Eishockey

Eishockey Nach dem Silber-Coup bei Olympia geht die Nationalmannschaft unter veränderten Vorzeichen in die heute beginnende Weltmeisterschaft

Zwischen Erwartungsdruck und Selbstvertrauen

Archivartikel

Herning.Diese WM wird ganz schwierig. Olympia-Silber schürt große – vielleicht zu große – Erwartungen. Eine junge und nach zahlreichen Absagen, Ausfällen und Rücktritten stark veränderte Eishockey-Nationalmannschaft von Bundestrainer Marco Sturm muss in Dänemark den Hype nach der Sensation von Pyeongchang bestätigen. Auch mit NHL-Topstar Leon Draisaitl bleiben vor dem Auftakt am heutigen Freitag (20.15 Uhr/Sport1) in Herning gegen den WM-Gastgeber Zweifel.

„Ich denke, dass man vorsichtig damit umgehen sollte. Wir sind immer noch ein kleines Eishockey-Land“, sagte der 22 Jahre alte Draisaitl. „Natürlich wollen wir so weitermachen, wie die Jungs bei Olympia aufgehört haben. Aber die Teams werden uns nicht umsonst einfach ins Viertelfinale oder Halbfinale laufen lassen.“

Verbandschef Franz Reindl warnte ebenfalls eindringlich: „Es wird eine ganz harte WM. Man kann nicht sagen, jetzt haben wir Silber, jetzt sind wir mal schön im Viertelfinale. Da ist man weit, weit daneben, wenn man so denkt.“

Dennoch: Der Finaleinzug bei den Winterspielen vor rund zehn Wochen hat bei den Spielern den Glauben gestärkt, dass sie zu allem bereit sind. „Unser Ziel ist es, das Viertelfinale zu erreichen“, sagte Matthias Plachta, einer von nur zehn Silbergewinnern im Aufgebot. Der Stürmer der Mannheimer Adler fügte lachend hinzu: „Das ist wieder ein K. o.-Spiel, und das können wir.“ NHL-Routinier Dennis Seidenberg sprach davon, dass auch Deutschland gegen Topfavorit Kanada punkten könne. Der 36-Jährige, Stanley-Cup-Sieger von 2011, ist einer von drei Profis aus der stärksten Liga der Welt im deutschen Team. Einer – Goalie Philipp Grubauer oder Stürmer Tom Kühnhackl – könnte noch folgen. Die NHL-Spieler machen einen großen Unterschied und sollen mit vier weiteren jungen Spielern aus den in Nordamerika zweitklassigen Ligen oder vom College die Rücktritte von Christian Ehrhoff, Marcel Goc und Patrick Reimer auffangen.

Bei den Winterspielen im Februar fehlten die NHL-Spieler, weil die nordamerikanische Profiliga ihren Spielbetrieb nicht unterbrach. Sensationell zog die deutsche Auswahl ins Finale ein, unterlag erst in der Verlängerung den klar favorisierten Russen. Motiviert hatte sie auch eine WhatsApp-Gruppe mit dem Titel „Mission Gold“, die sie vor dem Turnier ins Leben gerufen hatten. Wie der Team-Chat diesmal heißt, verriet Verteidiger Moritz Müller nicht. Der Zauber solle nicht kaputtgehen. Wie in Südkorea erinnern die Worte „Glaube, Freude, Leidenschaft“ in der Kabine an ihre Tugenden.

Olympia hat vieles verändert. Das deutsche Eishockey wird anders wahrgenommen, der Erfolgsdruck ist groß. Die Erinnerungen stärken das Selbstvertrauen. Ob auch jetzt alles möglich sei? „Ja, ich denke schon“, antwortete Sturm. „Jeder hat es gesehen, auch die Jungs, die nicht dabei waren.“ Bei beiden bisherigen WM-Turnieren unter Sturm führte der 39-Jährige das Team ins Viertelfinale. Gelänge das erneut, wäre der positive Trend bestätigt. Sturm hat sich zum Ziel gesetzt, unter den Top Acht der Weltrangliste zu bleiben. Momentan sind die Deutschen Siebter.