Eishockey

Eishockey Nationalteam gewinnt erstmals seit 26 Jahren gegen Skandinavier / Bundestrainer hatte Leistung des Stürmers kritisiert / Am Donnerstag gegen Tschechien

Draisaitls Reaktion kommt Finnen teuer zu stehen

Archivartikel

Kosice.Auf die Worte vom Bundestrainer reagierte NHL-Topstar Leon Draisaitl mit seiner Extraklasse. Einen Tag nach der dezenten Kritik von Toni Söderholm zeigte der Weltklasse-Stürmer der Edmonton Oilers bei der Eishockey-WM seine bislang beste Turnierleistung. Mit zwei Toren, einer weiteren Vorarbeit und einer klar gesteigerten Defensivleistung beim 4:2 (1:1, 1:1, 2:0) am Dienstag gegen Finnland führte Draisaitl Deutschland zur besten Vorrunde bei einer WM überhaupt.

„Alle haben den Job gemacht, den man machen muss, um so eine finnische Mannschaft zu schlagen. Alle haben an einem Strang gezogen“, sagte der 23-Jährige nach dem ersten deutschen WM-Sieg seit 26 Jahren gegen ein finnisches Team nach regulärer Spielzeit. Mit seinen zwei Toren im Schlussdrittel in Überzahl (45. Minute) und ins leere finnische Tor (59.) hatte Draisaitl das Spiel entschieden.

Vorfreude auf Bratislava

Im slowakischen Kosice hatten der gebürtige Mannheimer Marc Michaelis (18.) und Dominik Kahun (34.) zuvor vor 6685 Zuschauern die zweimalige finnische Führung von Harri Pesonen (16.) und Juhani Tyrvainen (25.) jeweils ausgeglichen. Mit dem fünften Sieg im siebten Spiel sammelte das deutsche Team zum Abschluss der Vorrunde damit das nötige Selbstvertrauen für das Viertelfinale am Donnerstag in Bratislava gegen Tschechien (20.15 Uhr/live bei Sport1).

„Wir sind sehr stolz“, sagte Kapitän Moritz Müller zur besten WM-Vorrunde eines deutschen Teams bislang. „Sechs Top-Leistungen, fünf Siege und 15 Punkte sind eine herausragende Leistung unseres Teams. Die Mannschaft darf mit großem Stolz und gesundem Selbstvertrauen in das Viertelfinale nach Bratislava einziehen“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl.

Fünf Erfolge in der ersten Runde hatte es noch nie gegeben. „Wenn wir so spielen, können wir wirklich gegen die Großen spielen“, meinte Kahun nach seinem ersten Tor in diesem Turnier. Draisaitl sagte zum Viertelfinale, das schon vor dem Coup gegen Finnland perfekt war: „Es wird ein harter Brocken, keine Frage, aber wir freuen uns darauf.“

Mit einem Grinsen kommentierte der Topstürmer der Edmonton Oilers Fragen zum Hinweis von Söderholm am Vortag zu Draisaitls verbesserungswürdigem Defensivverhalten. „Ich sage dazu nichts“, meinte Draisaitl, der im Spiel gegen das Heimatland des Bundestrainers seine Antwort gegeben hatte. Söderholm selbst war, überrascht von den Reaktionen auf seine Aussagen am Montag, kurz angebunden bei dem Thema. „Wie alle anderen – gut“ sei Draisaitl gewesen, befand der Coach knapp. „Er kann auf alle Fälle besser in der Defensive arbeiten. Ich denke nicht, dass das ein Geheimnis ist“, hatte er am Montag zur bisherigen WM-Leistung von Draisaitl gesagt und ihn damit offenbar gekitzelt.

Gegen sein Heimatland hatte Söderholm Draisaitl auch von Kahun getrennt und erstmals mit den Münchnern Yasin Ehliz und Patrick Hager zusammen in eine Reihe gestellt. Dies begründete der 41 Jahre alte Finne indes mit einem Taktik-Kniff im Hinblick auf das Viertelfinale, um für den Gegner weniger ausrechenbar zu sein. dpa