allem verbissen. Auch am Montagabend (Orstzeit) nach seinem nächsten Drei-Punkte-Spiel für die Edmonton Oilers saß Draisaitl junior wieder abgekämpft in der Kabine, keine Kraft mehr für Emotionen in seiner Mimik. „Das war ein großartiger Sieg für uns“, sagte Draisaitl mit ausdruckslosem Gesicht nach dem 3:2 nach Verlängerung gegen die New York Rangers.

Den Siegtreffer nach 35 Sekunden in der Verlängerung schoss wieder einmal er selbst. Es war Draisaitls 42. Saisontor im 69. Spiel, in der Torschützenliste liegt nur noch der große Alexander Owetschkin, 2018 Stanley-Cup-Sieger mit den Washington Capitals, vor ihm. Zudem steuerte er zwei Torvorlagen zum Sieg bei und kommt nun auf 47 Assists. Zum 14. Mal in Serie gelang Draisaitl damit mindestens ein Punkt in einem Spiel. In der Scorerwertung kommt er auf 89 Punkte – allesamt: deutsche Rekorde. 89 Scorerpunkte bedeuten Platz vier in der Liga. Weltstars wie Sidney Crosby oder eben Owetschkin liegen hier hinter ihm. Der Center ist auf dem besten Weg, die magische 100-Punkte-Marke in dieser Saison zu knacken.

„Er ist absolute Weltklasse“, schwärmte Bundestrainer Toni Söderholm über den ehemaligen Mannheimer Jungadler (2009 bis 2012). Oilers-Chefcoach Ken Hitchcock befand: „Er ist ein Teufelskerl.“ Neben den Fachleuten sind auch die Fans und Medien in Nordamerika verzückt. „Draisaitl füllt seinen Weg ins Superstar-Gebiet“, schrieb das „Edmonton Journal“. Finanziell gewürdigt wurde dieser Weg längst. Draisaitl zählt mit 8,5 Millionen Dollar pro Jahr zu den Top-Verdienern der Liga.

Stanley Cup außer Reichweite

Dennoch wirkt er immer etwas traurig, wenn er nach den Spielen der Oilers zu seinen Leistungen befragt wird. Obwohl in Connor McDavid ein weiterer Einzelkönner im Oilers-Kader steht, schafft es Edmonton wohl auch in diesem Jahr nicht in die Play-offs. Der begehrte Stanley Cup bleibt damit vorerst nichts mehr als eine Sehnsucht. Als die Oilers den damals 18-Jährigen unter Vertrag nahmen, wollte der seinerzeit bereits als größtes deutsches Talent geltende Draisaitl vor allem eines: Der „Eishockey-Nowitzki“ werden. Heute sagt Draisaitl, wie zuletzt der „Süddeutschen Zeitung“: „Dirk Nowitzki ist eine Legende. Was er erreicht hat, ist schwer im Eishockey zu erreichen.“

Dass der 17 Jahre ältere gebürtige Würzburger in Nordamerika so geliebt und verehrt wird, hat neben dessen persönlichen Leistungen und seiner Natürlichkeit vor allem auch mit seinem NBA-Titel 2011 mit Dallas zu tun. Um ein ganz Großer zu werden und auch zu bleiben, reichen in Nordamerika ab einem bestimmten Punkt persönliche Rekorde nicht mehr aus. Mit den Oilers ist der Team-Titel zurzeit aber nur schwerlich möglich. Zu groß ist das Leistungsgefälle im Kader nach ihm und McDavid.

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) könnte davon in diesem Jahr aber wieder profitieren. Sollten die Oilers die Play-offs verpassen, könnte Deutschland bei der WM im Mai in der Slowakei mit ihrem Superstar in Top-Form auflaufen. Bundestrainer Söderholm bricht am Freitag nach Nordamerika auf, um sich mit nahezu allen deutschen Spielern in den dortigen Profiligen zu treffen. „Wenn er dabei wäre, wäre es super“, meinte Söderholm, der Deutschland mit Draisaitl mindestens eine Klasse besser einstuft als ohne ihn: „Ja, denn so gut ist er.“