Eishockey

Eishockey Finanziell ist der angeschlagene Club gerettet, aber sportlich kaum konkurrenzfähig

Krefeld Pinguinen droht das Aus in kleinen Schritten

Krefeld.Nach langen Schlammschlachten und großer Ungewissheit scheinen die Krefeld Pinguine aus der Deutschen Eishockey Liga nun gerettet: Montagabend vergangener Woche stieg weißer Rauch aus einem Notarbüro in Krefeld auf. Die Firma Energy Consulting Europe (ECE) hatte in Person von Mikhail Ponomarew ihre Gesellschafteranteile von rund 46 Prozent an den Krefeld Pinguinen verkauft und den Verein so vor der Insolvenz gerettet.

Mit dem Ausstieg des ungeliebten Geschäftsmanns ist die Voraussetzung für den Einstieg eines neuen, allerdings nach wie vor unbekannten Investors geschaffen worden. Ponomarews Anteile gehen in den Besitz von Mitgesellschafter Dirk Wellen über, einem sehr engen Vertrauten von Pinguine-Geschäftsführer Matthias Roos.

Bei den Pinguinen drängt nun die Zeit. Bis zum kommenden Samstag müssen alle Unterlagen zur Beantragung einer Lizenz für die DEL-Saison 2020/21 eingereicht sein. Mit dem jetzt geöffneten Weg zu einer Stammkapitalerhöhung durch den noch nicht öffentlich aufgetretenen neuen Investor ist dies möglich. Doch wie konnte es beim KEV überhaupt derart kritisch werden?

Bereits Ende September hatte Geschäftsführer Roos in einer bemerkenswerten Pressekonferenz erklärt, dass der Verein in finanzielle Schieflage geraten wird, sollte Ponomarew nicht seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Nicht nur das, Roos nannte Ponomarews Verhalten gar „respektlos und an Unzuverlässigkeit kaum mehr zu überbieten“. Daraufhin ließ Ponomarew verlauten, dass er zu keiner Zeit irgendwelche Gelder versprochen habe. Zudem warf er den Pinguinen vor, bei der DEL falsche Angaben im Lizenzantrag für die aktuelle Saison gemacht zu haben.

Was folgte, war eine monatelange Schlammschlacht mit immer neuen Beschuldigungen, ergebnislosen Gesellschafterversammlungen und geplatzten Notarterminen. Ponomarew wurde für alle zum Buhmann. Bei Fans, Vereinsikonen wie Karel Lang sowie einem Sponsor, der sich zurückzog.

Ein großes Versäumnis

Doch auch wenn der Russe kritisch zu betrachten ist, so müssen sich die KEV-Verantwortlichen Fragen gefallen lassen. Warum wurde Ponomarew der Einblick in die Geschäftsbücher verweigert? Jeder, der investieren soll und dies auch will, muss sich über die finanzielle Lage ein Bild machen. Auch die Identität und ein avisiertes Treffen mit dem potenziellen neuen Investor, der seine Anteile übernehmen sollte, wurden dem Russen vorenthalten.

Hat die Politik aktiven Druck auf den auch beim Fußball-Drittligisten KFC Uerdingen als Investor aktiven Ponomarew ausgeübt? Dessen Stellungnahme zu seinem Ausstieg lässt dies zumindest vermuten. „Spätestens als begonnen wurde, das längst vom Rat der Stadt Krefeld beschlossene Umbauprojekt des Grotenburg-Stadions als Druckmittel gegen meine Person in Sachen KEV-Einigung zu nutzen, wurde mir klar, dass ich einen Schlussstrich ziehen muss. Ich bin nicht länger bereit, als alleiniger Buhmann für dieses System der jahrelangen Misswirtschaft herzuhalten. Zudem ist es meine Pflicht, den KFC Uerdingen und alle, die mit Herzblut für diesen Verein arbeiten oder mitfiebern, vor Schaden zu bewahren“, hatte Ponomarew unter anderem erklärt.

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