Familie und Erziehung

Internet Wie man Kindern bei Online-Belästigung helfen kann

Gegen Hass im Netz wehren

Göttingen/Mannheim.Belästigt zu werden, gehört für viele Jugendliche im Internet zum Alltag. „Warum sollte es online besser aussehen als offline?“, fragt Sabine Eder vom Verein Blickwechsel. „Belästigung gibt es in ganz verschiedenen Formen, zum Teil sind es menschenverachtende Kommentare.“

Betroffen seien zwar Jungen ebenso wie Mädchen. „Aber Mädchen werden zum Beispiel oft auch von erwachsenen Männern aufgefordert, anzügliche Bilder zu verschicken“, sagt die Diplompädagogin, die zugleich Bundesvorsitzende der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) ist. „Und im Games-Bereich wird man schon aufgrund seines Geschlechts beschimpft.“

Die Folgen sind unterschiedlich. „Wenn Jugendliche wissen, dass man sich wehren kann und sich nicht schämen muss, kommen sie in der Regel besser damit klar“, weiß Eder. Wer sich dagegen nicht zu wehren weiß, zieht sich oft aus den sozialen Netzwerken zurück.

Oft aus schulischem Umfeld

„Mädchen und Frauen werden damit ein Stück von der gesellschaftlichen Teilhabe ausgeschlossen“, sagt Martin Bregenzer, von der EU-Initiative Klicksafe. Häufig wollen betroffene Kinder dann auch nicht mehr in die Schule. „Der Hass kommt oft nicht von Fremden, sondern aus dem schulischen Kontext“, sagt Eder. „Je näher an der realen Lebenswelt, desto schwerwiegender.“ Für Eltern kann es daher ein Signal sein, wenn ihr Kind nicht mehr zur Schule gehen möchte.

Wer von Online-Belästigung betroffen ist, sollte den entsprechenden Kontakt im jeweiligen Netzwerk Fall blockieren, rät Eder. Es empfehle sich allerdings, vorher Screenshots anzufertigen und als Beweise aufzubewahren. Plattformen haben auch Meldesysteme, über die Vorfälle angezeigt werden können. Die sind allerdings oft nicht einfach zu finden, sagt Bregenzer. Kinder und Jugendliche sollten sich daher am besten Unterstützung bei Vertrauenspersonen holen.

Anlaufstellen für Betroffene

„Eltern sollten in stetigem Austausch mit ihren Kindern sein, wenn es um die Onlinenutzung geht“, empfiehlt Bregenzer. „Das ist nicht mit einem Gespräch erledigt, sondern man muss signalisieren, dass man sich dafür interessiert, was sie online machen.“ Bereits, wenn sie für ihre Kinder Apps herunterladen, sollten Eltern wissen, wozu man sie nutzen kann. Klicksafe informiert zum Beispiel online darüber, wie man Apps sicher einstellen kann.

Anlaufstellen für Betroffene sind auch die Nummer gegen Kummer (116 111) oder die Website jugend.support. Häufen sich Online-Belästigungen dramatisch, sollte auch die Polizei eingeschaltet werden, raten die Experten. tmn