Essen und Trinken

Coole Drinks mit süßem Schuss

Archivartikel

Süß, klebrig und nur etwas für Kinder? Falsch! Moderne Sirupsorten sind mehr als nur mit viel Zucker aufgekochte Beeren, die der Garten abwirft. Kräuter, Gewürze und exotische Früchte bringen frische Aromen ins Glas.

Ob Limonade, Bowle, Likör, Cocktail, Eistee oder Schorle – ein Schuss Sirup peppt fast jedes Getränk auf und bringt Aromenvielfalt ins Glas. Warum nicht einmal einen Kaffee-Sirup im Eiskaffee probieren, einen Gewürzsirup im Cocktail oder einen Basilikumblütensirup im Prosecco?

Neben der Vielfalt ist „das Geniale“ am Sirup, „dass man die Intensität des Geschmacks bei jedem Getränk selbst bestimmen kann“, sagt Nina Ruffing, die in Hamburg eine kleine Sirup-Manufaktur betreibt. Als Richtwert empfiehlt sie Getränke mit Sirup im Verhältnis Eins zu Vier zu mischen. Die meisten der Sirup-Sorten, die Ruffing herstellt, basieren auf Zitronen- beziehungsweise Limettensaft. Sie sind deshalb – und wegen einer möglichst gering gehaltenen Zuckermenge – nicht so süß wie oft befürchtet.

Eine geringere Zuckermenge beim Einkochen gehe zwar zu Lasten der Haltbarkeit, sagt Ruffing. Wenn man aber nur kleine Mengen für den baldigen Verbrauch herstellt, sei das ja kein Problem. Wer auf Haushaltszucker im Sirup verzichten will oder aus gesundheitlichen Gründen muss, dem rät die Sirup-Produzentin zu Birkenzucker, der geschmacklich vom Haushaltzucker „nicht weit weg“ sei.

Praktische Vorteile

Sirup hat auch ganz praktische Vorteile: Er ist preisgünstig, ergiebig, haltbar. „Außerdem entfällt das Kistenschleppen – vor allem wenn man auch noch einen Wassersprudler nutzt“, sagt Elisabeth Engler, die in ihrem „Sirup-Kochbuch“ eine Vielzahl von Sirup-Sorten vorstellt. Zudem müssen die Kisten auch nicht untergebracht werden, Sirup ist also auch noch platzsparend.

Als Sommerdrink empfiehlt Sirup-Expertin Ruffing einen erfrischenden Cocktail mit Gurke: Dafür ein Stück Gurke fein reiben und den Saft auffangen. Gurkensaft mit vier Zentiliter Ingwer-Minze-Sirup verrühren, dann vier Zentiliter Gin dazugeben. Ins Glas kommen auch Zitronen- und Gurkenscheiben sowie Eis. Zum Schluss wird mit Tonic Wasser aufgegossen und mit Minze dekoriert. Alternativ schlägt sie eine „Gin Basil Smash“ aus Limetten-Basilikum-Sirup, Gin, Basilikumblättern und Eiswürfeln vor.

Basilikum steht auch bei Paul Peteanu im Fokus. Der Geschäftsführer eines Food-Start-ups in Unterföhring bei München baut auf großen Feldern rotblättriges und rot bis lila blühendes afrikanisches Basilikum an und stellt daraus Basilikumblütensirup her, der anders als der sonst bekannte grüne Basilikumsirup durch seine kräftig rote Farbe besticht.

Die Blüten des afrikanischen Basilikums haben einen besonders intensiven, leicht herben Geschmack, erklärt Peteanu. Im Gegensatz dazu seien die Blüten des bei uns üblicherweise bekannten grünen Basilikums eher geschmacksneutral. Sein Sirup, der dank eines relativ niedrigen Zuckergehalts vergleichsweise dünnflüssig ist, eignet sich für Schorlen und sommerliche Cocktails, aber auch für Salatdressings und warme Getränke wie etwa einen heißen Gin Fizz.

Für den Sommer schlägt Peteanu den Drink „Rotgold“ vor: Dafür kommen zwei Zentiliter Basilikumblütensirup, zwei Zentiliter Gin und zehn Zentiliter Prosecco mit Eiswürfeln ins Glas. Dekoriert wird mit einer Grapefruitscheibe. Ein erfrischender Durstlöscher für Kinder und Erwachsene ist immer auch eine Sirup-Schorle.

Was Wintersportler als „Skiwasser“ kennen, schmeckt auch im Sommer: Einfach den Lieblingssirup nach Geschmack mit Mineralwasser mischen und schon ist das aromatische Getränk fertig. Ruffings Tipp: Dekoriert mit Minze und Zitronen- oder Limettenscheiben wird der kleine Cocktail auch noch zum echten Hingucker.

Alkoholfreien Genuss beschert Ruffings Rezept für Eistee mit Sirup. Dafür brüht sie starken Schwarz- oder Kräutertee auf und lässt diesen etwa fünf Minuten ziehen. Der Tee wird dann mit Sirup gemischt und nach dem Abkühlen mit Mineralwasser aufgefüllt. Das i-Tüpfelchen sind Salbeiblätter, Zitronengras, Ingwerscheiben, Thymianzweige oder andere Kräuter, die den Geschmack des ausgewählten Tees unterstreichen.

Nicht Tee, sondern Kaffee ist die Grundlage von Englers „Wachmacher-Sirup“. Dafür mischt er 400 Milliliter sehr starken Kaffee mit 300 Gramm Zucker und lässt das Ganze anschließend 20 Minuten lang zu einem Sirup einkochen, der dann zu Eiskaffee, Milch oder Desserts passt.

Kaltauszug als Alternative

Der Fantasie sind bei der Zutatenauswahl für die Sirup-Herstellung kaum Grenzen gesetzt. Engler kreiert Sirupe aus Kräutern, Gewürzen, Blumen und Blüten – vom Gänseblümchen bis zur Magnolie und aus allen Früchten, die die Natur bietet. Doch nicht immer wird der Sirup gekocht. Wenn es nicht um Haltbarkeit geht, ist der Kaltauszug eine spannende Alternative zum Einkochen. „Dabei bleibt das Aroma der Frucht noch intensiver erhalten“, sagt Engler. Für ihren Kaltauszug mit Brombeeren, der übrigens auch mit Tiefkühlbeeren funktioniert, wird ein Kilogramm Beeren etwas angequetscht, dann mit einem Esslöffel Vanillezucker und einem Kilogramm Zucker gemischt und zugedeckt in den Kühlschrank zum Ziehen gestellt. Immer wieder umrühren, nach drei Tagen durch ein Tuch passieren und abfüllen. Fertig ist der konzentrierte Sommergenuss.