Ernährung

Studie zu Kinderessen in Restaurants

Sind gesunde Kindergerichte im Restaurant nötig ?

Fettig und ungesund – so urteilt eine Studie, die 1877 Kindergerichte auf deutschen Speisekarten bewertet hat. Das klingt zunächst alarmierend. Doch ist es wirklich nötig, dass Restaurants vollwertige Kindermenüs servieren, oder geht dabei der Spaß für kleine Besucher verloren? Ein Pro und Kontra.

PRO: Von unserer Mitarbeiterin Mira Ziegler

Mal Hand aufs Herz: Im Grunde trauen wir unseren Kindern doch viel zu wenig kulinarische Raffinesse zu, wenn wir ihnen beim Essengehen immer bloß die gleichen pampigen Pommes mit dem „klassisch“-langweiligen Schnitzel servieren. Von diesem wissen wir meistens nicht einmal, aus welchen Tierresten es eigentlich besteht. Fakt ist, Kinder lernen das Essen genauso wie alles andere, nämlich durch Nachahmen. Das heißt, wenn wir unseren Kindern zeigen, dass die Karotte und der Apfel lecker sind, ist die Chance groß, dass ihnen später auch Gurke und Birne schmecken. Wieso also nicht auch im Restaurant?

Gerade dort sollte es für die Eltern ein Leichtes sein, ihre Kinder nach einem leckeren, gesunden Essen satt und glücklich mit nach Hause zu nehmen. Die Restaurants müssten nicht einmal eine eigene Kinderkarte anbieten, es würde völlig ausreichen, das Angebot für Erwachsene in kleineren Portionen anzubieten. Je nach Alter der Kinder wird in den meisten Fällen die Neugier siegen, und so manch eine Gaumenfreude wollen kleine Köche vielleicht auch zu Hause einmal ausprobieren.

Und genau das ist es doch, was man mit überarbeiteten Kindergerichten in Restaurants vorantreibt – die Gesundheit unseres Nachwuchses. Immerhin sind laut dem Robert-Koch-Institut 15 Prozent der Kinder in Deutschland übergewichtig, davon ein Drittel krankhaft. Diese Zahlen sollten für Restaurants Grund genug sein, ihre Menü-Auswahl für kleine Besucher zu ändern, denn die haben ebenso ein Recht auf eine leckere, gesunde Mahlzeit wie große.

KONTRA: Von unserem Redaktionsmitglied Bettina Eschbacher

Wenn wir auch noch die Speisekarten verzweifelt nach Vitamingehalt und Ballaststoffen absuchen, werden wir Kindern nie den unverkrampften Umgang mit Essen beibringen. Das ist in Zeiten unzähliger Essensdogmen – von Steinzeitdiät bis null Kohlehydrate – schwierig genug.

Gerade beim Restaurantbesuch soll es um Genuss gehen, darum, sich etwas Besonderes zu gönnen. Was für uns Erwachsene das feine Rumpsteak oder die üppige SchokoMousse ist, das ist für Kinder eben Pommes mit Ketchup oder Spätzle mit Soße. Und ja, gerne auch mit klebrig-süßer Limo! Wir und die Kleinen wissen, dass das nicht gesund ist, genau deshalb gibt es das im Alltag auch nicht. Umso schöner sind dann die bewussten Ausnahmen beim Essengehen. Außerdem kann der kleine Gast sich ja auch etwas anderes von der Erwachsenen-Speisekarte als kleine Portion aussuchen. Das geht fast überall.

Wer sich – absolut berechtigte – Sorgen um die Ernährung unseres Nachwuchses macht, sollte sich besser die Mittagessen in Kitas und Schulmensen vornehmen. Was den wehrlosen Kindern dort vorgesetzt wird, ist oft weder schmackhaft noch ausgewogen, dafür aber meist schön billig. Hier aber geht es um alltägliche Essgewohnheiten, die den Geschmack prägen und dauerhaft ungesund sind. Kinder dagegen, die mit gutem, abwechslungsreichem Essen aufgewachsen sind, werden später im Restaurant auch den bunten Frühlingssalat oder die vollwertigen Kürbisgnocchi bestellen – weil sie Lust darauf haben . . .

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