Essen und Trinken

Eiswein-Liebhaber kommen trotzdem auf ihre Kosten

Archivartikel

Vom Jahrgang 2019 konnte nur in einem deutschen Anbaugebiet Eiswein produziert werden – eine absolute Premiere, die nicht nur die Winzer trifft. Doch für Dessertwein-Freunde gibt es süße Alternativen.

Die Winzer ließen ihre schönsten Trauben hängen und warteten auf mindestens minus sieben Grad Frost – und das fast überall vergeblich! Ein einziger Winzer aus Korb im Remstal in Württemberg konnte vom Weinjahrgang 2019 einen Eiswein produzieren. Seine knapp 100 Liter dürften damit für Liebhaber eine besondere Rarität sein.

Gehen Eiswein-Liebhaber ansonsten in diesem Jahr leer aus? Zumindest gibt es „eine süße Alternative, die ebenfalls mit cremigen Desserts harmoniert“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut, kurz DWI.

Der Experte schlägt eine Beeren- oder Trockenbeerenauslese vor. Denn Eiswein und Beerenauslese seien vom Süßegehalt vergleichbar. Der Unterschied zwischen den beiden edlen Dessertweinen liege aber in ihrem Charakter, sagte der DWI-Weinexperte: Während für den Eiswein Blütenaromen und Pfirsichnoten typisch seien, könne eine Beerenauslese dagegen mit Aromen von Karamell, Honig und Rosinen punkten.

„Das liegt an den rosinenartigen, eingetrockneten Beeren“, sagt Büscher. Sie werden in mühevoller Kleinarbeit aus der ganzen Beerentraube herausgelesen, „im wahrsten Sinne des Wortes als Rosinen herausgepickt“. Auch im weiteren Produktionsprozess sei es nicht einfach, den Saft aus den rosinierten Beeren zu vergären.

Ein Liter Beerenauslese hat einen natürlichen Zuckergehalt von fast 300 Gramm, eine Trockenbeerenauslese sogar noch einmal deutlich mehr. „Da können Hefen nur schwer überleben. Das ist vergleichbar mit Marmeladen, die man eigentlich mit Zucker zum Konservieren bringen will. Beim Weinmachen ist der gegenteilige Effekt gefragt“, sagt der DWI-Sprecher.

Es bedarf also großer Winzerkunst, damit bei einer Trockenauslese am Ende die mindestens vorgeschriebenen 5,5 Volumenprozent herauskommen. Mit dem Zucker wird in den Beeren auch die Fruchtsäure konzentriert. Weil die Rebsorten von Natur aus unterschiedlich hohe Säuregehalte haben, rät Büscher zu einer Beeren- oder Trockenbeerenauslese von Rieslingtrauben: „Die haben von Natur aus hohe Fruchtsäuren“, weiß der Experte. Dieser Wein werde als fruchtig-frisch wahrgenommen – und nicht als pappig-süß.

Eine Beerenauslese passe zum Obstsalat ebenso wie zur Crème brûlée, sagt Büscher: „Doch mein Geheimtipp ist, sie mit Blauschimmelkäse oder einem Blue Stilton zu probieren. Der edelsüße Wein bildet am Gaumen einen fantastischen Kontrast zur Salzigkeit und Herbe des Käses.“ dpa-tmn