Essen und Trinken

Jetzt wird für die Vögel aufgetischt

Frisch geschlüpfte Rotschwänzchen, die im Nest nach Futter kreischen. Badende Amseln im Teich. Schwalben, die im Zick-Zack-Kurs über den Hof fliegen. Oder eine Goldammer, die neugierig vom Zaun herüberguckt. Die Vögel haben über den Sommer für ganz schön Leben gesorgt. Doch inzwischen ist es merklich stiller geworden. Die Schwalben und die schnell groß gewordenen Rotschwänzchen haben sich zu ihrer Winterbleibe aufgemacht. Uns fehlen sie schon jetzt.

Also hat der Familienrat beschlossen, im Garten eine Futterstelle für Vögel einzurichten. Dort können die Kinder die gefiederten Freunde dann beobachten. Meisenknödel oder Körnerstangen einfach zu kaufen, kommt allerdings nicht in Frage. Wir wollen unser Vogelfutter selbst herstellen.

Was wir den Tieren am besten auftischen, frage ich Dieter Raudszus, Vogelexperte beim Naturkunde- und Naturschutzverein Pollichia. Er lebt und engagiert sich im Kreis Bad Dürkheim. Dort gibt es die höchste Dichte an Vogelschutzgebieten in der ganzen Bundesrepublik.

Ich habe in einem Magazin Leckereien für Vögel gesehen, die mit Plätzchenformen gemacht werden. Herzen oder Sterne aus Fett und jeder Menge Körner. Ein bisschen Vorweihnachtszeit auch für die Tiere. Doch Dieter Raudszus winkt freundlich ab. „Das ist viel zu viel Arbeit und letztlich für die Vögel unpraktisch, weil sie solchen Schmuck nur schlecht anfliegen können“, sagt er. Der Vogelschützer selbst greift bei seiner Futter-Produktion lieber zu Blumentöpfen aus Ton mit einem Loch im Boden. Dadurch wird ein stabiles Aststück mit einer Gabelung gesteckt. Dieses soll später als Landeplatz für die Vögel und zusammen mit einer Kordel zum Aufhängen dienen.

Dann wird der Topf mit Sonnenblumenkernen gefüllt. Am besten mit ungeschälten. Von Futterkörnermischungen aus dem Handel rät Raudszus eher ab. „Da ist viel drin, was etliche Vögel gar nicht so mögen. Zum Beispiel Ambrosia-Samen.“

Und die haben noch einen höchst unangenehmen Nebeneffekt. Geht eine Ambrosia-Pflanze im Garten auf, hat man ein hochallergenes Gewächs in seiner Umgebung. Das kann vor allem für Menschen mit Heuschnupfen zum Problem werden, zumal sich die Pflanze stark vermehrt. Also bleiben wir bei unserem puristischen Rezept und benutzen lediglich Sonnenblumenkerne. In den Tontopf wird zudem geschmolzenes Fett gegeben, das die Zwischenräume auskleidet und den Vögeln zusätzlich Kraft gibt. „Ob Rindertalk, Schweine- oder Kokosfett benutzt wird, ist egal. Nur salzlos muss es auf jeden Fall sein. Sonst bekommen die Tiere unnötig Durst“, betont der Fachmann.

Ist das Fett hart geworden, wird der Tontopf draußen umgekehrt und möglichst hoch aufgehängt. So können die Vögel sicher vor Nachbars Katze darauf landen. Daneben können Tierfreunde auch aufgeschnittene Äpfel anbieten. „Darüber freuen sich etwa die Rotkehlchen und Amseln“, erklärt Dieter Raudszus.

Wir haben die Tontöpfe mit den Kindern vor dem Füllen mit kleinen Schneeflocken bemalt. Deshalb wirken sie jetzt am Baum vor unserer Haustür ein wenig wie Weihnachtsglöckchen.

„Die ersten Meisen, Finken und Spatzen werden hoffentlich nicht allzulange auf sich warten lassen“, denke ich, als ich von der Leiter steige. Ihr Besuch nämlich wäre für uns der Beginn einer schönen Winterzeit.