Ernährung

Wissenschaft Sabine Zikeli vom Zentrum Ökologischer Landbau an der Universität Hohenheim sieht Soja zwar als Bereicherung – kennt aber auch dessen Nachteile

„Passt deutlich besser als noch vor 15 Jahren“

Hohenheim.Sie ist ein hochwertiges Nahrungsmittel – doch ihr Import wesentlich günstiger als der Anbau hierzulande: die Vor- und Nachteile der Sojapflanze erläutert Sabine Zikeli, Leiterin des Zentrums Ökologischer Landbau in Hohenheim.

Frau Zikeli, wie finden Sie es, dass inzwischen mehr Soja auf deutschen Feldern wächst?

Sabine Zikeli: Diese Frage lässt sich so pauschal nicht beantworten. Eine neue Kultur ist immer so gut – oder schlecht –, wie sie angebaut wird: Wenn Fruchtfolgen eingehalten werden und mit einer neuen Sorte eine höhere Vielfalt auf den Äckern erreicht wird, dann ist das natürlich erst einmal positiv. Wenn es aber wie etwa in Brasilien oder Argentinien hektarweise Soja in Monokulturen gibt, ist das alles andere als gut.

Lange hieß es, dass die Sojapflanze sich nicht für Deutschland eignet.

Zikeli: Sie passt heute auf jeden Fall besser hierher als noch vor 15 Jahren: Das liegt zum einen an der Klimaerwärmung, zum anderen daran, dass Züchtungen verbessert beziehungsweise angepasst wurden.

Warum sollte sich ein Landwirt für die Sojabohne entscheiden?

Zikeli: Es kann ein Anreiz sein, das Futter fürs Vieh selbst zu produzieren – zumal Landwirte dann sicher wissen, dass es nicht gentechnisch verändert oder mit Mitteln wie Glyphosat kontaminiert ist. Dennoch sprechen wir von einem nachfragegesteuerten System: Es braucht weitere Anreize, zum Beispiel regionale Futtermittelhersteller als Abnehmer, die faire Preise zahlen. Oder Förderprogramme aus der Politik.

Weil sich der Anbau ohne Subventionen gar nicht rechnet?

Zikeli: Soja als Futtermittel zu importieren, ist immer noch deutlich günstiger, als es in Deutschland selbst anzubauen. Hinzu kommt, dass der Anbau nicht ganz unkompliziert ist: Die Beikrautbeseitigung im ökologischen Landbau ist nicht ohne – und auch der Herbizid-Einsatz im konventionellen Bereich streng geregelt.

Wie wirkt sich die Sojapflanze auf unsere Biodiversität, also die biologische Vielfalt, aus?

Zikeli: Inwiefern Bestäuber wie Bienen an Soja rangehen, dazu gibt es bislang kaum Forschung. Im Vergleich zu heimischen Leguminosen wie Ackerbohne oder Erbse könnte es hier zu einem Biodiversitäts-Konflikt kommen. Doch selbst die Beikräuter sorgen für mehr Vielfalt: Die sind zwar für die Landwirte in Sachen Ertrag problematisch, bieten aber eine Nahrungsgrundlage für viele Bestäuber und Vögel.

Für Eiweißpflanzen spricht, dass sie Stickstoff binden.

Zikeli: Die Sojabohne fixiert Stickstoff für die eigene Proteinproduktion. Das heißt: Landwirte sparen den Stickstoffdünger, bei dessen Herstellung CO2 freigesetzt wird. Das ist – vor allem aufs Klima bezogen – sehr positiv. Außerdem ist Soja ein hochwertiges Nahrungsmittel – für Tiere und für Menschen.

Was unterscheidet Soja dabei von anderen Körnerleguminosen?

Zikeli: Die Sojabohne hat einen hohen Anteil an essenziellen, also lebensnotwendigen, Aminosäuren. Die Ackerbohne etwa ist für menschliche Ernährung nicht so gut verwendbar. akj

Das Interview wurde telefonisch geführt und der Gesprächspartnerin vorgelegt.

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