Essen und Trinken

Ein Herz für Tulpen

Welch herzige Geschichten sich um die Zwiebeln von Frühblühern ranken, hat mir vor ein paar Tagen die Verkäuferin in einem Gartenmarkt erzählt. Eine handelt davon, dass Omas früher Krokus-Zwiebeln in den Rasen setzten, wenn zu Beginn des kommenden Jahres ein Kind in der Familie erwartet wurde. Die Zwiebeln wurden dabei so angeordnet, dass die Blumen später den Anfangsbuchstaben des Babynamens zeigten. Wenn alles nach Plan lief, erschienen die Krokusse dann, wenn die frisch gebackene Mutter mit ihrem Neugeborenen vom Krankenhaus nach Hause kam.

Ob das oft genauso geklappt hat, darf getrost hinterfragt werden. Mich aber hat die Geschichte auf die Idee gebracht, mit meinen – nicht mehr ganz so kleinen – Kindern im nächsten Frühling ein Herz etwa aus Tulpen in unserem Garten aufgehen zu lassen.

Was wir dabei beachten müssen, frage ich Stefan Münch, den stellvertretenden gärtnerischen Leiter des Mannheimer Luisenparks. Dort kommen nämlich auch Mitte Oktober die Zwiebeln in die Erde.

Stefan Münch hat die neuen Sorten für die Saison 2021 schon bestellt. Denn auch Pflanzen unterliegen der Mode. „Tatsächlich ist das Aussuchen von Blumen dem Kombinieren von Kleidern gar nicht so unähnlich“, verrät der Experte mit einem Augenzwinkern.

Bei Tulpen beispielsweise muss entschieden werden, ob die Blüten gefüllt oder ungefüllt, ein oder mehrfarbig sein sollen. Die Blütenblätter einfach, gefranzt oder spitz zulaufend. Die Stängel eher länger oder kürzer. „Da gibt es inzwischen die unglaublichsten Züchtungen“, berichtet Stefan Münch.

Er selbst greift aber besonders gerne zu alten Sorten. „Bei denen weiß man, dass sie funktionieren“, betont der Fachmann. „Die neueren haben sich bisweilen so weit vom Ursprung entfernt, dass ihre Farben zwar immer großartiger, die Blumen jedoch insgesamt immer empfindlicher sind.“

Ein weiteres Kriterium bei der Auswahl ist zudem, wann die Tulpen Beete und Rabatte schmücken sollen. So treffen Besucher im Luisenpark eher selten auf die populär gewordenen Papageientulpen, weil diese zu den späten Sorten gehören. Bis sie ihre Schönheit ab Mitte April endlich zeigen, ist in Mannheims grüner Lunge nämlich längst der Sommerflor Thema.

Eine Faustregel, die übrigens nicht nur für Tulpen gilt, gibt mir Stefan Münch für unser geplantes Garten-Experiment unterdessen noch mit. Die Zwiebeln sollten immer doppelt so tief in die Erde wie sie groß sind. Und auch um sich herum brauchen die Blumen doppelt so viel Platz, um richtig gut wachsen zu können.

Bedenken hat der Gärtner jedoch ein wenig, ob Tulpen bei unserem Herz-Vorhaben die richtige Wahl sind. Denn mit ihren langen Stängeln können sie recht leicht umknicken. Gerade in einem Garten, in dem Kinder spielen. Eine Alternative wären etwa Krokusse. „Die aber sind etwas eigen, was den Standort angeht. Wenn sie den Boden nicht mögen, kommen sie nicht gut“, erläutert Münch. Auch Traubenhyazinthen würde er nicht nehmen. „Denn die wiederum vermehren sich sehr stark.“ Eine Möglichkeit wären aus seiner Sicht Narzissen – und dann doch im Zusammenspiel mit niedrigen Tulpen. Etwa in Rottönen. „Bei den Farben geht es allerdings ganz nach Geschmack“, meint der Fachmann. Vielleicht entscheide ich mich dann trotz allem doch für ein reines Tulpenherz. In Blau, Weiß und Rot. Den Farben meiner Geburtsstadt: Mannheim.