Eishockey

Eishockey Nationaltrainer rechnet nach der WM mit weiteren Rücktritten und weiß um die vielen Unwägbarkeiten / Keine Alternative zum Umbruch im Team

Rückschlag in Dänemark lässt Sturm kalt

Herning.Marco Sturm weiß, was ihn erwartet. Der Neuanfang im deutschen Eishockey ist eine Mammut-Aufgabe. Das frühe und ernüchternde WM-Aus nach dem Olympia-Wunder zeigt, dass der begonnene Umbruch schwieriger ist als gedacht. Verzagen will der 39-Jährige deshalb nicht.

„Dann hätte ich den falschen Job“, sagte der Coach: „Ich habe einige Niederlagen und harte Phasen hinter mir, auch das wird mich nicht niederbringen“, sagte Sturm. Als Bundestrainer erlebt er in Dänemark erstmals einen Rückschlag. 2016 war er im WM-Viertelfinale, 2017 ebenso. Im Februar ließ der Final-Einzug von Pyeongchang die Erwartungen der Öffentlichkeit steigen. Jetzt folgte – nur zweieinhalb Monate später – mit einer neuformierten Auswahl das Vorrunden-Aus.

2019 soll bei der WM in der Slowakei aber die K.o.-Runde wieder das Ziel sein. Dafür müssen die Spieler Sturms System verinnerlichen, eingespielt sein und zu viele Ausfälle ausbleiben. Nach dem letzten Auftritt in Herning war Sturm erleichtert, dass der Druck vorbei ist. Auch an ihm haben die vergangenen Monate gezehrt. Besorgt verriet er noch nach dem 0:3 gegen Kanada, dass weitere Rücktritte nach dem Abschied der Leistungsträger Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer anstehen.

Ein Kandidat könnte Stanley-Cup-Sieger Dennis Seidenberg sein. Der bald 37-Jährige war nach Dänemark gekommen, ließ seine Zukunft aber offen. Überreden will Sturm niemanden. Dass die WM schwierig würde, war den verbliebenen zehn Silbergewinnern schon vor dem Auftakt bewusst. Mit der WhatsApp-Gruppe „Mission Gold“ hatten sie sich bei Olympia eingeschworen. Jetzt hieß der Chat schlicht „WM Dänemark“. „Es hat sich falsch angefühlt, einen draufzusetzen“, sagte Abwehrspieler und Silbergewinner Moritz Müller. Über „vier, fünf Jahre“ war das Silberteam in der stets knappen Vorbereitungszeit zusammengewachsen. Neben den Wochen vor der WM bleibt jetzt nur der Deutschland Cup im November und eine Länderspiel-Pause im Februar. „Das ist ausgereizt“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl. Die jungen Spieler aus den unterklassigen nordamerikanischen Profiligen wie Markus Eisenschmid, Frederik Tiffels oder Manuel Wiederer können nur zur WM-Vorbereitung einfliegen. Ihre WM-Teilnahme hängt ebenso wie bei den NHL-Spielern vom Abschneiden ihrer Teams ab. Die NHL-Play-offs laufen parallel zur WM. Welche NHL-Profis zur DEB-Auswahl stoßen, ist damit nicht planbar. Silbergewinner Dominik Kahun könnte im kommenden Jahr erstmals absagen, der Ex-Münchner will sich bei den Chicago Blackhawks durchsetzen.

Gerade deswegen ist Sturm für das deutsche Eishockey ein Glücksfall; mit seinem Ehrgeiz, mit seinem Gespür für die Mannschaft und seinem Händchen, ein Team auf die Schnelle besser zu machen. Umso entscheidender ist es, dass er seinen bis 2022 laufenden Vertrag nicht (zu schnell) für einen Wechsel in die NHL auflöst. Reindl rechnet derzeit fest damit, dass Sturm den Umbruch fortführt. „Mir macht es auch einen Riesenspaß“, bekräftigte Sturm. „Ich freue mich auf die Zukunft.“ dpa