Eishockey

Eishockey Jungadler verbessern durch den Umgang mit Pferden ihre Präsenz und Körpersprache

Mentaltraining auf der Reitanlage

Archivartikel

Schriesheim.Von unserem Mitarbeiter

Andreas Martin

Auf den ersten Blick haben Pferde und Eishockey zunächst einmal nicht allzu viel gemeinsam. Doch bei den Jungadlern Mannheim riskiert man auch gerne mal einen zweiten Blick, wenn es darum geht, die mentale Stärke der jungen Spieler weiterzuentwickeln.

Im vergangenen Jahr war der Mentalcoach der Jungadler, Dr. Michael Ullmann, auf eine ungewöhnliche Maßnahme gestoßen, mit der Präsenz, Charisma, Souveränität, mentale Stärke, Umgang mit Stress und Druck, Selbstbewusstsein und Selbstwahrnehmung der Spieler in besonderem Maße gestärkt werden können: durch den Umgang mit Pferden. „Pferde sind durch ihre Größe erst einmal beeindruckend, insbesondere für Menschen, die den Umgang mit diesen Tieren nicht gewöhnt sind. Im Gegensatz zu Hunden verstehen Pferde keine verbale Kommunikation, sondern ausnahmslos Körpersprache. Um sie zu beeinflussen und zu lenken, muss man hundertprozentig eindeutig, fokussiert, authentisch und dominant sein. Man muss genau wissen, was man will und man muss dies auch durch seine Körpersprache ausdrücken“, sagt Ullmann, der davon überzeugt ist, dass sich Pferde daher besonders für dieses Charisma-Training eignen.

Auch Frank Mauer dabei

Nachdem die Jungadler im vorigen Jahr schon gute Erfahrungen auf der Reitanlage von Thomas und Susanne Urban gesammelt hatten, ging es auch diesen Juli wieder nach Schriesheim, wo die U-20-Spieler der Blau-Weiß-Roten auf einen prominenten Mitstreiter trafen, der selbst dem Jungadler-Projekt entstammt: den olympischen Silbermedaillengewinner und amtierenden deutschen Eishockeymeister Frank Mauer, der zurzeit im Urlaub in seiner Heimatstadt Heidelberg weilt.

Der Stürmer, der 2015 mit den Adlern Mannheim Deutscher Meister wurde und nun mit dem EHC Red Bull München dreimal in Folge den Titel in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) holte, kennt Ullmann bereits aus gemeinsamen Nationalmannschaftstagen, als dieser als Mentalcoach des DEB-Teams tätig war. „Ich arbeite schon lange mit Doc Ullmann zusammen. Als er mich eingeladen hat, hier mitzumachen, habe ich natürlich gerne zugesagt. Mentaltraining hat mir in verschiedenen Phasen meiner Karriere sehr geholfen – auch heute noch“, gab es für Mauer denn auch kein großes Zögern, nach Schriesheim zu kommen.

Doch in welchen Bereichen profitiert der in den vergangenen Jahren extrem erfolgreiche Eishockeyprofi vom Umgang mit den Pferden? „Was ich für die nächste Saison für mich von hier mitnehme, ist, noch dominanter zu sein in meiner Körpersprache und damit noch mehr Präsenz auf dem Eis zu haben“, sagt der 30-Jährige. „Wer so auftritt, strahlt einfach was aus, den willst du gerne auf dem Eis haben, weil du dem in jeder Situation vertrauen kannst, einfach weil er ausstrahlt: ‚Ich kann’s und ich will das.’ Und das ist einfach für jeden Sportler eine Sache, die wichtig ist und guttut“, erwiesen sich die Pferde auch für den Olympiamedaillengewinner als gute Lehrmeister in Sachen Körpersprache. Stimmt diese beim Menschen nicht, dann bleibt das Pferd eben stehen oder macht ganz einfach, was es will, so Mauers Erfahrung.

Vom Konzept überzeugt

„Wir haben bereits im vergangenen Jahr gesehen, wie positiv die Erlebnisse aus diesem Training mit Pferden auf die Spieler gewirkt haben. Das war eine ganz andere Körpersprache auf dem Eis, und Ende der Saison sind wir dann auch wieder Deutscher Meister geworden. Diesen positiven Effekt wollen wir wieder erzielen“, hofft Jungadler U-20-Headcoach Frank Fischöder.

Bei den Blau-Weiß-Roten ist man mittlerweile überzeugt, dass Pferde und Eishockey dann doch durchaus sehr gut zusammenpassen.