Feudenheim

Naturschutz

Ärger um verfrühtes Mähen im Feudenheimer Flächennaturdenkmal "Bell"

Mannheim-Feudenheim.„Flächenhaftes Naturdenkmal“, so steht es da groß auf dem Schild - und wem das nicht genügt, der kann sich knapp daneben auf einer Tafel auch noch die seltenen und geschützten Pflanzenarten im Bild anschauen. Dennoch wurden im Flächennaturdenkmal „Bell“ im Feudenheimer Bürgerpark größere Bestände des Feldbeifußes und etliche Exemplare der streng geschützten Sand-Sommerwurz, einem Wurzel-Parasiten eben jener Beifuß-Art, abgemäht - und das völlig zur Unzeit. Muss doch die Mahd in diesem Bereich der Sandvegetation eigentlich immer deutlich später im Jahr angesetzt werden. Entsprechend groß war die Empörung unter den Naturschützern, sie protestierten nicht nur bei der Stadt, sondern meldeten sich auch bei Gerhard Rietschel.

Der promovierte und habilitierte Biologe ist seit mehr als 30 Jahren Naturschutzbeauftragter der Stadt, und auch er war alles anderes als erfreut über diese schlechte Nachricht. „Da ist ein richtiger Fehler gemacht worden“, sagt der Experte - und macht gleichzeitig Hoffnung: „Glücklicherweise ist der Schaden aber nicht so groß wie zunächst befürchtet“.

Vor 22 Jahren wurde der Sandwiesenbereich „Bell“ dort im Bürgerpark als so genanntes Flächennaturdenkmal ausgewiesen, es umfasst etwa einen halben Hektar Fläche. „Das ist ein zu kleines Areal, um es zum Naturschutzgebiet zu erklären, daher wurde es zum Flächennaturdenkmal. Hier wie dort gelten allerdings die gleichen Verbote“, erklärt Rietschel. Sie betreffen jede Veränderung, Beeinträchtigung oder gar Zerstörung der Sandwiesen, unter anderem bedeutet das: Pflanzen dürfen dort weder gepflückt noch ausgegraben werden, es darf dort weder gezeltet noch gefeiert und schon gar nicht gegrillt werden.

Zu den streng geschützten Arten dort zählt unter anderem die Sand-Sommerwurz, sie wächst parasitär auf den Wurzeln des Feldbeifußes, die mehrjährige, krautige Pflanze bildet keine Blätter aus und blüht blau. Sie ist sehr selten und gedeiht nur in sandigen Gegenden.

Eben jene Sand-Sommerwurz ist von der verfrühten Mahd betroffen, Naturschützer sprechen davon, dass mehrere hundert Exemplare abgemäht worden seien. Die Stadt hat Ende Juni von der Mahd erfahren, wie der zuständige Sprecher Kevin Ittemann dem „MM“ auf Nachfrage erklärte. Der Fachbereich Grünflächen beauftrage alljährlich einen Firma mit den Mäharbeiten, freilich sei der Termin vertraglich für Ende August festgelegt worden. Allerdings sei es „bei der Firma zu einer zeitlichen Verwechslung gekommen“, räumte Ittemann ein.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der verfrühten Mahd seien sämtliche Arbeiten gestoppt worden. Da die Pflanzen allerdings mehrjährig sind und nicht alle Sand-Sommerwurze abgemäht worden seien, gehe die Stadt davon aus, „dass die Pflanzen nächstes Jahr wieder austreiben“, so dass es zu keinem Schaden gekommen sei. Ähnlich sieht das auch der Naturschutzbeauftragte: „In sonstigen Jahren wurde immer korrekt gemäht, das ist auch notwendig zur Pflege der Fläche und ausdrücklich erlaubt in der Verordnung zum Flächennaturdenkmal“, sagt Rietschel. Der Schaden sei jedenfalls kein dauerhafter: „Ich war dort, der Feldbeifuß treibt von unten schon wieder aus, ich habe auch Sand-Sommerwurz gefunden auf der angrenzenden Fläche, die dann ja auch Samen bekommt.“ Da die Pflanze ohnehin auf den Wurzeln des Beifußes sitze, werde sie dort auch überleben, meint Rietschel. Hätte es sich um eine einjährige Pflanze gehandelt, „wäre der Schaden katastrophal gewesen“. Die Stadt hat nach Auskunft von Ittemann nun noch einmal ausdrücklich „entsprechende Vorgaben zur Vermeidung einer zu frühen Mahd für die Folgejahre“ veranlasst.

Die „Bell“ im Feudenheimer Bürgerpark beherbergt noch andere seltene Pflanzen und Tiere. „Beispielsweise gibt es dort Steppenwolfsmilch und Silbergras“, so Gerhard Rietschel. Auch das Ohrlöffel-Leimkraut, der Scharfe Mauerpfeffer, die Blattscheiderbiene oder die Große Kreiselwespe sind hier zu Hause, wie Naturschützer wissen.