Essen und Trinken

Kinderleicht und gesund

Archivartikel

Chicken Nuggets, Pommes, Nudeln: Das sind typische Gerichte, die Kinder lieben. Viele dieser Dinge gibt es fix und fertig zu kaufen. Eltern können sie aber mit wenig Aufwand und viel gesünder zu Hause kochen.

Wer im Restaurant auf der Speisekarte bis zum Punkt „Kindergerichte“ blättert, findet dort in den meisten Fällen die üblichen Verdächtigen: Nudeln mit Tomatensoße, Pommes mit Würstchen und Chicken Nuggets. Eltern machen die meisten Kinder damit glücklich. Doch was, wenn sich Sohn oder Tochter diese Speisen ebenfalls zu Hause ständig wünschen? Klar gibt es die Gerichte auch tiefgefroren oder zum Anrühren zu kaufen. Aber lässt sich das nicht auch schnell selbst kochen, mit weniger Zusatzstoffen und so, dass es den Kindern trotzdem schmeckt?

Es gibt viele Kochbuchautoren und Köche, die sich auf das Familienessen spezialisiert haben und diese Fragen ganz klar mit einem „Ja“ beantworten. Nicola Alferi etwa ist eine von ihnen. Sie bietet Kochkurse für Kinder an und hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Juliana Morelli Bell ein Rezeptbuch für Kinder geschrieben. Für eine Tomatensoße nimmt sie nur ein paar Zutaten: Sie püriert Fleischtomaten, für vier Personen nimmt sie acht Stück. Dann kommen Salz und Pfeffer dazu, schließlich ein Esslöffel Tomatenmark. „Für die Süße und Milde rasple ich dann noch zwei kleine Karotten rein und lasse sie mitköcheln“, sagt Alferi.

Kinder können helfen

Ihre Chicken Nuggets haben den Vorteil, dass Kinder auch noch gerne beim Vorbereiten mithelfen: Sie nimmt Hühnchen, dippt sie in mit Salz und Pfeffer gewürzten Joghurt und wälzt sie dann in ungesüßten Cornflakes: „Am besten gibt man die in eine Tüte und die Kinder zerdrücken sie mit ihren Fäusten.“ Dann kommen die Teile für 20 Minuten in den Ofen – fertig. Wer kein Fleisch nehmen möchte, wandelt das Rezept einfach mit Fisch ab.

Köchin Sarah Wiener tut sich schwer mit Gerichten, die standardmäßig als „Kinderessen“ deklariert werden. „Wir gehen reflexartig davon aus, dass Kinder nur einige wenige Speisen essen wollen – Pizza, Nudeln und so weiter. Das liegt aber oft nicht an den Kindern, sondern an uns und unserem beschränkten Angebot für sie.“ Oft bieten ihnen Erwachsene immer wieder dasselbe an, so dass Kinder gar nicht erst in die Verlegenheit geraten, Lust auf etwas anderes zu bekommen.

Eine von Sarah Wieners vielen Geheimwaffen sind Bulgur und Couscous als Basis. „Da gibt man einfach dazu, was jeder möchte: Würstchen, Ei, Gurke und Tomate.“ Auch ein schnelles Hummus ist etwas für Kinder: Dafür weicht Wiener Kichererbsen über Nacht ein, kocht sie morgens und verfeinert das Ganze mit Knoblauch, Gewürzen, Oliven und Schwarzkümmel. „Das schmeckt toll zu getoasteten Brotscheiben.“

Wieners Erfahrung nach ist es am besten, Kinder beim Essen so viel wie möglich mitentscheiden und herumexperimentieren zu lassen. So haben die Kleinen Erfolgserlebnisse. Außerdem rät sie Erwachsenen, nicht gleich aufzugeben: „Die ganze Karotte ist vielleicht zu viel, aber klein geschnitten mit einem Dip finden sie es lecker.“ Was Eltern oft vergessen: Kinder müssen bis zu zehn Mal ein Lebensmittel probieren, bis sie es mögen.

Manchmal liegt es auch an der Konsistenz, sagt Vanessa von Hilchen. Ihr fünfjähriger Sohn schiebt gekochte Rote Bete gerade angewidert von sich, püriert in Hummus oder fein gehackt im Wrap isst er sie gern. Von Hilchen ist Bloggerin und hat ein Kochbuch mit vegetarischen Gerichten für Kinder geschrieben.

Ketchup ohne weißen Zucker

Sie hat zum Beispiel ein Rezept für Kinder-Ketchup, der ohne weißen Zucker auskommt, aber trotzdem süß schmeckt. Für 150 Gramm nimmt sie fünf gehäufte Esslöffel Tomatenmark, gibt zwei Esslöffel Ahornsirup, einen Esslöffel Apfelessig, einen Teelöffel Paprika edelsüß sowie einen halben Teelöffel Curry hinzu. Schließlich vermengt sie die Masse mit einer Prise Piment und etwas Meersalz.

Das Ketchup passt wiederum perfekt zu den Ofen-Pommes von Nicola Alferi: Dafür schneidet sie Kartoffeln in Stifte, gibt sie mit zwei Esslöffel Öl, einem Teelöffel Salz sowie einem Teelöffel Paprikapulver in eine Schüssel und vermengt alles mit den Händen. Damit sie schön knusprig werden, sollten die Pommes genügend Platz nebeneinander auf dem Blech haben. Nach 20 bis 25 Minuten bei 200 Grad Umluft sind die Ofen-Pommes fertig.

Auch das Dessert muss nicht fertig aus dem Kühlregal kommen. Wem die gesüßten Joghurts aus dem Supermarkt ein Dorn im Auge sind, kann Kindern eine Variante mit weniger Zucker anbieten. Alferi rührt für ihren „Fruchtwichtel“ Quark, griechischen Joghurt und etwas flüssigen Honig cremig. Dann püriert sie Früchte mit etwas Vanillezucker und schichtet das Ganze abwechselnd mit der Quarkmischung in Gläser.

Auch wenn Vanessa von Hilchen in ihrem Kochbuch klassische Kindergerichte abwandelt, versucht sie, ihrem Sohn in Sachen Essen nichts vorzuschreiben: „Wenn er im Restaurant gern Chicken Nuggets und Pommes essen möchte, bekommt er sie auch.“ Alles andere sei übergriffig und kontraproduktiv. Sie setzt darauf, dass ihn das Essen zu Hause stärker prägen wird.